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Wohin mit den Äpfeln?

Die Ernte fällt in diesem Jahr offenbar durchschnittlich aus. Die Keltereien rund um Radeberg haben dennoch gut zu tun.

In der Mosterei Petzold in Seifersdorf läuft die Apfelpresse auf vollen Touren. Nadine (32) und Rico Petzold (38) betreiben die kleine Firma seit drei Jahren im Nebengeschäft.
In der Mosterei Petzold in Seifersdorf läuft die Apfelpresse auf vollen Touren. Nadine (32) und Rico Petzold (38) betreiben die kleine Firma seit drei Jahren im Nebengeschäft. © René Meinig

Radeberg. Äste voller Äpfel und Birnen, schwer behangene Pflaumenbäume: Der Spätsommer ist die Zeit der Obsternte. Doch Wolfgang Preller, Chef des Territorialverbandes Kamenz der Kleingärtner, zu dem auch Radeberg und die umliegenden Orte gehören, ist nicht so glücklich, wenn er sich die Bäume in den Sparten ansieht. „Wir werden in diesem Jahr nur eine mittelmäßige Ernte bei den beim Obst bekommen“, sagt er. Es könne zwar einige Lagen geben, auf denen die Bäume gut tragen. „Im Durchschnitt sind die Früchte in diesem Jahr aber recht klein oder es sind nur wenige an den Bäumen zu finden.“ 

Gründe sind nach seiner Einschätzung Trockenheit und die teils starke Hitze in diesem Sommer. „Die 36 Grad, die es an einigen Tagen gab, hält kein Apfel gut aus. Selbst die robusten Sorten Carola und Boskop leiden darunter. Sie holen sich regelrecht Sonnenbrand. Durch die Trockenheit werden die Früchte sehr klein oder fallen mit der Zeit ab.“ Ein Allheilmittel gibt es dagegen nicht. „Viel gießen ist hilfreich, wichtig ist auch, die Bäume im Herbst und im Frühjahr zu schneiden. So können sie sich besser erholen“, sagt der Verbandsvorsitzende. Obwohl bei der Ernte in diesem Jahr wohl keine Rekorde zu erwarten sind, fällt bei vielen Kleingärtnern sicher mehr Obst an, als sie essen können. Für viele ist dann die Fahrt in die Mosterei die beste Möglichkeit, der Verarbeitung. 

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Frost im Mai hat Schäden angerichtet

In der Kelterei Oese hat die Annahme schon Mitte August begonnen. Inhaberin Gisela Oese kann die Angaben des Verbandsvorsitzenden bestätigen. „Die Abgabemenge ist etwa so hoch wie im vergangenen Jahr und damals hatten wir ja auch schon einen trockenen Sommer hinter uns. Diesmal ist noch ein Frosttag im Mai dazugekommen, der in vielen Gärten Schäden angerichtet hat“, sagt sie. Dennoch habe die Kelterei gut zu tun. „In den vergangenen Tagen war noch viel Fallobst dabei, wirklich geerntete Äpfel kommen jetzt erst dran.“ Die Saftausbeute ist immer recht groß. Für 100 Kilogramm abgegebener Apfel gibt es 88 Flaschen Saft. Da kostet eine Flasche nur 59 Cent. „Es ist freilich nicht so, dass jeder genau den Saft seiner Äpfeln erhält. Die abgegebene Menge wird verrechnet und er kann sich gleich nach der Abgabe des Obstes Apfelsaft mitnehmen.“ Außerdem gibt es bei Oese an der Weixdorfer Straße im Ottendorfer Ortsteil Medingen 35 Sorten anderer Säfte und Nektare sowie ab Mitte September den beliebten Apfel- und Kirch-Federweißer. Geöffnet ist montags und mittwochs von 9 bis 18 Uhr, dienstags von 15 bis 18 Uhr und sonnabends von 9 bis 12 Uhr.

Kelterei Walther in Arnsdorf hat am Montag mit der Apfelannahme begonnen. „Deshalb können wir noch nicht sagen, wie die Ernte ausgefallen ist. Ich habe einige Gärten gesehen, in denen die Bäume voller Äpfel hingen. Es hat ja auch etwas mehr geregnet als 2019“, sagt Inhaberin Kirstin Walther.Sie ist deshalb sehr zuversichtlich. Sie hat beobachtet, dass auch immer mehr junge Leute zu ihr in die Kelterei kommen. „Das können wir zwar nicht messen, aber der Eindruck besteht schon. Ihnen ist es offenbar auch wichtig, dass regionales Obst verwendet wird und klar ist, was in den Säften drin ist.“ In der Kelterei gibt es für einhundert Kilo Äpfel 60 Liter Saft. „Der Liter Apfelsaft kostet dann nur 61 Cent pro Liter oder 42 Cent für die 0,7-Liter-Flasche. Alle die ihre Äpfel abgegeben haben, können sich den Saft gleich mitnehmen oder wenn sie keine Möglichkeit haben eine große Menge zu lagern, können sie auch immer mal wieder einen Kasten bei uns holen.“ Die Lohnmosterei der Kelterei Walther an der Straße Am Gewerbegebiet 2 in Arnsdorf hat montags von 9 bis 20 Uhr sowie dienstags und mittwochs bis 18 Uhr.

Kleine Mosterei garantiert Saft aus eigenem Obst

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Saft aus dem eigenen Obst, das verspricht Rico Petzold von der gleichnamigen Mosterei in Seifersdorf. „Das ist das Besondere bei mir. Allerdings ist deshalb die Mindestannahmemenge 50 Kilogramm. Ansonsten ist die Presse nicht ausgelastet“, sagt er. Je nach Sorte ergibt das bis 30 Liter. Es sollte nur gut erhaltenes Obst und kein Fallobst abgegeben werden. „So ist die Qualität des Saftes besser“, sagt er. Zehn Liter Saft kosten dann 9,50 Euro. Der ist dann aber schon abgefüllt in einer praktischen Box. Im Preis ist der Pfand für den Behälter inklusive. Rico Petzold hatte seine Obstpresse 2017 als Nebenerwerb angemeldet.Der Betrieb an der Tina-von-Brühl-Straße 6 in Seifersdorf nimmt bis Ende Oktober immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 9 bis 12 Uhr Obst an.

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