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Wohin steuert Löbaus Einzelhandel?

Viele Discounter, hoher Leerstand, Konkurrenz durch das Internet: Die Stadt arbeitet derzeit an einem neuen Einzelhandelskonzept. Das sind die Knackpunkte:

Viele Menschen in der Innenstadt und einen regen Handel - das ist das Ziel des neuen Konzeptes.
Viele Menschen in der Innenstadt und einen regen Handel - das ist das Ziel des neuen Konzeptes. © Archivfoto: Matthias Weber

Ein Einzelhandelskonzept hat Löbau bereits: 2009 wurde ein Papier verabschiedet, dass den Rahmen für die gewünschte und sinnvolle Entwicklung des Innenstadthandels abgesteckt hat. Allerdings reichte der Betrachtungshorizont nur bis 2015. Die Verwaltung hat nun das Beratungsunternehmen Dr. Lademann & Partner gebeten, ihr bisheriges Konzept fortzuschreiben. Im Stadtrat verabschiedet - oder diskutiert - ist die neue Version noch nicht, das wird wohl erst nach der Wahl des neuen Stadtrates geschehen. Hier die Bilanz der Experten-Analyse und Handlungsvorschläge:

Wer kann wo in Löbau einkaufen?

Untersucht haben die Experten zum einen die zentrale Innenstadt sowie das Einkaufszentrum Breitscheidstraße und den Standort an der Rumburger Straße mit Kaufland als zentralem Punkt. Ende 2018 gab es in Löbau 146 Ladengeschäfte mit einer Verkaufsfläche von etwas mehr als 30.000 Quadratmetern. 58 Prozent der Geschäfte befanden sich dabei in der Innenstadt, allerdings lag ihr Flächenanteil bei nur 27 Prozent, weil die Innenstadt eher kleinteilig strukturiert ist und die Ladengröße zum Teil nicht mehr dem Standard entspricht. Löbau hat als Versorgungszentrum für das Umfeld - vor allem für Kottmar, Lawalde, Großschweidnitz und Rosenbach - große Bedeutung. Hier gibt es nach Angaben der Experten aber auch noch Potenzial. Insgesamt könne der Löbauer Einzelhandel 66 Prozent der eigenen Nachfrage im Ort halten, hinzu kommen Kunden aus dem Umland, Pendler und gelegentlich Touristen.

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Was gibt's und wo fehlt's?

Wenig überraschend kommt die neue Studie zu dem Ergebnis, dass es in Löbau an Nahversorgern mit Waren für den täglichen Bedarf nicht mangelt. Allerdings sehen die Berater eine Schieflage: In der Stadt besteht "aktuell ein deutliches Übergewicht discountorientierter Anbieter und damit ein qualitatives Versorgungsdefizit". Ein sogenannter Vollsortimenter "mit hoher Frischekompetenz" würde der Stadt - speziell der Innenstadt - gut tun. Deshalb bestärken die Berater die Stadt bei den Plänen, Edeka als Vollsortimenter im Areal zwischen Promenadenring, Pestalozzi-, August-Bebel-, Äußere Bautzener und Hartmannstraße zu etablieren. Derzeit ist Löbau beim Angebot mit Schuhen und Bekleidung gut ausgestattet, auch für alle Bau- und Gartenfans findet sich in der Stadt - vor allem beim Obi - ein ausreichendes Angebot. Deutliche Schwächen sehen die Handelsexperten bei den Segmenten Sport- und Spielbedarf sowie bei Möbeln, Haus- und Heimtextilien sowie beim Elektrobedarf. Vor allem bei den letzten drei Branchen ziehen Görlitz und Bautzen die Kunden ab. Allerdings sind diese Fachmärkte oft auf große Verkaufsflächen angewiesen und die gibt es in der Innenstadt kaum.

Wie sehen die Perspektiven aus?

Was die äußeren Rahmenbedingungen betrifft - nicht besonders rosig. Löbaus Handel kämpft mit Problemen, die sich bis 2025 nicht wesentlich ändern werden: eine schrumpfende, alternde Bevölkerung, ein unterdurchschnittliches Kaufkraft-Niveau, ein schwieriger Generationswechsel bei den Händlern vor Ort sowie Konkurrenz durch den Online-Handel. Beeinflussen lässt sich dies kaum, lediglich mit Blick auf die neuen digitalen Möglichkeiten ermuntern die Handels-Experten die Händler, sich selbst auch im Internet ein zusätzliches Standbein aufzubauen. Pro Jahr, so ergaben die Zahlen, sinkt die Zahl der Läden in der Innenstadt um vier Prozent. Punktuell gibt es erhebliche Probleme mit Leerstand. Zwar sei dieses Handicap in der Innenstadt auf den Hauptachsen noch moderat. Aber an den Rändern - beispielsweise in der Inneren Zittauer Straße - sowie beim Einkaufszentrum Breitscheidstraße ist der Leerstand ein veritables Problem. Auch die Mischung von Händlern und Dienstleistern ist in Löbau nicht optimal: Dienstleistungsangebote von Frisör bis zur Versicherungsagentur gibt es im Zentrum in vergleichsweise häufig. Das deute darauf hin, dass es bereits jetzt zunehmend schwieriger ist, echten Handel zu etablieren.

Wo soll sich der Handel weiterentwickeln?

Kern des Konzeptes ist es, die Innenstadt zu stärken. Deshalb darf das Angebot auf der grünen Wiese nicht ausgebaut werden: Denn die Rumburger Straße zieht mit Kaufland und AWG-Modecenter zwar viele Kunden an, ist aber zugleich die größte Konkurrenz für die Innenstadt. Eine Erweiterung oder neue Angebote, die den Konkurrenzdruck noch mehr verschärfen, sollten vermieden werden. Bereits geplante Projekte - wie die Erweiterung von Norma in der Breitscheidstraße - sehen die Berater als sinnvoll an. So bleibe Norma konkurrenzfähig und gleichzeitig verringere sich an der Breitscheidstraße der erhebliche Leerstand. Auch die Edeka-Ansiedlung nahe des Promenadenringes wird als qualitativ dringend nötige Aufwertung begrüßt. Ohnehin gilt dieses Areal als Potenzialfläche: Wenn sich hier Handel entwickeln könnte, hätte das positive Sogwirkungen für die Innenstadt, vor allem auch für den Neumarkt, betonen Dr. Lademann & Partner. Das 2016 nach der Erweiterung neu eröffnete Einkaufszentrum in der Sachsenstraße wird übrigens - wie auch der Bahnhof - zum Innenstadtkern gerechnet und nicht als Konkurrenz gesehen.

Was können Händler und Immobilienbesitzer tun?

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Die Experten empfehlen bei Leerstand eine Investition in mehr Attraktivität: Ladenflächen und Zustand entsprechen oft nicht modernen Anforderungen. Deshalb sollten Immobilienbesitzer über Zusammenlegung von Verkaufsflächen und Sanierung nachdenken. Leere Schaufenster zu gestalten sei eine gute Möglichkeit, um das Erscheinungsbild positiv zu lenken. Dass der Leerstand in absehbarer Zeit aus Löbaus Mitte verschwinden wird, sei nicht zu erwarten, räumen die Experten ein. Sie raten zudem, mehr Veranstaltungen in die Innenstadt zu bringen und ein Citymanagement zu etablieren, um die Innenstadt besser zu vermarkten. Sinnvoll sei zudem, ein Flächen- und Leerstandsmanagement einzuführen, um insgesamt rascher reagieren zu können und gezielt an große Handelsketten herantreten zu können.

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