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Görlitz plant den Wochenmarkt neu

Alle sind sich einig: In der Mitte soll es künftig keine Stände mehr geben. Ein anderer Punkt aber ist sehr umstritten.

Der Wochenmarkt an der Elisabethstraße musste wegen Corona reduziert werden, die Stände in der Mitte sind weggefallen. Das finden viele Händler und Besucher gut, der Marktbetreiber auch.
Der Wochenmarkt an der Elisabethstraße musste wegen Corona reduziert werden, die Stände in der Mitte sind weggefallen. Das finden viele Händler und Besucher gut, der Marktbetreiber auch. © Nikolai Schmidt

Die Corona-Krise hat auch ihr Gutes: Wegen der Schutz-Vorschriften mussten einerseits die Stände in der Mitte des Görlitzer Wochenmarktes verschwinden, andererseits auch die Textil-Händler. „Diese Veränderung ist allgemein positiv wahrgenommen worden“, hat die Stadtverwaltung festgestellt. Für sie Grund genug, darüber nachzudenken, dass beide Corona-Veränderungen zur Dauerlösung werden.

Auch auf dem Wochenmarkt gelten momentan Abstandsregelungen. Aber das wichtigste Sortiment ist wieder da.
Auch auf dem Wochenmarkt gelten momentan Abstandsregelungen. Aber das wichtigste Sortiment ist wieder da. © Nikolai Schmidt

Zumal noch ein weiterer Punkt hinzukommt: Wann die Elisabethstraße saniert und umgestaltet wird, ist derzeit nicht absehbar. Bürgermeister Michael Wieler sieht es als unwahrscheinlich an, dass das vor 2023 passiert. Da das noch eine Weile hin ist, würde es sich aus Sicht der Stadt noch lohnen, den Markt umzugestalten – für die Zeit, bis der Platz irgendwann saniert wird. Der künftige Schwerpunkt soll bei „Frische-Erzeugnissen und Gartenbau“ liegen. Genau das will die Stadtverwaltung den Stadträten in der Sitzung am kommenden Donnerstag vorschlagen. Dort sollen sie über die Neuordnung abstimmen – und auch über die Ausschreibung einer neuen Dienstleistungskonzession.

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Betreiber ist seit 18 Jahren da

Bisher war die aus vier Personen bestehende „Fritz und Paszkiewicz Wochenmarktverwaltung“ der Konzessionär. Seit 18 Jahren betreibt sie den Wochenmarkt. „Wir haben keinen Konflikt mit der Stadt, sondern seit 18 Jahren ein kooperatives Miteinander“, betont Francois Fritz, einer der vier Betreiber. So sollte das auch künftig bleiben, findet er. Zuletzt sah er sich aber Anfeindungen der AfD ausgesetzt. Die vermutete, dass Fritz Parkplätze, die für die Marktleitung reserviert sind, den Gästen seines Hotels zur Verfügung stellen würde. Die AfD verlangte deshalb, dem Marktbetreiber fristlos zu kündigen. „Die Vorwürfe sind entkräftet“, sagt Fritz. Die Stadt sagt, die Vorwürfe werden geprüft.

Wie dem auch sei: Was die Stadt jetzt beabsichtigt, habe nichts mit den Vorwürfen der AfD zu tun, sagt Ursu. Er plant auch keine außerordentliche Kündigung, sondern eine reguläre zum 31. Januar 2021. „Zur Neuordnung des Marktbetriebes ist eine Kündigung des laufenden Konzessionsvertrages erforderlich“, heißt es von der Stadt. Es sei schließlich eine Umgestaltung, die Bedingungen seien künftig andere. Auf die neue Ausschreibung könne sich Fritz selbstverständlich wieder bewerben.

Über Veränderungen verhandeln

Fritz hingegen sieht nach eigener Aussage „keine juristische Notwendigkeit, den Pachtvertrag zu kündigen“. Stattdessen könnte die Stadt mit ihm über Veränderungen im bestehenden Vertrag verhandeln.

Ein Foto aus dem Vorjahr: Damals standen in der Mitte noch Stände, entsprechend eng war der Markt.
Ein Foto aus dem Vorjahr: Damals standen in der Mitte noch Stände, entsprechend eng war der Markt. © Nikolai Schmidt

Dass die Stände aus der Mitte des Marktes verschwinden sollen, findet Fritz gut: „Dieser Vorschlag kam von uns selbst.“ Die anderen Händler werden nun besser gesehen: „Sie haben seither bessere Umsätze.“ Allerdings: Ohne die Mittelachse hat der Marktbetreiber 40 Prozent weniger Einnahmen. Das bedeutet für ihn, dass auch der Pachtzins, den er an die Stadt zahlt, um 40 Prozent reduziert werden müsste. Den zweiten Vorschlag der Stadt, also sämtliche Textil-, Lederwaren- und Taschenhändler zu verbannen, findet Fritz hingegen gar nicht gut – aus mehreren Gründen. Zum einen seien diese Händler elf Monate im Jahr da. Das schaffen die Gärtner naturgemäß nicht. Zum anderen würden diese Händler ein anderes Publikum anlocken, vor allem ältere Leute. Und diese Kunden würden dann auch gleich noch Obst oder Gemüse mitnehmen. So würden alle Händler von der Symbiose profitieren. Auf jeden Fall gebe es viele Leute, die sich über die preisgünstigen Textil-, Lederwaren- und Taschenhändler sehr freuen, erklärt Fritz.

Fritz hat eine Vermutung

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Entscheiden müssen am Ende die Stadträte. Fritz vermutet, dass die AfD die Situation nutzen will, um ihren eigenen Stadtrat Thomas Seliger zum neuen Marktbetreiber zu machen. Seliger ist Inhaber des Wirtshauses „Zur Altstadt“ in der unteren Elisabethstraße. Fritz hofft, dass die anderen Stadtratsfraktionen das verhindern, indem sie dafür sorgen, dass sein Vertrag mit der Stadt nicht gekündigt, sondern verändert wird – ohne Stände in der Mitte, aber mit Textilhändlern. 

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