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Görlitzer Wochenmarkt bleibt vielfältig

Die Stadt wollte einen reinen Frischemarkt. Der Stadtrat lehnt das ab. Der bisherige Pächter aber erhält eine Kündigung.

So sieht der Görlitzer Wochenmarkt jetzt aus: Die Stände in der Mitte sind weg, die Kunden haben viel mehr Platz als zuvor.
So sieht der Görlitzer Wochenmarkt jetzt aus: Die Stände in der Mitte sind weg, die Kunden haben viel mehr Platz als zuvor. © Nikolai Schmidt

Zumindest in einem Punkt waren sich die meisten Stadträte am Donnerstag einig: Der Görlitzer Wochenmarkt soll kein reiner Obst-, Gemüse- und Gärtnermarkt werden, sondern sein vielfältiges Sortiment behalten – inklusive Textil- und Taschenverkauf. Mit großer Mehrheit stimmten die Räte gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung, die das ändern wollte. Damit stellten sich die Räte hinter die Meinung von Marktverwaltung, -händlern und -besuchern, die sich in einer kleinen SZ-Umfrage ebenfalls mit großer Mehrheit für die gewohnte Vielfalt ausgesprochen hatten.

AfD will Fritz unbedingt loswerden

In vielem anderen aber waren die Stadträte höchst unterschiedlicher Auffassung. So machte die AfD keinen Hehl daraus, dass sie die aus vier Personen bestehende „Fritz und Paszkiewicz Wochenmarktverwaltung“, die den Markt seit 18 Jahren als Konzessionär führt, um jeden Preis loswerden will – mit einer fristlosen Kündigung. Begründung: Sie würde Parkplätze der Wochenmarktverwaltung ihren Hotelgästen zur Verfügung stellen. Francois Fritz bezeichnet die Vorwürfe als „entkräftet“. Die Stadt sagt, sie werden „geprüft“. Die Linkspartei glaubt, dass die AfD die Parkplätze nur vorschiebt, aber tatsächlich ganz andere Gründe hat, Fritz loswerden zu wollen.

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Am Ende kam die AfD mit ihrem Antrag einer fristlosen Kündigung nicht durch, genauso wenig wie mit der Idee, die Stadt solle den Markt vorerst in Eigenregie weiterbetreiben und nach sechs Monaten schauen, ob das sinnvoll ist oder eine Neuvergabe an einen privaten Betreiber wirtschaftlich vernünftiger ist.

Kündigung zum 30. Januar

Die „Fritz und Paszkiewicz Wochenmarktverwaltung“ erhält trotzdem eine Kündigung – aber eine fristgerechte zum 30. Januar, keine fristlose. Hintergrund: Die Stadtratsmehrheit will den Marktbetrieb neu ordnen. Die Stände in der Mitte, die in der Corona-Zeit weggefallen waren, sollen langfristig wegbleiben, weil Kunden jetzt mehr Platz haben, das Bild des Marktes schöner geworden ist. „Mit einer Neuausrichtung ist eine Neuvergabe nötig“, begründete der städtische Justiziar Arndt Lochmann. Letztlich könne eine Neuordnung auch für eine Änderung des Nutzungsentgeltes sorgen. Fritz selbst sieht das anders, aber letztlich muss er jetzt mit der Kündigung leben – und kann sich bei der Neuausschreibung des Marktes wieder bewerben. Dort stehen seine Chancen gar nicht schlecht, denn weitere Interessenten sind bisher nicht bekannt. Die AfD beteuerte, keinen Bewerber in der Hinterhand zu haben – und widersprach damit dem Gerücht, dass ihr eigener Stadtrat Thomas Seliger, der in der Elisabethstraße das Wirtshaus „Zur Altstadt“ führt, Interesse hätte.

Stadträte wollen mitbestimmen

Und wie geht es nun mit dem Markt weiter? Die Stadt hat bis 29. Juli Zeit, dem Konzessionär zu kündigen. Außerdem soll sie eine Neuausschreibung der Konzession für einen ganzjährigen Wochenmarkt in der Elisabethstraße vorbereiten. Der Ausschreibungstext soll vor der Veröffentlichung in den zuständigen Ausschüssen des Stadtrates beraten und beschlossen werden. Mit anderen Worten: Die Stadträte wollen selbst mitbestimmen, was in dem Text steht, wie der Markt also aussehen soll. Wenn das erledigt ist, wird ausgeschrieben. Bürgermeister Michael Wieler hat das Ziel, dass der künftige Betreiber spätestens Ende November feststehen soll, damit er zwei Monate Zeit hat, sich auf die Aufgabe vorzubereiten.

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Mirko Schultze (Linkspartei) geht das alles zu schnell. Am Marktbetreiber habe es über die Jahre immer wieder mal Kritik gegeben, aber diese habe nie zu einer Kündigung geführt. Jetzt müsse alles ganz fix gehen – obwohl gerade das Einzelhandelskonzept der Stadt diskutiert wird. „Vieles, was passieren kann, wenn wir dem Betreiber kündigen, ist gar nicht beraten und belegt“, sagt er – und verweist zum Beispiel auf die Toiletten für die Händler, die sich im Hotel von Fritz befinden und wegfallen würden, wenn Fritz nicht mehr für den Markt zuständig wäre. Das alles sei ein Schnellschuss. Andere Räte stimmten dem zu – sprachen sich aber letztlich doch für die Kündigung aus, die immer nur bis 29. Juli möglich ist. Wenn das jetzt nicht passiert, geht also gleich ein ganzes Jahr verloren. Wieler erklärte letztlich, dass eine Neuvergabe bis Ende November zwar das Ziel sei, aber kein Muss: „Wenn uns das nicht gelingt, werden wir den Marktbetrieb trotzdem hinkriegen.“

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