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Wo versteckt sich die Nandu-Dame?

Der ausgebüxte Laufvogel ist ein Weibchen – und noch immer auf der Flucht. Sein Besitzer braucht jetzt Hilfe.

Von Jana Ulbrich

Der entlaufene Emu ist ein entlaufener Nandu. Aber das macht keinen großen Unterschied. Weg bleibt der Vogel trotzdem! Seit Montagmorgen schon ist er im Raum Bautzen auf der Flucht. Und seinem Besitzer bleibt nichts übrig als hinterherzurennen. Aber das ist leichter gesagt als getan: Auf der Flucht schafft ein Laufvogel locker 60 Kilometer pro Stunde. Und wenn er einmal unterwegs ist, kann ihn kaum einer stoppen. 25 Kilometer am Tag sind gar kein Problem. Nandus Besitzer ist verzweifelt.

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Auf diesem Feld am Ortsrand von Doberschütz verliert sich seine Spur: Das junge Nandu-Weibchen, das am Montag in der Nähe von Bautzen entlaufen ist, ist noch immer auf der Flucht. Gestern früh ist es hier von Anwohnern zwischen den rastenden Schwänen gesi
Auf diesem Feld am Ortsrand von Doberschütz verliert sich seine Spur: Das junge Nandu-Weibchen, das am Montag in der Nähe von Bautzen entlaufen ist, ist noch immer auf der Flucht. Gestern früh ist es hier von Anwohnern zwischen den rastenden Schwänen gesi

Der Mann aus der Nähe von Bautzen will lieber unerkannt bleiben. Ärger und Stress hat er jetzt ohnehin schon genug. Erst vor Kurzem hatte er ein junges Nandu-Pärchen gekauft. Schon auf der Heimfahrt sei das Männchen gestorben. Das Weibchen hat den Tod, die neue Umgebung und die ganze Aufregung wohl nicht verkraftet. Der Zaun, den das Tier übersprungen haben muss, sei vorschriftsmäßig hoch gewesen, versichert der Besitzer. Er kann sich nicht erklären, wie der flugunfähige Vogel das geschafft haben kann. Er hat es zuerst auch gar nicht gewusst. Im Radio hat er am Montag von einem entlaufenen Emu gehört – und dann mit Entsetzen festgestellt, dass sein Nandu auf und davon war.

Dienstagmorgen kurz nach sieben wird das Tier zuletzt gesichtet: Anwohner aus dem kleinen Ort Doberschütz im Oberlausitzer Heide- und Teichland erkennen den großen, grauen Vogel auf einem Feld am Ortsrand und informieren sofort die Polizei. Der Nandu hat sich unter eine Kolonie von Schwänen gesellt, die hier im Heide- und Teichland leben. Doch als der Besitzer wenig später dort eintrifft, ist sein Vogel schon wieder verschwunden. „Er wird sich wohl in den Wald getrollt haben“, vermuten die Doberschützer, unter denen sich die Nachricht an diesem Tag wie ein Lauffeuer verbreitet. Doch auch die Suche im angrenzenden Wald bleibt erfolglos.

„Es wird schwer werden, das Tier überhaupt zu finden“, vermutet Laufvogelexperte Siegmar Mazalla aus Grubschütz bei Bautzen. Seit zehn Jahren züchtet der 69-Jährige Emus und weiß nur zu gut, dass verängstigte Tiere auf der Fluch kreuzgefährlich werden können. „Wenn sie in Panik geraten oder sich bedrängt fühlen, können sie großen Schaden anrichten und auch Menschen angreifen“, erklärt er. Wer dem Nandu begegnet, sollte also auf jeden Fall Abstand halten.

Trotzdem ist der Besitzer des jungen Laufvogelweibchens jetzt auf die Mithilfe aufmerksamer Anwohner angewiesen. Allein wird er das Tier nicht wiederfinden können. Es könnte sich inzwischen womöglich schon kilometerweit entfernt aufhalten. Zudem sei das Tier sehr menschenscheu. Wer den ungewöhnlichen Vogel zu Gesicht bekommt, wird deswegen dringend gebeten, die Polizei zu informieren. Der gesuchte Nandu ist noch ein Jungtier. Es hat ein graubraunes, zerfleddert aussehendes Federkleid und groß wirkende Flügel. Das Tier hat ist circa 1,20 Meter groß und wiegt um die 20 Kilo.

Sein Besitzer hofft jetzt auch auf den Einbruch der Dunkelheit. Im Dunklen fahren Laufvögel ihren Kreislauf herunter und nehmen eine Schlafposition ein. Vielleicht gelingt es ja dann, das scheue Tier zu fangen. Vielleicht mit einem Netz.

Ein großes Polizeiaufgebot jedenfalls würde teuer werden. Davon kann Siegmar Mazalla aus Grubschütz ein Lied singen. Vor ein paar Jahren sind seine beiden Emu-Pärchen am Silvesterabend davongelaufen. An einem Teich in der Nähe konnte er sie mit viel gutem Zureden und polizeilicher Hilfe wieder einfangen. Den Polizeieinsatz musste er aus eigener Tasche bezahlen.

Hinweise zum Aufenthaltsort des Nandus nimmt das Führungs- und Lagezentrum der PD Görlitz ( 03581 468224), auch über Polizeinotruf 110 entgegen.