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Wohin mit dem Piskowitzer Regenwasser?

Die Gemeinde Nebelschütz und die Ewag suchen gemeinsam nach einer Lösung. Die Bürger können dabei mitreden.

Von Andreas Kirschke

Bis Ende des Monats soll der Plan zum Ortsnetz der Kanäle und Anlagen zur Oberflächen-Entwässerung Piskowitz nochmals im Nebelschützer Gemeindeamt öffentlich zur Einsicht ausliegen. Dies war Fazit der Diskussion einer gut besuchten Gemeinderatssitzung, die in Piskowitz stattfand. Die Bürger sollen sich ihre Meinung bilden. Sie sollen entscheiden, ob sie ihr Regenwasser künftig zu Hause auf dem eigenen Grundstück nutzen oder es in öffentlich gewidmete, bestehende verrohrte Kanäle kostenpflichtig einleiten wollen.

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„Wir haben insgesamt 76 Grundstückseigentümer angeschrieben. Bislang kamen zwölf Rückmeldungen“, erläuterte Matthias Wiemann, Leiter des Bereichs Wasserwirtschaft des Energie- und Wasserversorgers Ewag in der Sitzung. Die Ewag ist Geschäftsbesorger des Abwasserzweckverbandes „Obere Schwarze Elster“. Diesem gehört Nebelschütz seit Beginn an. Bis heute verantwortet die Gemeinde selbstständig die Entsorgung des Oberflächenwassers. Selbstständig trägt sie die Kosten für Investitionen und Werterhaltung. „Piskowitz, Miltitz und Dürrwicknitz haben sich für die dezentrale Abwasserentsorgung entschieden. Darauf reagieren wir jetzt. Wir wollen die Kanäle an die Ewag übergeben – das trifft auch auf die Ableitung des Regenwassers zu“, erläuterte Nebelschütz’ Bürgermeister Thomas Zschornak (CDU) den Hintergrund. Die Gemeinde favorisiert, dass die Grundstückseigentümer ihr Regenwasser auf dem eigenen Hof sammeln und weiter zu Hause verwerten. Zum Beispiel können sie damit den Garten gießen oder aber auch die Toilette spülen. „All dies spart Ressourcen und Geld. Das ist auch wichtig für den Umweltschutz. Wer dagegen in einen öffentlichen Kanal einleitet, müsste dafür künftig Gebühren zahlen“, erläuterte der Bürgermeister.

In Piskowitz wurden in den 1970er-/ 1980er-Jahren offene Gräben verrohrt. Nicht klar ist jedoch heute: Was sind private Kanäle? Was sind öffentliche Kanäle? Und was sind öffentliche Gewässergräben? Eine Arbeitsgruppe von Einwohnern hat seit Frühjahr 2013 zusammen mit der Ewag eine Bestandsaufnahme des gesamten Kanalsystems erstellt. „Es gab keine zusammenhängenden Pläne mehr“, berichtete Matthias Wiemann. Die Einleitung des Oberflächenwassers in öffentliche Kanäle kostet derzeit 34 Cent pro Quadratmeter versiegelte Fläche. Die Gebühr für Schmutzwasser, das aus Kleinkläranlagen in öffentliche Kanäle mit eingeleitet wird, kostet einen Euro pro Kubikmeter Abwasser. „Wir wollen die öffentlichen Kanäle und Anlagen an den Abwasserzweckverband übergeben“, unterstrich Thomas Zschornak. Als öffentliche Bereiche hat jetzt die Bestandsaufnahme der Ewag die Gebiete „An den Wiesen“, „Parkstraße“ und „Am Eichelberg“ gekennzeichnet.

Noch offen ist die Entwässerung des Oberflächenwassers entlang der Kamenzer Straße, einer Kreisstraße. Hier traten in der Vergangenheit nach Starkregen oft Überschwemmungen auf. „Wir wollen gemeinsam mit der Ewag und mit dem Landkreis Bautzen ein Konzept zum Hochwasserschutz erstellen, weil es eine Kreisstraße ist“, so der Bürgermeister. „Wir wollen dauerhaft eine Lösung finden.“ Nach und nach soll die Bestandserfassung vertieft werden. Konkrete Vermessungen sollen folgen. „Schritt für Schritt wollen wir Zustandsanalysen und Befahrungen durchführen“, erläuterte Matthias Wiemann. „Kanäle, die über ein privates Gelände verlaufen, brauchen künftig eine Regelung per Vertrag.“

In der Ratssitzung traten dabei viele offene Fragen zutage. Was wird zum Beispiel aus früher von den Einwohnern selbst errichteten Kanälen? Nach welchen Kriterien werden sie gewidmet? Diese und noch weitere Punkte wurden angesprochen. „Vor 30 Jahren haben wir die Gräben ortsgemäß errichtet“, sagte Einwohner Joachim Wetzlich. „Jetzt kommt es mir vor wie eine Enteignung.“ Wie andere Piskowitzer sieht er noch Klärungsbedarf.

Außer in Piskowitz soll das Thema Oberflächenwasser in weiteren Ortsteilen diskutiert und gelöst werden. In Miltitz ging es gestern Abend bei einer Sitzung darum. In Dürrwicknitz gibt es am 24. April eine Einwohnerversammlung zum Thema Oberflächenwasser. Sie beginnt um 19.30 Uhr in der Pension Klaus Sachon.