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Wochenmarkt wird zum Streitfall

Der Zittauer Marktplatz ist groß genug, um alle mobilen Verkaufsstände dort zu platzieren, meinen Händler und Politiker. Die Stadt Zittau sieht das anders.

Michael Schostek setzt sich dafür ein, dass wieder alle Händler am Mittwoch auf dem Zittauer Markt ihre Produkte verkaufen dürfen.
Michael Schostek setzt sich dafür ein, dass wieder alle Händler am Mittwoch auf dem Zittauer Markt ihre Produkte verkaufen dürfen. ©  Matthias Weber

Der 1. April hat bewiesen, dass es geht, meint der Zittauer Biogärtner Michael Schostek. An diesem Tag fand nach einwöchiger Pause wieder ein Wochenmarkt in Zittau statt. Und alle Lebensmittelhändler - etwa ein Dutzend - standen zusammen auf dem Marktplatz. Mit einem Abstand untereinander von fünf bis sieben Metern. "Die Händler und vor allem die Kunden verhielten sich in Sachen Abstandswahrung sehr diszipliniert, sodass Ordnungseinsätze nicht notwendig wurden, berichtet Schostek.

Er kann deshalb auch die Entscheidung der Stadt Zittau, die Stände zu "entzerren", nicht verstehen. Die Stadt ordnete an, dass die mobilen Verkaufsstände nicht nur auf dem Markt stehen sollen. Einzelne Händler haben einen Standplatz auf der Neustadt, am Klosterplatz oder vor der Johanniskirche zugewiesen bekommen. Ein Händler sollte sogar am Dienstag statt am Mittwoch seine Waren verkaufen.

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"Diese Entscheidung fiel ohne Rückfrage bei den Händlern", kritisiert Schostek und fügt hinzu: "Solch ein Umgang mit den Markthändlern, die über viele Jahre zuverlässig als Vertragspartner auftreten, ist unverständlich." Nach der "Entzerrung" hatten einzelne Händler Konsequenzen gezogen. So sagte Käsefrau Agnes Mocha vorerst weitere Verkäufe ab, weil sie allein am Klosterplatz stehen sollte. Jener Händler, der auf den Dienstag ausweichen musste, ist ebenfalls verärgert. Er habe es einen Tag probiert, aber es sei unzumutbar, sagt der Betroffene. Namentlich erwähnt werden will er aber nicht. 

Hilferuf an Stadtratsfraktionen

Michael Schostek hat sich mit einem Hilferuf an die Fraktionen im Zittauer Stadtrat gewandt. Schostek ist selbst Stadtrat der Linken. Als Reaktion auf den Hilferuf findet Thomas Zabel, Vorsitzender der CFG-Fraktion, den "Zustand" bei der Durchführung des Wochenmarktes erklärungsbedürftig. Insbesondere nach den Lockerungen der Einschränkungen im Einzelhandel hält Zabel die Entscheidung möglicherweise auch für änderungswürdig. Darüber sollte in der Sitzung des Zittauer Stadtrates am 30. April diskutiert werden, so seine Anregung.

Inzwischen hat die Fraktion Die Linke einen Antrag eingereicht, das Thema auf die Tagesordnung der Stadtrates zu setzen und es sei notwendig, die Entscheidungsfindung zu analysieren, heißt es in dem Antrag.

Unabhängig davon solle bereits an diesem Mittwoch die Aufstellung der mobilen Verkaufsstände verändert werden, fordert Schostek. "Mir ist bekannt, dass in vielen anderen Städten Deutschlands mit gleicher Gefährdungslage Wochenmärkte unter den gleichen Bedingungen wie in Zittau am 1. April durchgeführt werden, ohne dass es, wie bei uns, Probleme oder Beanstandungen gibt", sagt Schostek. 

Die 12 bis 14 Händler haben seiner Meinung nach ausreichend Platz auf dem Markt, auch unter Beachtung von Abstand. Der Wochenmarkt werde leider auch nicht von so vielen Menschen frequentiert, dass über Zugangsbeschränkungen nachgedacht werden müsste. "Bei zu großer Ängstlichkeit könnte eventuell der Rathausplatz als Standplatz für einige Anbieter genutzt werden", schlägt Schostek vor. Der Bedarf an Parkplätzen sei momentan im Innenstadtbereich gering.

Kleinere Änderungen an der Struktur

Wie Stadtsprecher Kai Grebasch mitteilt, werde die Stadt Zittau ab dieser Woche die Aufstellung der Stände wieder verändern. Der Forderung, alle Händler auf dem Markt zu vereinen, kommt die Verwaltung damit aber nicht nach. Bei genauer Betrachtung der neuen Struktur fallen nur minimale Änderungen auf. So ist der Klosterplatz als Standort weg - auch wegen der Absage der Käsefrau Agnes Mocha. Und der Dienstag wurde als Verkaufstag gestrichen. Ansonsten setzt die Stadt nach wie vor auf mehrere Standorte wie die Neustadt oder den Platz vor der Johanniskirche.

An der Johanniskirche steht das Räucherhäusl aus Ruppersdorf. "Wir können nicht meckern, haben noch einen guten Platz und  bisher keine Einbußen", sagt Romain Kirchner. Er findet aber auch, dass der Markt vom Ambiente und der Zugänglichkeit  her besser ist. Derzeit müsse man eben mit der Situation leben. 

Das hofft auch die Verwaltung. In der Verordnung stehe ganz klar, betont Grebasch, dass Menschenansammlungen untersagt sind und es nur wenige Ausnahmen von der Regelung geben darf. "Eine etwas konzentriertere Aufstellung auf dem Markt ist unter Einhaltung der nach wie vor strengen Abstands- und Hygieneregeln möglich, allerdings ist es nicht vertretbar, sämtliche Händler auf dem Markt zu platzieren", erklärt der Stadtsprecher. Die neue Regelung sei mit allen Händlern bereits am Ende der vergangenen Woche abgestimmt worden.

"Selbstverständlich beobachten wir genau, wie auch diese neuerliche Veränderung von den Menschen angenommen wird und reagieren, wenn es notwendig sein sollte, kurzfristig", verspricht Grebasch.

Fehlentscheidung nicht zugeben

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Michael Schostek ist damit nicht zufrieden. Die Stadt wolle eine Fehlentscheidung nicht zugeben, meint er. Es sei komisch, wenn "Zittau kann mehr", die Fraktion des Oberbürgermeisters auf der einen Seite eine schnellere Öffnung der Gastronomie fordere, wo die Gäste nicht mit Mundschutz sitzen und ihr Steak essen können, aber auf der anderen Seite eine Konzentration der mobilen Verkaufsstände auf dem Markt abgelehnt werde, obwohl die Kunden hier problemlos mit Mundschutz einkaufen können. 

Dass ein Wochenmarkt auch in der aktuellen Situation möglich ist, beweisen diese vier Kundinnen, die im gebührenden Abstand auf dem Zittauer Markt plaudern.
Dass ein Wochenmarkt auch in der aktuellen Situation möglich ist, beweisen diese vier Kundinnen, die im gebührenden Abstand auf dem Zittauer Markt plaudern. ©  Archivfoto: Matthias Weber

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