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Woher das Trinkwasser kommt

Mehr als 150 Brunnen gibt es in Löbau-Zittau, fast 50 Pumpwerke sorgen für den richtigen Fluss. Und die Kosten?

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Von Gabriel Wandt

Es ist eine der ersten Tätigkeiten nach dem Aufstehen: Ohne Wasser fängt bei kaum jemandem der Tag an, ob es nun aus dem Wasserhahn, dem Duschkopf oder durch die Toilettenschüssel rauscht. Dass es da ist, ist meist selbstverständlich, mancher blickt höchstens mal zur Wasseruhr und fragt sich, was die Rechnung wohl bringen mag. Doch zum heutigen Tag des Wassers lassen sich viele Fragen zum kostbaren Nass stellen. Die SZ hat einige davon aufgegriffen.

Woher kommt das Trinkwasser,

das aus dem Hahn fließt?

Zittau bezieht sein Wasser aus dem Gebirge, Löbau größtenteils aus dem eigenen Wasserwerk „Heiterer Blick“ und zu 40 Prozent aus dem Wasserwerk Sdier bei Bautzen. In der Region gibt es mehr als ein Dutzend Quellen, aus denen das Trinkwasser sprudelt. Generell gilt: Es ist ausschließlich Grundwasser, das vor allem in den Gebirgsregionen, aber auch in den anderen Gebieten der südlichen Oberlausitz sehr gut geschützt ist, erklärt Michael Kuba von der Süd-Oberlausitzer Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft (Sowag). Nicht nur große Trinkwasserschutzgebiete sorgen dafür, dass die Qualität des Wassers sehr gut ist. Die Sowag hat zudem auch Verträge mit Landwirten der Region abgeschlossen und leistet Entschädigungszahlungen, weil in bestimmten Bereichen nicht alles angebaut werden kann und vor allem Einschränkungen beim Düngen notwendig sind. Wenn beim den regelmäßigen Tests Probleme bei der Wasserqualität aufgetaucht sind, hätten diese stets etwas mit Schwierigkeiten an den Stellen zu tun gehabt, an denen das Wasser entnommen wurde. Das können beispielsweise verdreckte Filter in Hausanlagen sein.

Wird unser Wasser in der Region Löbau-Zittau knapp?

„Es gibt überhaupt keine Knappheit“, sagt Michael Kuba. Zum einen liegt es daran, dass es nur noch wenige industrielle Großverbraucher in der Region gibt, die viel Wasser nutzen. Natürlich zählen die Textilbetriebe dazu, aber die Mehrzahl der Firmen, dazu gehören auch die vielen Automobilzulieferer, setzen vergleichsweise wenig Wasser ein. Und wenn sie es doch benötigen, seien die Maschinen und Produktionsabläufe so modern, dass das Wasser mehrfach genutzt wird. Auch private Haushalte sparen, wo sie können.

Warum sind wir mit unserem Wasser eigentlich so sparsam?

Das liegt an den vielen modernisierten Bädern in den Häusern und Wohnungen. In den vergangenen zwanzig Jahren ist hier ein sehr moderner Standard eingezogen. Das betrifft nicht nur die südliche Oberlausitz, sondern ganz Ostdeutschland. Wasserspar-Armaturen und die Spartaste an der Toilettenspülung sind Standard. „Der Westen ist da längst nicht so weit“, bestätigt Sowag-Chef Kuba. Trotzdem hat das Wassersparen nicht nur Vorteile: Fließt zu wenig davon durch die Rohre, lagert sich zu viel Schmutz ab. Das kann für Probleme sorgen. Daher lassen die Wasserversorger immer wieder gezielt Trinkwasser durch die Leitungen laufen, um sie zu spülen. Das wirkt sich negativ auf die Bilanz aus, denn dieses Wasser kann nicht verkauft werden.

Spart die Region auch Wasser, weil hier immer weniger Leute wohnen?

Erstaunlicherweise bislang kaum. So hat die Sowag im vergangenen Jahr mit einem größeren Rückgang des Trinkwasserverbrauchs gerechnet, als er tatsächlich eingetreten ist. Auf längere Sicht stellt sich ein solcher Effekt natürlich ein, aber die Zahl der Haushalte sinkt wesentlich langsamer als die Zahl der Oberlausitzer. Und in jedem Haushalt wird eben eine gewisse Menge Wasser verbraucht.

Wird das Wasser in absehbarer Zeit teuer werden?

Dafür gibt es im Moment keine Anhaltspunkte. Im Wasserverband, dem die Gemeinden der südlichen Oberlausitz angehören, sind vorläufig keine Preissteigerungen geplant. Bei der Sowag geht man davon aus, dass der Wasserpreis bis 2016 stabil bleiben kann. Und auch in der Vergangenheit hat sich hier offenbar wenig getan. Seit ungefähr zehn Jahren seien die Wasserpreise im Großen und Ganzen stabil geblieben. Einzelne Änderungen der Grundgebühr hat es aber gegeben.

Wie liegen die hiesigen Wasserpreise im Vergleich zu anderen Regionen?

Da kann sich die südliche Oberlausitz durchaus sehen lassen. In Zittau kostet der Kubikmeter Trinkwasser 1,61 Euro, in Löbau 1,99, bei der Sowag 1,63. Schon Dresden ist deutlich teurer, dort liegt der Kubikmeterpreis bei 2,14. Schaut man beispielsweise nach Baden-Württemberg, kommt die Oberlausitz ebenfalls gut weg. In Villingen-Schwenningen, der Partnerstadt von Zittau, kostet das Trinkwasser 2,61. Löbaus Partnerkommune Ettlingen liegt auf Augenhöhe: Hier sind ebenfalls 1,99 Euro fällig. Allerdings variieren die jeweiligen Grundgebühren, sodass dadurch leichte Verschiebungen bei den Preisen entstehen.

Arbeiten die Wasserversorger eigentlich auch zusammen?

Diese Kooperation ist das große Jahresthema am heutigen Tag des Wassers. In Zittau arbeiten Stadtwerke und die Sowag schon längere Zeit eng zusammen. Beispielsweise planen beide Unternehmen, welche Investitionen in teure Anlagentechnik nötig und sinnvoll ist – nach dem Bedarf in der Region und unabhängig davon, wem diese Anlagen gehören. Die Bindung zwischen den Stadtwerken in Löbau und der Sowag ist weit weniger eng. Das liege daran, dass es wenig Berührungspunkte miteinander gebe, sagt der Löbauer Stadtwerkechef Andreas Berthold. So habe jedes Unternehmen seinen eigenen Versorgungsbereich. Wenn aber beispielsweise eine Havarie auftrete an einer Stelle, an der die Versorger dicht beieinander liegen, helfe man sich gegenseitig. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Beide Unternehmen kaufen Wasser aus dem Fernwasserwerk Sdier ein. Am Eiseroder Berg befindet sich ein großer Hochbehälter, und von dort zapfen die Stadtwerke Löbau und die Sowag sich das Wasser ab, das sie zusätzlich für ihre Kunden benötigen.Auf ein Wort