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Wohin jetzt?

Die Schließung des Piroyal schmerzt viele Discobesucher. Ganz verloren ist die Sache aber noch nicht.

© Marko Förster

Von Mareike Huisinga

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Eine braune Bretterwand versperrt den Eingang. Die Terrasse ist leer geräumt, an das Piroyal erinnern nur noch die Schriftzüge auf den Fenstern im Erdgeschoss. Anfang Januar fand hier die letzte Ü30-Party statt. Die Gäste ließen es noch einmal so richtig krachen. Seitdem herrscht Stille. Marcus Galle, der ehemalige Betreiber der Disco Piroyal, will sich mehr auf die Schloßschänke auf dem Sonnenstein sowie auf sein Restaurant Escobar in der Pirnaer Altstadt konzentrieren.

Abschied vom Piroyal: Anfang Januar wurde hier bei der Ü30-Party zum letzten Mal getanzt, bevor sich die Türen schlossen. Doch vielleicht muss das ja nicht für immer sein. Nicht nur die Pirnaer würde ein Neustart freuen. Archivfoto: Daniel Förster © Daniel Förster

Die Schließung des Piroyal stellt die Gäste vor ein Problem. „In Pirna gibt es jetzt nichts mehr, wo man abends tanzen gehen könnte“, sagt Jana Friebel. Die Pirnaerin war häufig im Piroyal und schätzte besonders die gute Atmosphäre. „Rangeleien hat es nie gegeben, es war auch nicht so anonym wie in anderen größeren Diskotheken“, sagt die 33-Jährige. Vor Kurzem ist sie nach Dresden gefahren, um dort eine Diskothek auszuprobieren. Es wird vermutlich bei diesem Versuch bleiben. „Das Publikum war viel jünger. Außerdem musste ich mir überlegen, ob ich die letzte Bahn gegen 0.30 Uhr nach Pirna nehme oder durchmache, um dann mit dem ersten Zug gegen 4 Uhr wieder nach Pirna zu kommen“, erzählt Friebel. Sie hat sich für die Variante am frühen Morgen entschieden. „So richtig wohlgefühlt habe ich mich aber nicht“, resümiert sie.

Zu den Besuchern im Piroyal gehörte auch Martin Liebmann aus Pirna. „Mir hat es immer super hier gefallen“, sagt der 33-Jährige und schaut etwas wehmütig auf die geschlossenen Türen. Auch er kennt in Pirna keine Alternative.

Früher wurde im Jugendhaus Hanno auf der Hohen Straße gefetet. 2014 zog der Verein jedoch in die Altstadt und hat keine entsprechend großen Räumlichkeiten mehr. Legendär müssen auch die Partys unter dem markanten Motto „Pirna bebt“ in der Parkettfirma im Gewerbegebiet an der S 172 gewesen sein. Momentan sei jedoch nichts geplant, sagt eine Mitarbeiterin „Wer tanzen will, muss nach Dresden fahren“, fasst Martin Liebmann zusammen. Für ihn keine optimale Lösung, weil zusätzlich zum Eintrittspreis noch das Bahnticket oder die höheren Benzinkosten für die Pirnaer dazukommen.

Ebenso lange Gesichter ziehen die drei Macher, die sich hinter dem Unternehmen Sound Identity verbergen. Die drei jungen Leute sind aus Pirna beziehungsweise der Umgebung und haben im vergangenen Jahr ihr Abitur am Schillergymnasium abgelegt. Um die alte Truppe zusammenzuhalten und um jungen Erwachsenen ein Angebot zu machen, organisierten sie mehrere Partys im Piroyal (SZ berichtete). Jetzt müssen sie sich eine neue Location suchen. Gar nicht so einfach, wie Ellie Steglich von Sound Identity zugibt: „Wir sind derzeit am Überlegen, wie wir auf das Aus vom Piroyal reagieren, und schauen uns nach anderen geeigneten Räumlichkeiten für unsere Partys um.“ Unter anderem haben die Macher die Herderhalle ins Auge gefasst. Diese Option könnte allerdings am Geld scheitern. „Die Miete für die Herderhalle ist eine andere Hausnummer als das Piroyal“, erklärt Steglich. Aufgeben will das Trio aber nicht: Auch weiterhin sollen zwei Großveranstaltungen im Jahr stattfinden. „Denkbar ist, dass wir uns mit Open-Air-Partys bei der Pirnaer Hofnacht einklinken“, sagt Ellie Steglich.

Vielleicht löst sich ja alles doch noch in Wohlgefallen auf. Nach den jüngsten SZ-Informationen gibt es Hoffnung. Marcus Galle hält sich noch etwas geheimnisvoll zurück, dennoch verrät er: „Es gibt Gespräche mit zwei Unternehmern aus Pirna, die das Objekt übernehmen und das Discoangebot weiterführen wollen.“ Zu näheren Details wollte er sich jedoch nicht äußern. Nur soviel: Auch der Eigentümer des Gebäudes, eine amerikanische Immobiliengesellschaft, begrüße den Plan. „Es sieht gut aus“, schätzt Galle ein.

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