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Wohl bekomm’s!

Gaststätten spiegeln Zeitgeschichte. Denn Kneipen und Lokale sahen im 19. Jahrhundert anders aus als heute oder zur DDR-Zeit.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Zeige mir Deine Lieblingsgaststätte, und ich sage Dir, wer Du bist. Denn wo man sich wohlfühlt, das sagt auch etwas über den eigenen Charakter aus. Freilich auch über den Geldbeutel. Denn jeder wird die Speisekarte bevorzugen, deren Gerichte er auch bezahlen kann. Das war und ist in Großenhain ebenso.

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Schauen wir uns Postkarten und Fotos an – alle auf dieser Seite stammen aus dem Bildervortrag vom Buß- und Bettag im Kulturschloss – können wir recht sicher schließen, wann sie entstanden sind. Im 19. Jahrhundert dominiert das Großbürgerliche, die mit vielen Bildern und Schaustücken ausgestattete Lokalität. Hier verkehrten die Fabrikanten, die Honoratioren der Stadt. Einfacher waren dagegen die Arbeiter-Bierstuben oder die Husarenkneipen ausgestattet. Auch hier traf man sich am liebsten mit seinesgleichen. Fernseher und Computer waren noch nicht erfunden, die Wirtshäuser nicht selten recht voll.

Igelit-Tischdecken, Sprelacart-Möbel

Im 20. Jahrhundert, in den Jahren der DDR, herrschte der sozialistische Charme vor. Die Wirte versuchten mit bescheidenen Mitteln, ihre Lokale so gemütlich wie möglich zu gestalten. Sprelacart-Möbel, Igelit-Tischdecken, selbstgedrechselte Kerzenständer fallen auf. Doch der Gemütlichkeit tat das damals wohl keinen Abbruch. Die Menschen waren es so gewöhnt. Und die Gasthäuser versprühten Kleinstadtflair. Manchmal aber auch eine gehörige Portion Tristesse.

Eckkneipen sind verschwunden

Heute sind viele Gasthäuser und Eckkneipen aus dem Stadtbild verschwunden. Manchmal fällt es sogar schwer, alte Bilder ihrem früheren Standort zuzuordnen. Wissen Sie noch, wo der Kaisergarten war, die Restauration Hönicke oder der Altenburger Hof? Auch Stadt Meißen oder den Albertgarten erkennt man nur, wenn man einen Bezugspunkt findet. Nur wenige Gaststätten sind noch heute im traditionellen Familienbesitz. Eine Ausnahme sind Meyers Gaststätten am Katharinenplatz. 1899 von Friedrich Eduard Meyer aus Mülbitz übernommen, ist das Restaurant heute mit Andrea Dreßler in fünfter Generation.

Welchen Zeitgeschmack bedienen Gaststätten heute? Einen Modernen freilich, aber nicht selten mit Rückgriff auf Gutbürgerlichkeit. Nehmen wir das Hotel Kupferberg, wo ein gemütliches Flair vorherrscht. Die Mückenschenke im Stadtpark zeigt sich edel, aber nicht abgehoben. Sehr gediegen ist der Schlosskeller. Stylish wurde das Café Böltzig auf dem Frauenmarkt wiedereröffnet. Auch der neu vorgerichtete Bergkeller Zschieschen präsentiert sich ausgesucht modern.

196 Gaststätten, Hotels, Kneipen, Cafés oder Imbisse gab es in der Stadt in den letzten 140 Jahren. Dass es so viele waren, daran hat auch das Militär seinen Anteil. Heute listet die Gewerbestatistik noch etwa 30 auf.

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