merken
PLUS Dresden

Viel los in Dresden - zeitweise auch für die Polizei

Am Wochenende strömten die Dresdner bei schönstem Wetter ins Freie. Nicht überall lief es friedlich und nicht alle hielten sich an die Corona-Regeln.

An den Elbwiesen rund ums Blaue Wunder waren am Wochenende viele Dresdner unterwegs.
An den Elbwiesen rund ums Blaue Wunder waren am Wochenende viele Dresdner unterwegs. © Sven Ellger

Dresden. Menschenmengen drängelten sich am Wochenende durch den Großen Garten, auch am Elbufer und an vielen anderen Stellen war es voll.

Häufig blieb es entspannt, die Dresdner nahmen Rücksicht aufeinander. Aber an einigen Stellen war von Abstand nichts zu sehen, einige demonstrierten trotz Verbotes - oder genau deswegen.

Anzeige
Auf neuen Wegen zum Ursprung
Auf neuen Wegen zum Ursprung

Es braucht Physik, Biologie und Informatik, um den Kräften auf die Spur zu kommen, die in uns wirken – und kluge Köpfe aus der ganzen Welt.

Die Corona-Regeln seien verfassungswidrig,  glauben einige. Das zeigten sie am Samstagnachmittag im Großen Garten. Etliche Dresdner spazierten durch den Park, als mehrere Personen mit Transparenten anrückten. "Was sagen die Zahlen wirklich?", "Was passiert wirklich?" und "Freiheit für alle" stand unter anderem darauf.

In mehreren deutschen Städten, beispielsweise auch in Berlin, hatten Verschwörungstheoretiker zu spontanen Versammlungen aufgerufen. Die Gruppe nennt sich "demokratische Widerstand".  Der Pegida-nahe "Widerstand Dresden" hat ein Video veröffentlicht, bei dem Polizeibeamte angepöbelt wurden. 

Die Demo im Großen Garten musste von der Polizei aufgelöst werden.
Die Demo im Großen Garten musste von der Polizei aufgelöst werden. © Sven Ellger

Polizeibeamte stellten im Großen Garten mehrere Menschen fest, die teilweise mit Plakaten an einem Ort standen. "Wie sich herausstellte, hatten diese unmittelbar zuvor gegen die, aus ihrer Sicht, „Coronahysterie“ protestiert", teilte ein Polizeisprecher mit.

Da die Teilnehmer Hygienebestimmungen nicht einhielten, wurde die Versammlung bereits vor dem Eintreffen der Polizei beendet. Die meisten Teilnehmer verließen den Ort. Ein paar von ihnen blieben noch, verließen aber den Großen Garten bald.

Später wurde der Polizei eine weitere Demo auf dem Neumarkt gemeldet. Als die Beamten dort eintrafen, hatten die Teilnehmer den Neumarkt bereits verlassen.

Am Sonntag hatten die Polizisten am Albertplatz in der Neustadt zu tun. Mehrfach versuchten sie, kleine Gruppen aufzulösen, die dort zusammensaßen. Da sie den Aufforderungen nicht folgten, müssen sie sich nun wegen Straftaten gegen das Infektionsschutzgesetz verantworten. Insgesamt gab es am Wochenende vier Strafanzeigen gegen insgesamt 28 Personen deswegen. Dazu wurden 19 Ordnungswidrigkeiten erfasst. Insgesamt waren 170 Polizeibeamte im Einsatz

Deutlich entspannter ging es beispielsweise am Konzertplatz Weißer Hirsch zu. Es waren viele Wanderer und Radfahrer in der Dresdner Heide unterwegs. Einige holten sich auch Erfrischungen beim Straßenverkauf gegenüber der Konzertmuschel. Auch dort darf nur zum Mitnehmen verkauft werden.

Die Gäste hielten sich manchmal eine Weile auf dem Platz auf, aber immer deutlich auf Abstand zu anderen.

Auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch wurden die Corona-Regeln eingehalten.
Auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch wurden die Corona-Regeln eingehalten. © Sven Ellger

Man muss Geduld haben am Zschierener Elbradweg. Von links und rechts kommen die Radfahrer, die auf Strecke sind und offenbar noch viel vorhaben an diesem Sonnabendnachmittag. Wie ein nicht endender Wurm fahren sie hintereinander und wer zwischendurch will, muss ihnen mindestens Vorfahrt gewähren an dieser Kreuzung. Besser noch ist: durchwinken und verständnisvoll lächeln. So machen es die meisten, die die Radfahrer-Trimm-Dich-Strecke queren wollen.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Auf der Berthold-Haupt-Straße ist auch Betrieb, aber es geht langsamer voran. Die Kreuzung nahe der Fährstelle erinnert an ein Autobahnkreuz. Rechts weg zum Eisstand, ein Stück weiter rechts Richtung Zschieren. Links ist es nicht weit bis Laubegast. Und geradeaus führen die nächsten zwei Abfahrten zum Elbidyll und dem Fährhaus Kleinzschachwitz. Zwei Ausschank-Stationen vor der Abfahrt zur Anlegestelle der Autofähre. Rechts steht David Förster am Zapfhahn. Er ist der Chef im Fährhaus Kleinzschachwitz. Jetzt ist er Chef im Ausschank. Vor sich hat er eine Einbahnstraße gebaut. Ein Zaun grenzt sie vom Fußweg ab, ein weiterer gibt die Richtung an seinem Ausschank vorbei vor. Auf der einen Seite geht es rein, auf der anderen wieder raus. 

Die Durstigen stehen Schlange. Mit Abstand, so wie es bei Corona sein soll. Haben sie ihr Getränk, müssen sie schnell weiter. Denn links und rechts neben der Einbahnstraße hängen Schilder, die umissverständlich zu verstehen geben: hier trinken ist nicht. Verboten, bei dreistelliger Strafe.

Hier gibts klare Anweisungen für das richtige Verhalten samt Androhung hoher Strafen.
Hier gibts klare Anweisungen für das richtige Verhalten samt Androhung hoher Strafen. © Christoph Springer

David Förster hat sie aufgehängt, nachdem die Polizei am Osterwochenende bei ihm war. Die Gäste standen auf dem Fußweg zu dicht, um ihr Bier, ihren Wein oder einen Imbiss zu genießen. Das passte den Beamten nicht. Jetzt ist das anders. Die Gäste greifen zu und laufen weiter, meistens Richtung Elbwiese. Das passt, finden die zwei Polizisten, die gerade vorgefahren sind. "Es ist sehr voll, hier sind sehr viele Radfahrer. Aber man versucht, Abstand zu halten", sagt einer in sein Funkgerät. Dann drehen sie am Fährplatz um und fahren wieder Richtung Kleinzschachwitz.

Die Abstände zwischen den Menschen sind groß genug, findet die Polizei. Trotz mächtig vielen Ausflüglern am Fährhaus Kleinzschachwitz.
Die Abstände zwischen den Menschen sind groß genug, findet die Polizei. Trotz mächtig vielen Ausflüglern am Fährhaus Kleinzschachwitz. © Christoph Springer

Gerade haben sie noch das Anlegemanöver der Fähre beobachtet. Die Schloßfähre machte mit einem Auto darauf, ein paar Radfahrern und jeder Menge Fußgängern fest. Voll sah es aus auf dem flachen Schiff und als die Fahrgäste von Bord strömen, kommen sie sich Corona-gefährlich nahe. Es sind reichlich 50. Längst nicht zuviele, denn 140 Personen und zusätzlich acht Autos haben auf dem Schiff Platz.

Sieht nach mehr aus, als es ist. Auch die Polizei fand, dass die Fähre nicht zu dicht besetzt war.
Sieht nach mehr aus, als es ist. Auch die Polizei fand, dass die Fähre nicht zu dicht besetzt war. © Christoph Springer

Das Geschäft bei David Förster läuft gut. Er hat ständig zu tun. 30 Prozent vom sonst üblichen Umsatz sind ihm geblieben, sagt der Wirt und er scheint zufrieden damit. Anderswo ist es schlimmer, weiß er. Sein Bruder Sven führt das Försters im Stadtzentrum an der Weißen Gasse. Dort ist nichts los, keine Laufkundschaft, dort lohnt es sich jetzt überhaupt nicht, etwas "über die Straße" zu verkaufen. "Aber hier", sagt David Förster und schaut zu der Schlange an seinem Ausschank...

Mehr zum Coronavirus:

Mundschutz trägt jetzt noch niemand. Keiner der Gäste und auch keiner im Ausschank. Bestellt ist er aber, sagt David Förster, extra mit dem Logo seines Restaurants darauf. Das finden auch seine elf festangestellten Mitarbeiter schick, mit denen zusammen er jetzt den Straßenausschank betreibt. Immer so, dass das mit der Kurzarbeit zusammenpasst. Am Montag geht es weiter, dann mit Mundschutz. "Da wirds noch schlimmer", mault ein Fußgänger im Vorbeigehen, "Maskentrinken". Doch David Förster findet das ganz in Ordnung, solange er dann weiterarbeiten kann. Dabei hofft er auf Anfang Mai, wenn nach der verlängerten Corona-Pause die Restaurants, Biergärten und Cafes der Stadt vielleicht wieder öffnen dürfen.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per Email. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden