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Wo Regale in den Himmel ragen

Firmen schätzen die gute Lage an der Dohnaer Straße. 2013 baute auch Selgros neu und braucht jetzt schon eine Frischekur.

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Von Annechristin Bonß

Bei den Eiswaffeln steigt die Temperatur. Endlich. Gerade waren es noch 15 Grad samt Gänsehaut, Frösteln und dem Summen der Kühlschränke. Nun wird es langsam angenehmer. Draußen vor der Tür wartet der Sommer mit 30 Grad und Sonnenschein. Ein Besuch im Großhandel Selgros an der Dohnaer Straße erscheint gerade in diesen Tagen als Spaziergang durch die Klimazonen. Die Halle mit knapp 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist ohnehin klimatisiert. Ganz hinten bei den Kühlschränken für Fisch, Fleisch, Wurst, Käse und Milchwaren wird es noch einmal kälter – Alltag für die 120 Mitarbeiter.

Seit zwei Jahren hat der Großhandel an der Dohnaer Straße einen eigenen Standort. Als der Mietvertrag am vorherigen Objekt an der Breitscheidstraße auslief, musste etwas Neues her. „Damals konnten wir uns entscheiden: Noch einmal mieten oder etwas Eigenes bauen“, sagt Geschäftsleiter Jürgen Frohberg. Der 44-Jährige arbeitet seit 1999 für Selgros in Dresden und hat auch den Umzug an die S 172 mitgemacht.

Das Grundstück an der Straße habe mehrere Vorteile geboten. Es liegt in der Nähe vom alten Standort und ist durch die Dohnaer Straße gut angeschlossen. 50 000 Kunden aus dem Südosten der Stadt und dem Umland sind registriert. Das sind Gewerbetreibende aus der Gastronomie, Kioskbetreiber und Handwerksbetriebe, aber auch Vereine und Ämter. Etwa 500 Kunden kommen aus Tschechien. Sie kaufen vor allem Süßwaren, Wurst- und Fleischprodukte in Deutschland. Nicht nur, weil die Preise hier durchaus günstiger sind als in dem Nachbarland. „Wer Kunden aus Deutschland bei sich bewirtet und beherbergt, will denen auch Produkte von hier anbieten“, sagt Jürgen Frohberg. Wie viele Kunden wirklich täglich oder im Monat kommen und wie oft, darüber schweigt der Geschäftsleiter. Auch Umsatzzahlen verrät er nicht. Zu groß ist der Konkurrenzdruck in der Branche. Zufrieden ist Jürgen Frohberg dennoch mit dem Geschäft.

Das bedeutet für die Mitarbeiter vor allem körperlich schwere Arbeit. An sechs von sieben Tagen räumen und heben sie. Und schieben Wagen durch die Gänge. Voll beladen mit Waren, viele in XXL-Verpackung. Fünf-Kilo-Säcke Nudeln, Fleischbrocken, die zwei Kilogramm wiegen, Hunderte Waffeln in einem Karton, Riesenflaschen gefüllt mit Fruchtsoßen, die in einem herkömmlichen Haushalt ein ganzes Jahr lang halten dürften. Viele der Regale reichen bis unter die Decke der zehn Meter hohen Halle. Gleich über dem Verkaufsbereich beginnt das Lager, alles in einem Raum, ohne trennende Decken.

25 000 Produkte aus dem Lebensmittelbereich gibt es im Selgros zu kaufen. Fleisch kommt aus der hauseigenen Schlachterei. Zwei Fleischermeister kümmern sich darum, zerteilen, marinieren und portionieren. Der Selgros sei vor allem wegen dieses Angebots gefragt, sagt Jürgen Frohberg. Etwa genauso viele Produkte zählt der sogenannte Non-Food-Bereich. 20 Prozent der Waren werden jedes Jahr ausgetauscht, weil sie entweder nicht mehr produziert werden, in einer anderen Verpackung auf den Markt kommen oder die Nachfrage sich verändert hat. „Das sind 4 000 bis 5 000 Produkte, die wir aussortieren und den Platz in den Regalen wieder neu füllen“, sagt der Geschäftsleiter.

Ein neues Aussehen bekommt in den nächsten Tagen auch die Fassade. Weil der Besitzer von Selgros gewechselt hat, gibt es eine neue Firmenfarbe. Das Blau an der Hauswand verschwindet, nun ist rot angesagt. Am Haupteingang wehen bereits rot-weiße Fahnen. Ob die Kunden dann noch besser zum Selgros finden? Jürgen Frohberg zuckt mit den Schultern. Er ist erst einmal froh, dass mittlerweile fast alle Navigationsgeräte die Dohnaer Straße 190 finden. Am Anfang sind einige ortsfremde Kunden zur Gartensparte gegenüber der Dynamo-Tankstelle geleitet worden. Den Großhandel haben sie dort nicht gefunden.