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Nieskys Wochenmarkt läuft Görlitz den Rang ab

Frischmärkte mussten wegen Corona schließen. Nun gibt es den Neustart. Mit großen Unterschieden.

Marketenderin Katharina Menzel aus Groß Krauscha ist mit ihrer Gulaschkanone Stammgast auf dem Nieskyer Wochenmarkt. Dieser ist seit Dienstag wieder geöffnet.
Marketenderin Katharina Menzel aus Groß Krauscha ist mit ihrer Gulaschkanone Stammgast auf dem Nieskyer Wochenmarkt. Dieser ist seit Dienstag wieder geöffnet. © André Schulze

Katharina Menzel strahlt über das ganze Gesicht. Das hat nicht nur etwas mit der Sonne und der Frühlingstemperatur zu tun, sondern auch mit den Kunden, die endlich wieder für Erbsen mit Sauerkraut oder Gulasch anstehen. "Ich freue mich, dass in Niesky wieder Markttag ist", sagt die Solounternehmerin aus Groß Krauscha. Mit ihren Kunden ist sie per Du. Ganz gleich ob Verwaltungsangestellte, Müllfahrer, Sicherheitsdienst oder Rentner. Dienstags fährt sie fast immer mit ihrer Gulaschkanone nach Niesky auf den Platz der Jugend. "Im Mai werden es zwölf Jahre", sagt sie. 

Kein Verzehr am Stand

Und doch hat sich auch für sie einiges verändert: Nach jeder Essenausgabe wird zum Desinfektionsmittel gegriffen. Statt Servietten stehen auf den beiden Rundtischen Schilder mit der Aufforderung "Bitte Abstand halten". Gegessen werden darf hier nicht. "Die meisten Leute nehmen das Essen sowieso mit nach Hause oder auf ihre Arbeit", sagt sie. Wen der Heißhunger direkt packt, muss sich in sein Auto setzen oder eine Bank suchen.

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Ihre Erbsensuppe mit nach Hause holt sich auch Renate Weise. Die Rentnerin wohnt in Lodenau und ist dienstags immer in Niesky unterwegs.  "Mir hat richtig etwas gefehlt, als kein Markt mehr stattfand", sagt sie. Aber nun seien wenigstens die Lebensmittelhändler zurück. Sagt sie und zeigt auf den Sack Kartoffeln, den sie soeben bei Reinhard Pötschke  gekauft hat.

Für den Obst- und Gemüsehändler, der jeden Dienstag aus Malschwitz kommt, ist die Wiedereröffnung des Nieskyer Marktes ein Hoffnungsschimmer. "Ich bin zwar schon Rentner, aber man hängt weiterhin an seinem Geschäft", sagt der 67-Jährige. Seit 2004 kommt er regelmäßig nach Niesky, aber auch in Reichenbach steht er auf dem Marktplatz. "Wir haben auf beiden Märkten viele Stammkunden, die auch Pflanzen von uns kaufen", sagt der Inhaber von Gartenbau und Gemüsehandel Pötschke.

Händler halten Niesky die Treue

Neun Händler haben am Dienstag die "Aufstellungsfläche" auf dem Platz der Jugend in Beschlag genommen. Von einem Wochenmarkt will die Stadt Niesky nicht sprechen, wie Marktleiter Bernd Barthel sagt. Denn die sind offiziell untersagt - mobile Stände hingegen nicht.

"Sonst haben wir bis zu 25 Händler mit ihren Verkaufswagen dastehen", berichtet der Marktleiter. Aber auch er zeigt sich mit dem Neustart zufrieden. Vor allem, dass die Stammhändler wieder nach Niesky gekommen sind. Das soll fortan jeden Dienstag wieder möglich sein, donnerstags nicht. Das bedauert Gemüsehändler Reinhard Pötschke, denn Niesky hat das Potenzial für zwei Markttage. "Aber wenn die Kunden nicht kommen, brauchen wir uns nicht hinzustellen und auf sie warten."  

Drei Stände, lange Schlangen

In Görlitz ist das alles etwas anders. Auch hier strahlt die Sonne über dem ersten "Nicht-Wochenmarkt". Auf dem unteren Teil des Platzes an der Elisabethstraße stehen drei Stände, ein Fleischwarenverkauf, eine Gärtnerei und ein Stand mit Ostersträußen. Auf dem wenige Meter entfernten Platz, auf dem der Markt normalerweise stattfindet, verfüllt ein Bauarbeiter Schlaglöcher.

Die neuere Geschichte des Görlitzer Marktes gleicht einer Odyssee: Erst wurde er verboten, dann wieder angekündigt, dann abgesagt und schließlich in abgespeckter Form doch ermöglicht. Auch hier handelt sich offiziell nicht mehr um einen Wochenmarkt, sondern um eine "Ansammlung mobiler Verkaufsstände." Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der am Dienstag  einigen Marktbesuchern diesen Unterschied zu erklären versucht, muss selbst schmunzeln. 

Die Regeln auf dem provisorischen Wochenmarkt in Görlitz sind streng. Nur bei den Abstandsregeln scheint es Uneinigkeit zu geben.
Die Regeln auf dem provisorischen Wochenmarkt in Görlitz sind streng. Nur bei den Abstandsregeln scheint es Uneinigkeit zu geben. © Nikolai Schmidt

Einzig: Besonders viel zu kaufen gibt es eben nicht. Das stört die Kunden. „Also das ist kein richtiger Wochenmarkt“, sagt Christa Knoblich, die gebürtige Rheinländerin wirkt enttäuscht. Nur ein paar Blumen hat sie gekauft. „Alle halten vorbildlich Abstand, ich verstehe nicht,  warum ich stattdessen in den Norma-Markt gehen muss.“

Keine Genehmigung vom Ordnungsamt

Dabei ist es nicht so, dass niemand verkaufen will. Am Rand des Marktes hat sich eine kleine Ansammlung gebildet, zwei Männer und eine Frau – natürlich mit Abstand zwischen sich. Es sind Händler, die gern selbst hier stünden. Eberhard Wenzel, Blumenhändler aus Markersdorf, wartet seit Donnerstag auf eine Genehmigung vom Ordnungsamt. Er steht normalerweise fast die ganze Woche hier.

Viele Besucher des Görlitzer Marktes achten selbst auf Infektionsschutz.
Viele Besucher des Görlitzer Marktes achten selbst auf Infektionsschutz. © Maximilian Helm

Noch härter trifft es das Ehepaar Nguyen. Es verkauft sonst täglich Obst und Gemüse auf dem Görlitzer Wochenmarkt. „Jetzt sitzen wir zu Hause vor dem Computer“, sagt Dung Nguyen. Seit 25 Jahren hat er seinen Stand. Doch die Chancen stehen schlecht, dass er die Erlaubnis bekommt, auf dem provisorischen Wochenmarkt zu verkaufen. Die Allgemeinverfügung des Landes richtet sich explizit an „Selbsterzeuger“. Damit ist Nguyen, der seine Waren bei Händlern aus der Region bezieht, nicht gemeint.

Niesky vor Görlitz?

Und selbst wenn er die Erlaubnis bekäme: Der aktuelle Markt öffnet nur dienstags, donnerstags und sonnabends, für schnell verderbliche Waren lohnt sich das nicht. Das war schon bei der plötzlichen Schließung des Marktes vor drei Wochen ein Problem. „Ich musste alles wegwerfen, was ich am Freitag nicht verkauft bekam“, klagt Nguyen.

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