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Wohin mit den Ersparnissen in der Corona-Krise?

Der Chefanlagestratege der Commerzbank rechnet kurzfristig mit einem starken Wirtschaftseinbruch und rät, mit Aktienkäufen noch zu warten.

© Pixabay

Noch vor zwei Wochen waren viele Banken-Volkswirte davon ausgegangen, dass die Corona-Pandemie eine milde Rezession in Europa zur Folge haben wird, dass also die Wirtschaftsleistung leicht schrumpfen wird. Das gilt nun nicht mehr. „Es wird eine scharfe globale Rezession geben. Vor allem im zweiten Quartal dieses Jahres müssen wir von einem Wirtschaftseinbruch von 20 bis 25 Prozent ausgehen“, prognostizierte Chris Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank am Freitag in einer Telefonkonferenz. Gründe sind, dass ganze Branchen ihre Produktion von Gütern und Dienstleistungen über Nacht auf null fahren mussten, sowie die Verzögerungen in den globalen Lieferketten.

Anders als bei der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, wo die Rezession länger anhielt, sei aber jetzt schon in der zweiten Jahreshälfte mit einer schnellen, spürbaren konjunkturellen Erholung zu rechnen. „Wenn es gelingt, die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten einzudämmen, sodass die restriktiven Maßnahmen bis zum Sommer aufgehoben werden können, so Schickentanz. Denn dann werden die staatlichen Rettungsprogramme für die Wirtschaft richtig ihre Wirkung entfalten.

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Sie werden aber auch den inflationären Druck verstärken. Kurzfristig wird die Inflation durch den Ölpreisschock gedämpft werden. „Wir werden im Mai eine jährliche Inflationsrate von Null sehen und wären damit wieder auf dem Niveau wie zu Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise“, sagt der Commerzbank-Ökonom voraus. Doch langfristig werden die Inflationserwartungen steigen angesichts der zig Milliarden Euro an Geld, die Regierungen und Notenbanken zur Stützung der Wirtschaft auf den Markt werfen.

Die New Yorker Börse ist wegen der Corona-Pandemie seit dem 23.03.2020 voll auf elektronischen Handel umgestellt. 
Die New Yorker Börse ist wegen der Corona-Pandemie seit dem 23.03.2020 voll auf elektronischen Handel umgestellt.  © Kearney Ferguson/New York Stock Exchange/AP/dpa

Für die Börsen geht Schickentanz noch von drei, vier schwierigen Wochen aus. Insbesondere die Situation in den USA bereitet ihm Sorge. Zum einen ist die Zahl der Infizierten hoch. Zum anderen steht Präsident Donald Trump unter großem Druck, die US-Wirtschaft im Wahljahr gut durch die Krise zu steuern. Die Versuchung ist groß, die restriktiven Maßnahmen zu früh aufzuheben. „Wir schätzen das Risiko einer zweiten Infektionswelle als hoch ein. Uns steht noch so manch schwarzer Tag an den Aktienmärkten bevor“, warnt der Anlage-Experte.

Was heißt das nun für Privatanleger? Sie sollten vor allem Ruhe bewahren, nicht in Panik verfallen und Wertpapierbestände komplett verkaufen. Die schleichende Enteignung der Sparvermögen durch Negativzinsen wird „für die nächsten Jahre bis Jahrzehnte“ andauern, heißt es. Seit Ende 2010 beträgt der Wertverlust pro Bundesbürger nach Commerzbank-Angaben bei 1.638 Euro. 

Wer risikolos seine Ersparnisse auf Tages- und Festgeldkonten anlegt, wird weiter Vermögen verlieren, so Schickentanz. Mit Investitionen in Aktien, Aktienfonds oder Unternehmensanleihen sollten Anleger aber auch noch waren, bis sich die Lage beruhigt hat. „Es ist noch zu früh, beherzt in den Markt einzusteigen“, so Schickentanz. Den idealen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg gibt es nicht. Er rät deshalb, am besten mit einem monatlichen Wertpapier-Sparplan das Geld in Tranchen über Wochen anzulegen. Auch Goldanlagen werden aufgrund der mittelfristig steigenden Inflationserwartungen wieder attraktiv werden.

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