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Wo die Dresdner ihre Pflanzen tauschen

Kristin Hofmann hat eine Facebook-Gruppe gegründet, die sich immer mehr zum digitalen Hobbygärtner-Treff entwickelt. Schon über 1.000 Dresdner sind dabei.

Mit ihrer Pflanzentauschplattform "Bäumchen, wexel Dich" hat Kristin Hofmann einen Nerv getroffen.
Mit ihrer Pflanzentauschplattform "Bäumchen, wexel Dich" hat Kristin Hofmann einen Nerv getroffen. © Marion Doering

Dresden. Ein trauriger Gummibaum liegt samt Topf auf einem Grünschnitt-Container am Straßenrand in Klotzsche. Da muss sich doch einer erbarmen! Rasch findet das Foto seinen Weg ins Internet.  Auf der Facebookseite "Bäumchen, wexel Dich!" erregt es schnell so viel Mitleid, dass die Pflanze kurz darauf tatsächlich gerettet wird.

Es sind solche Geschichten, die Kristin Hofmann besonders freuen. Vor fünf Jahren hat sie die Seite ins Leben gerufen, die im ursprünglichen Sinn vor allem zum Tausch von überzähligen Zimmer- und Gartenpflanzen in Dresden dienen sollte. Ohne Geld, ohne Verträge. Einfach nur: Danke für den Kaktus, hier hast du meinen Pfennigbaum.

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Endspurt - jetzt geht es um alles! Denn das Ende der Schulzeit rückt in greifbare Nähe und damit auch die Chance auf einen der heiß begehrten Wunschausbildungsplätze.

Für den Namen hat sie spontan das alte Kinder-Fang-Spiel abgewandelt. Die meisten anderen Varianten waren schon vergeben. Doch was zählt schon ein Name? Leben sollte auf die Seite.

2013 wohnte Kristin noch mit ihrem Mann in einer kleinen Neustadt-Wohnung und brachte es einfach nicht übers Herz, ihre Ableger von Sachsengras und Efeutute einfach so in den Müll zu werfen. Aber mehr als das: Mit der Seite wollte sie auch einen kleinen Beitrag für mehr ökologisches Miteinander in der Stadt leisten.

"Am Anfang schauten allerdings nur Freunde aus der Neustadt vorbei", erinnert sich die 35-Jährige, die ihr Geld als Mitarbeiterin bei den Linken verdient. Erst mit der Zeit sprach sich das Portal herum. Erst waren es 100 Mitglieder, bald aber schon 500. "In der Corona-Krise ist der Zuwachs nun noch einmal deutlich größer geworden", sagt sie. Vor wenigen Tagen wurde das 1.000. Mitglied begrüßt. Inzwischen sind es schon mehr als 1.100.

In der Badewanne, in der Kristin Hofmann früher selbst saß, wächst heute Kohlrabi.
In der Badewanne, in der Kristin Hofmann früher selbst saß, wächst heute Kohlrabi. © Marion Doering

Kristin Hofmann wohnt mit ihrer Familie seit einigen Jahren im früheren Haus ihrer Großeltern in Weißig. Hier hat sie ihre Kindheit verbracht und in der Badewanne gebadet, die jetzt mit Kohlrabi bepflanzt im Garten steht. Das Grundstück misst mehr als 2.000 Quadratmeter und macht entsprechend viel Arbeit. "Wir hatten schon überlegt, ob wir einen Gemeinschaftsgarten daraus machen wollen, aber den meisten ist das hier doch zu weit abgelegen."

Dachte sie vor ein paar Jahren noch, dass sie ohne viele Menschen um sich herum schnell vereinsamen würde, genießt sie nun - zwei Kinder später - auch hin und wieder ihre Ruhe. Trotzdem bekommt sie weiterhin oft Besuch. Die einen holen trockenes Geäst ab, weil sie sich ein Hochbeet anlegen wollen. Andere sind auf Giersch für den Salat oder kleine Ringelblumenpflänzchen aus. "Die haben sich gerade wieder mächtig selbst ausgesät", sagt sie und macht gleich ein bisschen Werbung: "Wer noch Interesse hat, kann sich hier gern etwas abholen." 

Auf ihrer Seite "Bäumchen, wexel Dich!" werden unterdessen täglich mehrere neue Angebote gepostet. Ob Aloe, Zitronenmelisse, Hauswurz oder Blattkaktus - für jeden Geschmack ist etwas dabei. "Inzwischen hat sich die Community auch zu einer richtigen Ratgeberseite entwickelt", freut sich Kristin. Jeder, der mag, postet unbekannte Pflanzen aus seinem Garten und lässt sie von den zahlreichen Experten bestimmen. Dabei entspinnt sich schon mal die eine oder andere Fachdiskussion. Doch am Ende zählt immer: Die grüne Seele verbindet.

Der Beitrag ist Teil einer Serie auf Sächsische.de. Darin stellen wir frische Ideen für Kleingärten und Gärtnern allgemein in Dresden vor.

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