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Wo Tellkamps Turm verfilmt wird

Lange suchten Filmemacher nach einer geeigneten Kirche für die Verfilmung des Bestsellers „Der Turm“ von Tellkamp. Morgen wird in Großröhrsdorf gedreht.

Von Reiner Hanke

Die Großröhrsdorfer Kirche gilt sachsenweit als eine der schönsten barocken Saal-Kirchen. Sogar ein Schüler Pöppelmanns soll hier seine Spuren hinterlassen haben, vermutet die Gemeinde. Doch ihr Glanz ist über die Jahre verblasst. Gerade deshalb soll sie ab morgen ins Licht der Scheinwerfer rücken. Die baut morgen ein Drehstab von 50 Leuten der „Team-Worx-Television und Film“ in Großröhrsdorf auf. Die Gesellschaft verfilmt für die ARD den Bestseller „Der Turm“ des Dresdner Autors Uwe Tellkamp. Ein Drehort ist die Großröhrsdorfer Kirche.

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Pfarrer Norbert Littig hält seit gut einem Vierteljahr den Draht zu den Filmleuten. Unter der Regie von Christian Schwochow werden die Hauptdarsteller wie der Dresdner Filmstar Jan Josef Liefers und Nadja Uhl in Großröhrsdorf vor der Kamera stehen. Der Film erzählt vom Leben dreier Bildungsbürger aus dem Dresdner Turmstraßenviertel im Kosmos der untergehenden DDR. Dabei spielt auch das kirchliche Leben eine Rolle. Pfarrer Littig: „Team-Worx hat dafür natürlich eine Kirche gesucht, die noch nicht renoviert ist, um die DDR-Verhältnisse zu zeigen.“ Deshalb sei er nicht sehr erstaunt über die Nachfrage in Großröhrsdorf gewesen. Viele Kirchen seien inzwischen vorgerichtet. Die Großröhrsdorfer hat allerdings vor 75 Jahren das letzte Mal Farbe gesehen und versprüht den erhofften DDR-Charme. Dass Großröhrsdorf schon so lange auf die Bauarbeiten warten muss, habe mit dem enormen Sanierungsaufwand zu tun. 2012 soll es aber losgehen. Dass die Filmleute noch kurz vor dem Beginn der Sanierung anrücken, sei letztlich ein glücklicher Umstand, sagt Littig: „Es ist doch schön, wenn die Kirche vor dem Bau auch noch auf diese Weise ins Gespräch kommt.“

Inspiziert habe das Filmteam etliche Kirchen in Dresden und Umgebung: „Zuerst kam eine Vorhut, die jedes Detail fotografiert hat“, berichtet der Pfarrer. Es wurde ausgewertet, weitergesucht. Schließlich gewann Großröhrsdorf das Rennen. . Eine Christvesper und eine Hochzeit sollen an zwei Drehtagen in und an der Stadtkirche aufgezeichnet werden, verrät Norbert Littig. Dass die Kirche als Großröhrsdorfer Gotteshaus zu erkennen sein wird, glaubt der Pfarrer nicht: „Vielleicht werden sich einige Dresdner fragen, wo die Film-Kirche in ihrer Stadt stehen soll.“ Dafür werden die Großröhrsdorfer auch einige Bürger aus ihrem Städtchen im Film wiedererkennen.

Brillen nach Art der DDR

In welcher Länge die Szenen einfließen, dass werde allerdings erst beim Schnitt entschieden, sagt Anja Käumle von Team-Worx. Zehn Sängerinnen und Sänger der Großröhrsdorfer Kantorei sollen ihren großen Auftritt in der ARD haben. Die Darsteller wurden per Foto ausgewählt: „Ich habe die Bilder an die Produktionsfirma geschickt“, erzählt der Pfarrer. Bei der Auswahl sei Wert auf DDR-typische Gesichter gelegt worden. Moderne Tätowierungen, Piercings oder auffällige Solariumsbräune passen nicht in den Film. Musikalisch muss die abgespeckte Kantorei natürlich auch noch zusammenspielen. Dafür sorgt Kantorin Juliane Mütze. Sie wird den Chor vor der Kamera bei „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Vom Himmel hoch“ dirigieren.

Die beiden Lieder gehören zum Standard-Programm. Damit alle Töne wirklich sitzen, werde trotzdem noch zweimal geprobt. Schon heute bekommen die Sänger ihre Kostüme. Dafür wird die DDR-Mode mit Präsent20 aus der Klamottenkiste gekramt. Selbst die DDR-Brillen der Akteure müssen stilecht sein. Der Großröhrsdorfer Optiker Ekkehard Demmler singt selbst mit und suchte die typischen Horn-Gestelle aus seiner Sammlung – in passender Stärke. „Wir haben alle schon ein bisschen Lampenfieber“, sagt die Kantorin und hofft, dass niemand im Text hängen bleibt. Die Dreharbeiten für den Zweiteiler sollen bis November dauern.

Pfarrer Norbert Littig habe das Buch an viele eigene Erlebnisse aus der Schulzeit, an Diskussionen in kirchlichen Jugendkreisen, an den Alltag im „real existierenden Sozialismus“ erinnert. Deshalb sei er nun sehr gespannt, wie es im Film gelingt, diesen Stoff zu erzählen.