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Wohin mit Freitals Rettern?

Die Freitaler Feuerwache ist verschlissen. Doch zu der Frage, wo der Neubau entstehen soll, droht nun ein Streit.

Die Freitaler Feuerwehr, hier bei einem Einsatz im April auf der Wigardstraße.
Die Freitaler Feuerwehr, hier bei einem Einsatz im April auf der Wigardstraße. © Roland Halkasch

Die Feuerwehr muss da raus. Da ist sich Alexander Frenzel sicher. Der Stadtrat der Freien Wähler hat viele Feuerwehrleute im Bekanntenkreis und kennt die Sorgen und Nöte der Helfer. Die Hauptwache, die sich in der Straße Am Glaswerk im Stadtteil Döhlen befindet, ist als solche nicht mehr zeitgemäß. „Die Anforderungen für Feuerwehren steigen“, sagt der 36-Jährige. „Die großen Fahrzeuge passen schon jetzt gerade so in die Garagen.“

Die Freien Wähler haben deshalb den Neubau einer zentralen Feuerwache zum Inhalt ihres Programms für die anstehende Stadtratswahl am 26. Mai gemacht. Dieser Neubau soll nicht irgendwo entstehen, sondern nach dem Willen der Wählervereinigung auf dem Gelände des Gewerbehofes hinter der Aral-Tankstelle. „Dafür werden wir uns stark machen“, sagt Frenzel. Genau dieser Standpunkt dürfte nun für Diskussionen in Freital sorgen.

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Stadt bekennt sich zu Neubau

Konsens ist hingegen, dass in Sachen zentraler Feuerwache etwas geschehen muss. Der bisherige Standort befindet sich einerseits im Überflutungsgebiet. Zum Hochwasser im Jahr 2002 stand das Wasser in der großen Fahrzeughalle etwa 1,15 Meter hoch. Andererseits sind Mauerwerk, Decken und Dachkonstruktion in so marodem Zustand, dass sie grundlegend erneuert werden müssten. Auch die Haustechnik ist sanierungsbedürftig. „Das Hauptgebäude ist rund 100 Jahre alt und entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen moderner Gerätehäuser wie beispielsweise die Größe der Fahrzeugstellplätze oder die gebäudeenergetische Beschaffenheit“, sagt Rathaussprecher Matthias Weigel.

Der Hauptsitz auf der Straße Am Glaswerk in Döhlen ist aus mehreren Gründen ungeeignet.
Der Hauptsitz auf der Straße Am Glaswerk in Döhlen ist aus mehreren Gründen ungeeignet. © Archiv: Oberthür

Was tun? Im aktuellen Haushaltsplan ist bereits der Neubau einer Feuerwache für zehn Millionen Euro ausgewiesen. Wie sich aus den eingeplanten Kosten pro Jahr herauslesen lässt, soll in diesem und im kommenden Jahr geplant werden. 2021 könnten die Arbeiten dann beginnen.

Doch bislang wiegelte die Stadt ab. Die Planung befinde sich noch im Anfangsstadium, teilte das Rathaus im Januar mit. Es sei zunächst die grundsätzliche Machbarkeit eines Neubaus in alle Richtungen zu prüfen. Auch einer Sanierung der jetzigen Feuerwache schien denkbar.

An dieser Haltung hat sich nun einiges geändert. Die Stadt betont den hohen Sanierungsaufwand. „Damit sind die entstehenden Kosten im Einzelfall sogar höher gegenüber den Kosten eines Neubaus“, sagt Rathaussprecher Matthias Weigel. „Somit wäre eine Sanierung des vorhandenen Standortes auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht sinnvoll.“

Vier Standorte geprüft

© Grafik: SZ

Wie jetzt bekannt wurde, hat die Stadt bereits im vergangenen Jahr vier potenzielle Standorte für einen Neubau geprüft: ein Stück Bahngelände an der Ecke Carl-Thieme-Straße/Oberpesterwitzer Straße, die Brache am Goetheplatz, das Gewerbeareal hinter der Aral-Tankstelle und das Gelände des Ziegelwerks Eder, das theoretisch nach dem Ende des Lehm-Abbaus genutzt werden könnte. „Es war nicht Bestandteil dieser Analyse, zu untersuchen, ob ein bestimmtes Grundstück tatsächlich für die Bebauung mit einer Feuerwache geeignet ist beziehungsweise zur Verfügung steht“, betont Rathaussprecher Weigel. Die Standorte seien lediglich daraufhin untersucht worden, ob sich von dort aus die Einsatzgebiete gut abdecken lassen.

Das Ergebnis der Untersuchung: Die Brache am Goetheplatz soll nun näher untersucht werden, weil sich das Grundstück schon in städtischem Eigentum befindet. Genau dies kritisiert Stadtrat Frenzel.


„Man sollte nicht den einfachen Weg gehen“, sagt er. Er plädiert für den Standort an der Aral-Tankstelle, weil dieser näher zum jetzigen wäre. Der Hintergrund: Die Wache ist nicht nur Sitz der hauptamtlichen Feuerwehr, sondern hier ist auch die Döhlener Wache der Freiwilligen Feuerwehr ansässig. Damit die ehrenamtlichen Feuerwehrleute schnell zu Einsätzen ausrücken können, wohnen sie allesamt in der direkten Nachbarschaft, sagt Frenzel. Sollte die Wache an den Goetheplatz umziehen, würde der Weg unverhältnismäßig weiter und die Hilfsfristen könnten nicht mehr eingehalten werden.

Außerdem, argumentiert Frenzel, sei auf dem Gewerbehof-Grundstück an der Aral-Tankstelle mit rund 12 000 Quadratmetern mehr Platz für einen Neubau. Auf dem Goetheplatz stünden nur 8 800 Quadratmeter zur Verfügung.

Egal, wo die neue Feuerwache gebaut wird, muss aus Sicht der Stadt aber erst noch etwas anderes geklärt werden. Bevor konkrete Planungen beginnen würden, müsse die Finanzierung des Vorhabens gesichert sein, so Rathaussprecher Weigel. Die Stadt hofft auf Fördermittel.

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