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Bautzen

Kleiner Laden kämpft gegen böse Gerüchte

Seit 1990 betreibt Familie Schneider ihr Blumengeschäft in Schirgiswalde. Das soll so bleiben.

Zusammen mit ihrer Schwester Veronika Beil und ihrer Mutter Theresia Schneider verkauft Michaela Klamt an der Schirgiswalder Rathausstraße Blumen und Pflanzen.
Zusammen mit ihrer Schwester Veronika Beil und ihrer Mutter Theresia Schneider verkauft Michaela Klamt an der Schirgiswalder Rathausstraße Blumen und Pflanzen. © Carmen Schumann

Schirgiswalde. Wie das Gerücht aufkommen konnte – Michaela Klamt und ihre Mutter Theresia Schneider wissen es nicht. Jedenfalls ging es in Schirgiswalde wie ein Lauffeuer herum: Der einzige Blumenladen schließt! Möglicherweise befürchteten die Einwohner des Städtchens, ein weiteres Geschäft an der Rathausstraße, die früher Hauptstraße hieß, zu verlieren. Denn mehrere Ladenlokale in der Nähe des Rathauses haben in letzter Zeit ihre Türen geschlossen. So ein Schuhladen und das Büro eines Immobilenmaklers.

Doch Theresia Schneider und ihre Töchter Michaela Klamt und Veronika Beil, die beide ausgebildete Floristinnen sind, denken gar nicht daran, ihr Blumenstübchen zu schließen. Im Gegenteil: Dadurch, dass es sowohl in Sohland, als auch in Kirschau keinen Blumenladen mehr gibt, haben die drei genug zu tun. „Wir können auf unsere Stammkunden bauen“, sagt Michaela Klamt. Die günstige Lage an der Ortsdurchfahrtsstraße beschert ihnen aber auch genügend Laufkundschaft. Gerade kauft ein junger Mann einen prächtigen Strauß im Biedermeier-Stil mit einer großen Sonnenblume drin. Mit geschickten Händen drapiert Michaela Klamt eine Folie drumherum, die sie mit Schleifen verziert. So kann sich der Kunde mit seinem blumigen Präsent sehen lassen.

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Gegenüber vom Rathaus befindet sich das Blumengeschäft, das der Vater der beiden jungen Frauen, Johannes Schneider, vor 29 Jahren gründete, seit etwa zehn Jahren. Zunächst befand es sich auf der Rämischstraße. Später kam noch ein zweites Geschäft am Penny-Markt hinzu, das Schneiders aber inzwischen wieder aufgegeben haben. Johannes Schneider hatte seinerzeit einen der Blumenläden der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) übernommen, denn diese wurde aufgelöst.

Botschaft im Schaufenster

In dem Geschäft, in dem Theresia Schneider und ihre Töchter ihre blühende Ware an den Mann bringen, befand sich zu DDR-Zeiten eine Drogerie, nach der Wende dann eine Zeit lang ein Jeans-Laden. Als Schneiders ihn übernahmen, ließen sie einen neuen Fliesen-Fußboden verlegen und sie brachten auf der einen Wandseite einen großen Spiegel an. So wirkt das Lädchen, das in einem Umgebindehaus untergebracht ist, gleich doppelt so groß. Den drei Blumenfrauen um Theresia Schneider macht der Umgang mit Pflanzen viel Freude. Sie fertigen für jede Gelegenheit den passenden Blumenschmuck. Sei es nun zu Hochzeiten oder auch bei Trauerfällen. Michaela Klamt sagt, ihre große Schwester Veronika Beil, die jedoch zurzeit in Urlaub ist, habe sie mit ihrer Begeisterung für den Beruf der Floristin angesteckt. Jetzt sei sie froh, dass sie diesen Beruf gewählt hat. Dadurch ist gewährleistet, dass der Familienbetrieb weitergeführt werden kann. Mutter Theresia arbeitet nun schon das dritte Jahr über die Rente hinaus. Bei ihren Töchtern weiß sie das Geschäft in guten Händen. Und mit ihrer Präsenz im Lädchen strafen sie die Gerüchte Lügen.

Um allen Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatten Schneiders auf ihrem Schaufenster die Inschrift „Wir schließen nicht!“ angebracht. Nachdem sie ihr Anliegen Sven Gabriel (FDP), dem Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau vorgetragen hatten, ließ dieser im Amtsblatt der Stadt ein Dementi drucken. Damit hatte sich dann auch die Schaufenster-Aufschrift erledigt.

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