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Wölfe reißen fünf Schafe

Die Tiere wurden wahrscheinlich aus dem sicheren Weidezaun in Kraußnitz getrieben. Nur drei von ihnen überleben.

Der Wolf ist schon lange im Landkreis Meißen heimisch. Nun haben wohl mehrere der Raubtiere fünf Schafe nahe Schönfeld gerissen. Auch ein Elektrozaun hielt sie offenbar nicht auf.
Der Wolf ist schon lange im Landkreis Meißen heimisch. Nun haben wohl mehrere der Raubtiere fünf Schafe nahe Schönfeld gerissen. Auch ein Elektrozaun hielt sie offenbar nicht auf. © Stefan Seidel

Schönfeld. Schock in dem Schönfelder Ortsteil Kraußnitz: Wölfe haben in der Nacht zum Sonntag fünf Schafe trotz eines gesicherten Elektrozauns gerissen. Ein benachrichtigter Mitarbeiter der Fachstelle Wolf beim Landesamt in Dresden bestätigte am Sonntag vor Ort den Wolfsriss. "Es waren definitiv mehrere Tiere", sagt Reinhard Noack, der mit seinem Schwiegersohn Sebastian Wünsch gemeinsam die Hobbyhaltung betreibt. Die toten Tiere wurden jeweils etwa bis zu einem Drittel gefressen. Aufgrund der Fleischmenge - Wölfe sollen sieben bis acht Kilo fressen - schließen die Kraußnitzer auf mehrere Angreifer.

Schafsblöken um 4 Uhr morgens

Es war etwa 4 Uhr morgens, als die Schafhalter durch ein außergewöhnliches Schafsblöken geweckt werden. "Wir haben gemeinsam acht Schafe innerhalb eines Elektrozauns", sagt Reinhard Noack. "Drei Tiere konnten sich retten: zwei Mutterschafe in den Stall und eines hat sogar versucht, im Haus Schutz zu suchen." Sein Schwiegersohn vermutet, dass die Tiere von den Wölfen aus der sicheren Umzäunung getrieben werden.

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Das Schaf, das auf die Straße lief und laut blökte, weckte nicht nur die Schafhalter - auch Nachbarn sollen das jämmerliche Getöne gehört haben. "Ich bin sofort runter, aber die Wölfe habe ich nicht mehr gesehen", sagt Sebastian Wünsch der SZ. Dem Geschehen nach könnten die Wölfe das Gehege umstellt und die Schafe so dazu gebracht haben, durch den Elektrozaun auszubrechen. "Nur ein Tier wurde innerhalb des Zaunes gerissen, die anderen vier draußen", sagt Sebastian Wünsch erschüttert.

Ein Foto zeigt eins der toten Schafe. Nur eins der Tiere wurde innerhalb des Zauns gerissen.
Ein Foto zeigt eins der toten Schafe. Nur eins der Tiere wurde innerhalb des Zauns gerissen. © privat

In Kraußnitz ist das der erste Wolfsriss seit Langem. "Mindestens die letzten zehn Jahre hatten wir Ruhe", so die Schafhalter. Aber sie haben schon davon gehört, dass die Wolfsrisse im Herbst wieder zunehmen. Noack und Wünsch riefen deshalb rasch den Wolfsbeauftragten an, um sicherzugehen. Und um eine Begründung zu haben für Entschädigungszahlungen. Doch das ist für die Hobby-Schafhalter nur eine nachrangige Lösung. "Natürlich ist es furchtbar, was den Schafen passiert ist - und wir möchten das auch kein zweites Mal erleben", so die Kraußnitzer.

Vermutlich wird der Wolfsriss jetzt genetisch einem der hiesigen Wolfsrudel zugeordnet. Es gibt eins im Raschützwald bei Weißig a.R., aber auch mindestens eins in der Königsbrücker Heide. Die drei geretteten Tiere werden die nächste Zeit deshalb erst mal im Stall gehalten. "Die betroffenen Flächen nutzen wir jetzt nicht mehr", sagt Sebastian Wünsch.

Hobby-Schäfer wollen weitermachen

Die Kraußnitzer wollen sich die Schafhaltung dadurch aber nicht vermiesen lassen. "Wir werden weitermachen, wir lassen uns nicht entmutigen", sagen sie. Dennoch wollen sie die künftigen Haltungsbedingungen mit dem Wolfsbeauftragten absprechen. Für sie liegt es auf der Hand, dass auch der als wolfssicher geltende Elektrozaun die Fleischfresser nicht von ihrem Tun abhalten konnte. "Man darf nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern muss Maßnahmen ergreifen, dass Nutztiere besser geschützt werden", fordert Sebastian Wünsch.

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Für den Kraußnitzer sind aber die ständigen behördlich geduldeten Wolfsangriffe auch ein Zeichen, dass die Landwirtschaft, auch die nicht berufsmäßige, mehr und mehr Stellenwert einbüßt.

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