merken
PLUS Weißwasser

Wölfe unter Verdacht

Roland Mickan aus dem Hammerlugk beklagt drei tote Schafe.

Die Hochlandrinder sind verschont geblieben – an sie haben sich die Räuber nicht herangewagt. Roland Mickan mag sich aber nicht aufs Glück verlassen.
Die Hochlandrinder sind verschont geblieben – an sie haben sich die Räuber nicht herangewagt. Roland Mickan mag sich aber nicht aufs Glück verlassen. © Foto: Steffen Bistrosch

Von Steffen Bistrosch

Krauschwitz. Der sechzigjährige Krauschwitzer traute am vergangenen Donnerstagmorgen seinen Augen nicht, als er die unmittelbar hinter seinem Wohnhaus im Hammerlugk gelegene Weide betrat. Neben den zum Glück unversehrt gebliebenen vier Hochlandrindern lagen die getöteten und zum Teil angefressenen Kadaver dreier erwachsener Schafe.

Anzeige
Schlossherr gesucht!
Schlossherr gesucht!

Herbst-Auktionen mit außergewöhnlichen Immobilien aus Ostsachsen

Seine Nachbarin hatte ihn bei Sonnenaufgang verständigt und auf die sehr unruhigen und lauten Tiere aufmerksam gemacht. Das Bild, das sich ihm bot, habe einen echten Schock und große Fassungslosigkeit ausgelöst. Der Hobbylandwirt hat sofort die Fachstelle Wolf vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) informiert. Das Amt ist seit Anfang Juni für Nutztierrisse ebenso zuständig wie für tote, verletzte oder auffällige Wölfe sowie Wolfshinweise. Eine Mitarbeiterin des Amtes nahm die vermeintlichen Wolfsrisse umgehend in Augenschein. Die Art und Weise lässt durchaus den Schluss zu, dass der Wolf hier Beute gemacht hat. Das bestätigt auf Nachfrage auch Matthias Rau, Leiter der Fachstelle Wolf in Sachsen. Die Mitarbeiterin des Amtes vermutete bei der Untersuchung der Fundstelle gegenüber Mickan, dass hier eher unerfahrene graupelzige „Jäger“ am Werk waren. Die Verletzungen der gerissenen Tiere lassen diesen Schluss zu. Möglicherweise haben hier ein oder mehrere Jungtiere gejagt.

„Wer schützt uns Tierhalter?“

Roland Mickan hilft das nicht weiter. Er habe drei erwachsene Tiere verloren, die ihm ans Herz gewachsen waren. Die Fachstelle Wolf habe sich zwar umgehend um den Fall gekümmert und sei durchaus verständnisvoll und professionell gewesen. Auf den Kosten bleibe er jedoch zunächst sitzen, bis der Antrag auf Entschädigung durch ist. Dabei ist die materielle Seite Mickan weitgehend egal. Die Emotionen, die mit dem Verlust verbunden sind, wiegen viel schwerer. Zumal die Kadaver erst nach mehreren Tagen von der Tierkörperbeseitigung abgeholt wurden. Der durchdringende Geruch und der Anblick der abgedeckten Schafe erinnere ihn ständig an die Gefahr, die jetzt auch den verbliebenen Tieren droht. Die Rinder durchgängig im Stall zu halten, sei keine Option.

Mickan vermutet einen Zusammenhang mit dem kürzlich getöteten Hund in Weißkeißel/ Kaupen: Die Entfernung betrage nur geschätzte tausend Meter Luftlinie. Wie es weitergeht; ob er überhaupt wieder Schafe halten wird, kann er heute noch nicht abschätzen. Seit gut zwanzig Jahren halte er Tiere. Dass sich die Wölfe tatsächlich so nah an die Siedlungen heranwagen, hätte er nie für möglich gehalten. Mickan sieht die Politik in der Pflicht, endlich zu handeln und die Population Isegrims nicht ausufern zu lassen: „Die Wölfe werden geschützt, wer schützt uns Tierhalter?“

Mehr zum Thema Weißwasser