merken
PLUS Zittau

Warum die Käsefrau den Markt boykottiert

Agnes Mocha will sich nicht in die hinterste Ecke abschieben lassen. Und sie ist nicht die einzige Händlerin, die die neue Zittauer Wochenmarkt-Ordnung abschreckt.

Biobäuerin Agnes Mocha vom Ziegenhof in Bertsdorf.
Biobäuerin Agnes Mocha vom Ziegenhof in Bertsdorf. © www.foto-sampedro.de

Um es gleich vorweg zu sagen: Agnes Mocha liebt den Zittauer Wochenmarkt. Hier steht die Biobäuerin aus Bertsdorf mit ihrem Ziegenkäse-Stand meistens zwischen dem Verkaufswagen der Hofkäserei Vetter aus Steinigtwolmsdorf und Roman Kirchner vom Ruppersdorfer Räucherhäusl, Rücken an Rücken steht Biogärtner Michael Schostek. "Das ist eine schöne Atmosphäre", sagt Agnes Mocha. "Da freue ich mich jede Woche drauf."

Seit letzter Woche aber ist der Zittauer Wochenmarkt kein Wochenmarkt mehr. Obwohl es auch in Sachsen wieder erlaubt ist, regionale Produkte an Marktständen zu verkaufen, hat die Stadt Zittau die Abstandsregeln für die Händler noch mal drastisch verschärft.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Agnes Mocha bekam einen Standplatz auf der Wiese am Klosterplatz zugewiesen. Ganz allein stand sie da am Mittwoch letzter Woche. Sie sei zwar auch dort in zwei Stunden ausverkauft gewesen, erzählt sie, doch schön sei das nicht gewesen.

Vor allem verstehe sie den Sinn des Zittauer Vorhabens nicht, die Wochenmarktstände derart weit auseinander in der ganzen Innenstadt zu verteilen - und auch noch zeitlich auseinanderzuzerren. "Niemand von der Stadt hat uns das erklärt", sagt sie. "Und es hat und auch niemand gefragt." Am Dienstag habe sie einen Anruf vom Marktleiter bekommen, dass das jetzt eben so sei, um die Abstands-Regeln gut einhalten zu können. 

Stadt bleibt bei der Regelung

An diesem Mittwoch ist Agnes Mocha dem Wochenmarkt fern geblieben. Aus Protest. "Ich will ein Zeichen setzen, dass man so mit uns nicht umgehen kann, und dass ich mit diesen Maßnahmen nicht einverstanden bin", erklärt sie. Auf ihrer Facebook-Seite "Samtzicke Agnes" erklärt sie das auch ihren Kunden: "Markt ist für mich mehr als nur Existenzsicherung durch den Verkauf meiner Produkte", schreibt sie. "Er ist sozialer und kommunikativer Treffpunkt sowie effektive Bündelung vieler unterschiedlicher regionaler Produkte für den Kunden." Das sei nun mit der Entzerrung nicht mehr gegeben.

Agnes Mocha ist nicht die einzige Markthändlerin, die gegen die Maßnahme der Stadt protestiert. Die Hofkäserei Vetter hat sich ebenfalls zurückgezogen, und Biogärtner und Linken-Stadtrat Michael Schostek hat sich mit einem Hilferuf an die Stadträte gewandt. Es bestünden "erhebliche Zweifel am guten Willen und der Sachkenntnis der Entscheidungsträger in Sachsen und insbesondere in Zittau", schreibt er und bittet die Stadtrats-Kollegen, weiteren Schaden für die Stadt und ihre Bürger zu verhindern, der mit der Beibehaltung der Restriktionen entstehe. 

Im Rathaus lässt man sich von solchen Reaktionen der Händler nicht beeindrucken. Stadtsprecher Kai Grebasch verteidigt das Entzerrungs-Konzept: "Es ist insgesamt sehr erfolgreich gelaufen", sagt er. Deswegen sehe er auch keinen Grund, das zu ändern. 

"Wir haben uns das ja nicht ausgedacht, um die Händler und Kunden zu schikanieren, sondern um so bestmöglich die Abstandsregeln einzuhalten", erklärt Grebasch. Das sei so immer noch besser, als die Stände auf dem Markt mit Absperrgittern zu trennen. Das Zittauer Modell werde von den Kunden auch sehr gut angenommen.

Weiterführende Artikel

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 3. Mai

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 3. Mai

Mehr Geheilte, abgesagte Veranstaltungen und der Umgang mit den Auswirkungen:Die Entwicklungen bis Anfang Mai sind hier zu lesen.

"Die Bürger werden nicht richtig informiert"

"Die Bürger werden nicht richtig informiert"

Corona-Protestler Peter Dierich sagt, warum er in jetzigen Beschränkungen DDR-Methoden sieht, welche Schuld die Medien trifft und warum er der Politik nicht traut.

Corona: Plaudern mit Abstand

Corona: Plaudern mit Abstand

Nicht nur die Händler des Wochenmarkts stehen verteilt in Zittaus Innenstadt, auch die Menschen halten sich an die Auflagen.

Zittau reagiert auf Wochenmarkt-Verbot

Zittau reagiert auf Wochenmarkt-Verbot

Weil in Corona-Zeiten nur der mobile Verkauf von Lebensmitteln erlaubt ist, hat die Stadt mit den Händlern eine neue Regelung getroffen.

So lange sich also die sächsische Allgemeinverfügung zum Schutz vor der Corona-Pandemie bis dahin nicht ändert, werde die Zittauer Corona-Schutz-Marktordnung beibehalten. Und Agnes Mocha wird ihren Ziegenkäse donnerstags und freitags 14 bis 18 Uhr vom Hof verkaufen.  

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau