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Radeberg

Wohin mit dem Altpapier?

Wertstoffhöfe in Pulsnitz und Ottendorf haben die Annahme eingeschränkt. Warum es in Radeberg besser aussieht.

Ab in den Container: Das ist die einfachste Art der Entsorgung, bringt aber keinen Cent. Wertstoffhändler bezahlen noch mehrere Cent pro Kilo. Allerdings haben einige jetzt die Annahme eingeschränkt.
Ab in den Container: Das ist die einfachste Art der Entsorgung, bringt aber keinen Cent. Wertstoffhändler bezahlen noch mehrere Cent pro Kilo. Allerdings haben einige jetzt die Annahme eingeschränkt. © dpa

Wer sein Altpapier nicht über die Blaue Tonne oder den Wertstoffcontainer entsorgen, sondern für ein paar Cent abgeben möchte, der hat im Rödertal mitunter schlechte Karten. Einige Annahmestellen haben den den Aufkauf von Altpapier vorübergehend eingestellt. Sie werden Kunden am Schrotthandel Jäger in Bischofswerda am Betriebstor und im Internet informiert, dass aufgrund der sinkenden Nachfrage das eigene Lager randvoll ist. „Sobald unser Lager geleert ist, kaufen wir Ihr Altpapier wieder gern an“, heißt es weiter. Der Schrottaufkauf ist auch jetzt möglich, sagt Inhaberin Carmen Jäger. Auch Brennstoffe werden an die Kunden ausgeliefert. Nur gegen den Altpapierstau kann der kleine Betrieb nichts tun. „Wir liefern das Altpapier an die Papierfabrik Kriebstein“, sagt Carmen Jäger. Doch die musste vor einigen Tagen ihre Produktion einstellen und Insolvenz anmelden. Ob und wie es dort weitergehen kann, werde jetzt durch den Insolvenzverwalter geprüft, heißt es. Der Ausgang ist offen. Damit ist auch ungewiss, wann die Jägers in Bischofswerda wieder Altpapier aufkaufen können. Einschränkungen gibt es auch in Pulsnitz. Sabine Herrmann, Inhaberin der Firma Altpapierankauf Pulsnitz, nahm vor einigen Tagen noch Zeitungen, Kataloge, Prospekte & Co. an. An diesem Donnerstag und Freitag blieb ihre Annahme geschlossen. Am Sonnabend wurden nur Bücher angenommen. „Wir haben keinen neuen Container bekommen“, sagte Sabine Herrmann. Wie es diese Woche weitergeht, werde man sehen.

Mögliche Gründe

In Radeberg sieht es besser aus. Gerd Zumpe nimmt in seiner Firma an der Oststraße weiterhin Zeitungen an. „Der Preis ist im vergangenen Jahr zwar wegen des großen Angebotes um ein Cent auf sechs Cent pro Kilogramm gefallen. Aber Zeitungen können weiterhin zu uns gebracht werden.“ Wieso das bei ihm noch möglich ist, andere die Annahme eingeschränkt haben, kann er nur vermuten. „Wir arbeiten mit großen Abnehmern zusammen, vielleicht haben die noch Kapazitäten. Die kleineren nicht mehr.“ Er hört von seinen Kunden, dass neben dem Wertstoffhandel in Bischofswerda auch Wertstoffhöfe in Ottendorf-Okrilla und Stolpen die Annahme vorübergehend eingestellt haben. In Kamenz wird noch Altpapier angenommen. Dort hat das Recyclingunternehmen GlauCon an der Macherstraße seinen Wertstoffhof. Sie kenne die Probleme in der Altpapierbranche, erklärt eine Mitarbeiterin. Der Aufkaufpreis für die Unternehmen habe sich innerhalb einiger Monate halbiert. Von 60 auf 30 Euro pro Tonne. Aber sie versichert, dass nach wie vor Altpapier angenommen werde. Derzeit gibt es drei Cent pro Kilogramm. An der Papier-Annahmestelle soll sich nichts ändern. Möglicherweise aber am Preis. Dass der Markt aufgrund des Überangebotes angespannt ist, spürten Sammler im vergangenen Jahr. Ausnahmslos alle befragten Aufkaufstellen gaben an, dass der Preis pro Kilogramm im Laufe des Jahres 2019 gefallen ist, in den meisten Fällen um einen Cent. Statt sechs Cent pro Kilo gibt jetzt nur noch fünf Cent. Das spüren vor allem Kitas und Schulen. Dort werden oft große Mengen gesammelt. Mit dem Erlös wird die Klassen- oder die Kitakasse aufgebessert. 

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Gebührenanstieg wegen Altpapier?

Verglichen mit der Lage der Branche ist die Insolvenz der Papierfabrik Kriebstein nur eine Randerscheinung. Altpapier ist für Entsorger in den vergangenen Jahren ein lukratives Geschäft gewesen. Viel wurde exportiert in asiatische Staaten, vor allem nach China. Doch derzeit stagniert dort der Absatz. Die Badische Zeitung in Freiburg zitiert den süddeutschen Papierfabrikanten Wolfgang Palm mit den Worten, China habe „bis vor drei Jahren sehr viel Altpapier importiert, zuletzt waren es 30 Millionen Tonnen im Jahr. Doch dann haben sie sich entschieden, mehr eigenes Papier wiederzuverwerten und den Import zu beschränken.“ China erteile inzwischen nur noch Einfuhrlizenzen für fünf bis zehn Millionen Tonnen im Jahr. „Die Folge ist eine Altpapierschwemme in Nordamerika und Europa“, so der Branchenfachmann.

Über die Blaue Tonne oder öffentliche Wertstoffcontainer kann jeder sein Altpapier weiterhin entsorgen. Erlöse aus dessen Verkauf fließen seit Jahren in die Kalkulation der Abfallgebühren ein, die jeder Haushalt entrichten muss. Droht wegen des Altpapiers ein Gebührenanstieg? Nach Angaben des Landratsamtes müssen die Bürger des Landkreises nicht mit einer Gebührenerhöhung rechnen. Laut Pressesprecherin Sabine Rötschke werden die Abfallgebühren alle zwei Jahre neu kalkuliert und damit einer Prüfung unterzogen.

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Die aktuelle Kalkulation berücksichtigt die Jahre 2019 und 2020. Die nächste Kalkulation für die Jahre 2021 und 2022 wird nach jetzigem Kenntnisstand die bestehenden Gebührensätze wahrscheinlich wieder bestätigen. Gesunkene Preise für die Tonne Altpapier bestätigt auch das Bautzener Landratsamt. Der Erlös pro Gewichtstonne habe sich im Jahresverlauf 2019 mehr als halbiert, wobei der größte Rückgang im letzten Quartal erfolgte, heißt es in der Kreisverwaltung. Die konkrete Höhe der Erlöse sind Bestandteil der Ausschreibungsverfahren der Entsorgungsdienstleistungen. Aus vergaberechtlichen Gründen werden diese Zahlen vom Landratsamt nicht veröffentlicht.

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