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Wo Radeberg erste Bundesliga ist

Der RSV ist der größte Sportverein der Stadt. SZ und Radeberger Brauerei stellen seine Abteilungen vor. Heute: Bogenschützen.

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Von Jens Fritzsche

Wer am Wochenende durchs winterliche Radeberger Hüttertal wanderte, konnte sich ein wenig in die Zeit von Robin Hood zurückversetzt fühlen – denn es waren jede Menge, mit Pfeilen und Bögen „Bewaffneter“ im Tal unterwegs. Was im Übrigen seine Richtigkeit hatte: Denn die Bogenschützen des Radeberger Sportvereins hatten zum sogenannten 3D-Bogenschießen eingeladen. Und etwa 60 Bogensportler waren dem Ruf gefolgt, um hier nun auf Tierfiguren „Jagd“ zu machen. „Es ist spannend, mal ein bisschen abseits des sonst unseren Sport ausmachenden Weges zu trainieren und zu schießen“, sagt Steffen Petraschke, der Chef der Radeberger Bogenschützen.

Eigentlich schießen die Bogenschützen ja auf große, runde Zielscheiben aus Stroh. Und das in Radeberg im Übrigen seit fast 50 Jahren sehr erfolgreich. Denn seit der Gründung der Abteilung – 1963 noch als Sportgruppe der Betriebssportgemeinschaft Rafena, des späteren Robotron-Werks – gehörten die Radeberger Bogenschützen stets zu den Besten des Landes. 1970 fanden in Radeberg erstmals DDR-Meisterschaften statt, bei denen mit Bernd Schulze ein Radeberger auch gleich Silber errang. 1982 stieg die Herrenmannschaft dann in die Oberliga auf, die höchste Spielklasse der DDR. Und auch aktuell zählen die Radeberger Bogenschützen zur Elite des deutschen Bogenschießens. Immerhin kommt eine der aktuell zehn Bundesliga-Mannschaften aus Radeberg. 2000 waren die Radeberger in die höchste deutsche Klasse aufgestiegen. Und 2004 wurden sie dann sogar Dritter, „unsere bisher beste Platzierung. Aktuell gehören wir zum Mittelfeld der Bundesliga“, sagt Vize-Vereinschef Matthias Birk nicht ohne Stolz. Im vorigen Jahr wurden die Radeberger Sechster der Bundesliga.

Zwei Spieltage gibt es dabei in jeder Saison. Dann treffen alle zehn Teams aufeinander. Vor zwei Jahren richteten die Radeberger einen solchen Spieltag aus. „Ein echter Kraftakt, aber ein wunderbares Erlebnis“, denkt Steffen Petraschke gern zurück. Kraftakt deshalb, weil gut sechs Wochen zuvor der brutale Tornado vom Pfingstmontag 2010 den Zugang zur Bogenschießanlage im Hüttertal unmöglich gemacht hatte. Die angereisten Bundesliga-Teams hatten deshalb auf den Rasenplatz der Fußballer im Stadion an der Schillerstraße ausweichen müssen. „Und wir mussten uns Zielscheiben von befreundeten Vereinen ausborgen, haben auch eine Menge neu kaufen müssen“, klingt Matthias Birk noch immer ein wenig ungläubig, dass der Spieltag trotz all dieser Schwierigkeiten über die Bühne gehen konnte. „Fast ein kleines Wunder…“

Dabei war der Tornado nicht der erste schwere Rückschlag für die Radeberger Bogenschützen gewesen. Im November 2003 hatten Unbekannte das Domizil der Schützen im Hüttertal angezündet. Das komplette Gebäude war ein Raub der Flammen geworden. Doch die Radeberger ließen sich nicht unterkriegen – „und wir bekamen eine wirklich großartige Unterstützung von den anderen Abteilungen des RSV, vom Land Sachsen und auch von der Radeberger Brauerei, die uns im Übrigen auch in Sachen Bundesliga-Team sehr engagiert unterstützt – ohne Sponsorenhilfe funktioniert Sport heute ja eben nicht mehr“, ist Abteilungsleiter Steffen Petraschke dankbar. Im Übrigen hat die Brauerei auch beim Kauf der 3D-Tiere geholfen, auf die am vergangenen Wochenende im Tal die Sportpfeile flogen.

Dass die Bogenschützen derzeit im Freien anzutreffen sind, ist dabei allerdings eher ungewöhnlich. Die Freiluftsaison beginnt erst wieder im April. Dann wird immer freitags im Hüttertal trainiert. Bis dahin nutzen die Bogenschützen zwei Mal pro Woche die kleine Sporthalle am Stadion Schillerstraße. Und zum Training, sagt Matthias Birk dann, sind Interessierte immer willkommen. Aktuell hat die Abteilung 37 aktive Mitglieder – „aber davon sind nur fünf Nachwuchsleute, da könnten wir wirklich noch jede Menge Interessierte gebrauchen“, wirbt auch Abteilungschef Steffen Petraschke. Immerhin sind die Radeberger Bogenschützen aktuell die einzigen in Radeberg und Umgebung, die als Trainingsziel einen Startplatz in einem Erstliga-Team in Aussicht stellen können...