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Wo sind die 28 Millionen Euro hin?

Die Porzellanmanufaktur Meissen bekam 2017 eine Finanzspritze vom Land. Das Geld floss nicht nur in die Produktion.

Rund 1,7 Millionen Euro investierte die Porzellanmanufaktur Meissen in den vergangenen Jahren in den Personalabbau. Nun sollen weitere 200 Stellen gestrichen werden.
Rund 1,7 Millionen Euro investierte die Porzellanmanufaktur Meissen in den vergangenen Jahren in den Personalabbau. Nun sollen weitere 200 Stellen gestrichen werden. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen steht nach der angekündigten Streichung von rund 200 Stellen weiter im Mittelpunkt des Interesses: Gleich mehrere Politiker informierten sich in den vergangenen Tagen bei der sächsischen Regierung über das Unternehmen. So wollte etwa der Linken-Landtagsabgeordnete Franz Sodann wissen, welche Zuschüsse und Darlehen die Manufaktur in den vergangenen Jahren erhalten hat. 

Auch zum geplanten Personalabbau stellte er eine Kleine Anfrage im Landtag. Die CDU-Abgeordnete Daniela Kuge dagegen wandte sich mit ihren Fragen per Brief direkt an ihren Parteifreund und Finanzminister Matthias Haß. Die SZ hat die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

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Warum gab der Freistaat der Manufaktur eine Finanzspritze?

Im Jahr 2017 wurde das Eigenkapitel der Porzellanmanufaktur Meissen, die eine hundertprozentige Tochter des Freistaats Sachsen ist, um 28 Millionen Euro aufgestockt. Dieses Geld diente laut Auskunft des Finanzministers zur Unterstützung der Porzellanmanufaktur „bei der Umsetzung einer neuen Unternehmensstrategie“. Denn die Manufaktur stand nach dem gescheiterten Umbau zum Luxuskonzern, der auch Schmuck, Kleidung und Accessoires anbot, vor einem Richtungswechsel zurück zum Kerngeschäft, dem Porzellan.

Wofür hat das Unternehmen das Geld vom Freistaat verwendet?

Was genau mit den 28 Millionen Euro passiert ist, die der Freistaat in die Manufaktur steckte, hat Finanzminister Haß detailliert aufgelistet. Fast die Hälfte des Geldes wurde für Investitionen in das Unternehmen genutzt. Dazu zählen beispielsweise Instandhaltungsmaßnahmen oder Modernisierungen in der Fertigung und Ofenhalle. 

Zudem wurden rund acht Millionen Euro in sogenannte Strategieprojekte investiert, größtenteils in die Präsenz auf Messen und Events sowie die internationale Marktentwicklung. Doch auch der Personalabbau verursachte in den vergangenen Jahren bereits Kosten. Von der Finanzspritze des Freistaates verwendete die Manufaktur etwa 1,6 Millionen Euro für Entlassungen.

Was verdienen die Geschäftsführer der Porzellanmanufaktur?

Mit Blick auf die aktuelle Krise des Unternehmens werden gelegentlich auch Zweifel an den Geschäftsführern Tillmann Blaschke und Georg Nussdorfer laut. Die CDU-Abgeordnete Daniela Kuge wollte nun von Sachsens Finanzminister wissen, was die beiden verdienen und wie lange ihre Verträge noch laufen. Doch der Finanzminister gibt zu diesen Fragen keine Auskunft. 

Er verweist lediglich auf den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2017, in dem die Gesamtbezüge der aktiven Geschäftsführung mit 508.000 Euro ausgewiesen sind. „Die Höhe der individuellen Geschäftsführerbezüge und der Vertragslaufzeiten ist nur den internen Unternehmensgremien Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung bekannt und nicht öffentlich gemacht“, so Matthias Haß.

Wie geht es nun für die Mitarbeiter der Manufaktur weiter?

Fest steht: Die Zahl der Mitarbeiter soll in den kommenden Jahren von 619 auf 418 sinken. Zudem gibt es erste Ansätze, wo Personal abgebaut werden soll. Laut Finanzminister Haß soll beispielsweise die Schließung von nicht profitablen Standorten eine Personalreduktion bringen. Auch Produktion und Verwaltung sollen verkleinert werden. Der Stellenabbau soll dabei „im Rahmen eines fairen Interessensausgleichs sozialverträglich, auch über reguläre Altersabgänge und deren Nicht-Nachbesetzung erfolgen“, versichert Matthias Haß. 

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Aktuell gebe es dazu Gespräche mit allen Beteiligten. Konkrete Aussagen könne er deshalb noch nicht machen. Sicher ist nur: Die Geschäftsführer müssen indes vorerst keine Konsequenzen fürchten. Das zumindest bestätigt Haß in seiner Antwort an Daniela Kuge. Vielmehr eröffne das nun geschnürte Maßnahmenpaket dem Unternehmen eine nachhaltige Perspektive. Erst an deren Verwirklichung müssten sich Blaschke und Nussdorfer messen lassen.

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