merken
PLUS Niesky

Immobilien-Monopoly in Rothenburg

In der Neißestadt stehen drei große Wohnblocks zum Verkauf, in Jänkendorf einer. Doch auf dem flachen Lande ist die Nachfrage nicht sehr groß.

Die Wohnblöcke mit den Aufgängen 1 bis 12 in der Rothenburger Südstraße stehen zum Verkauf. Die Eigentümer wollen sich zurückziehen aus der Neißestadt.
Die Wohnblöcke mit den Aufgängen 1 bis 12 in der Rothenburger Südstraße stehen zum Verkauf. Die Eigentümer wollen sich zurückziehen aus der Neißestadt. © André Schulze

"Kapitalanleger! Komplett sanierte Wohnungen mt Südbalkon als Paket" lautet die Offerte in der Immobilienabteilung von Ebay-Kleinanzeigen im Internet. An die Frau oder den Mann bringen soll das ein Leipziger Immobilienbüro, das gleich noch jede Menge Informationen nachschiebt.

Die entscheidende ist wohl der Kaufpreis: Genau 1.831.969 Euro sollen potenzielle Interessenten auf den Tisch legen. Was sie dafür bekommen? Plattenbauten aus dem Jahre 1981 mit 33 Wohnungen, 79 Zimmern und einer Gesamtwohnfläche von 1.963 Quadratmetern. Der Kaufpreis je Quadratmeter wird mit 930 Euro angeführt. "Die einzelnen drei Wohnhäuser zu jeweils vier Aufgängen sind mit Wohneinheiten zwischen 27,7 und 80 Quadratmeter und zwischen zehn und 14 Wohnungen je Aufgang gestaltet", heißt es in der Beschreibung des Objektes. Doch dies kann nicht stimmen. Summiert man die Zahl der Wohnungen der Aufgänge und multipliziert das mit den drei vorhandenen Blocks, ergibt dies eine ganz andere Zahl.

PPS Medical Fitness GmbH
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

Nur einer von drei Blocks ist bisher saniert

Mit Informationen nimmt es der Anbieter offenbar generell nicht so genau. So gibt es bei Ebay-Kleinanzeigen gleich sieben Offerten, die sich auf die DDR-Blocks in der Rothenburger Südstraße beziehen. Überall wird der gleiche Wohnungsbestand angeboten - allerdings zu unterschiedlichen Preisen. Mal sind es die besagten rund 1,8 Millionen, dann wieder knapp 700.000 oder reichlich 400.000 Euro. Verschieden ist jeweils die Zahl der zu veräußernden Zimmer und die Gesamtwohnfläche, die sich daraus ergibt.

Noch irritierender wird es, liest man in der Objektbeschreibung ein Stück weiter. Denn da wird von einer Komplettsanierung in den Jahren 2014 bis 2017 berichtet. Gebaut wurde damals tatsächlich, jedoch nicht in allen drei Wohnblocks. Nur einer besitzt das in der Offerte beschriebene Niveau. Die anderen beiden sind weiter grau und führen nach wie vor ein tristes Dasein.

Auf einer Hauswand des sanierten Vorzeigeblocks prangt ein Name: Vivat Rothenburg. Auf der Internetseite der Firma steht dann auch, wie viele Wohnungen es wahrscheinlich tatsächlich in dem Objekt insgesamt gibt: 137, nicht nur 33. Hier findet sich zudem ein Hinweis auf die Eigentümerin der Immobilie: Rothenburg Grundstücks UG aus Kempten. Der Vertrieb der einst als Eigentumswohnungen hergerichteten Einheiten lief ursprünglich offenbar über die Spirit Solution UG aus Dillenburg. In dem Verkaufsexposé wünscht Bürgermeisterin Heike Böhm den Investoren "viel Schaffenskraft und das nötige Quäntchen Glück". Und sie hofft auf eine "zeitnahe Sanierung der Südstraße 1 bis 12." Auf SZ-Nachfrage hat die Rathauschefin von den Investoren nach der Anfangseuphorie jedoch nie wieder etwas gehört.

Firmenkonstrukt um Häuser bleibt weiter unklar

Gern hätte die SZ Licht ins Dunkel der verschiedenen Offerten und Unklarheiten rund um den anvisierten Immobilienverkauf in Rothenburg gebracht. Doch zuständig aus dem Firmenkonstrukt von Vivat Rothenburg GmbH & Co KG, Spirit Financial Group GmbH, Spirit Solution UG, Rothenburg-Grundstücks UG und Willuhn Immobilien GmbH fühlt sich trotz mehrmaligen Anlaufs und zwischenzeitlicher Zusage schließlich niemand. So bleibt weiter unklar, was und in welchen Paketen verkauft werden soll. Auch, wie der Stand bei Eigentums- und vermieteten Wohnungen ist. Und ob mit der Sanierung der beiden "grauen Mäuse" irgendwann noch zu rechnen ist.

Auch aus Jänkendorf tauchte kürzlich ein Plattenbau zum Verkauf im Internet auf, ist aber inzwischen wieder verschwunden.
Auch aus Jänkendorf tauchte kürzlich ein Plattenbau zum Verkauf im Internet auf, ist aber inzwischen wieder verschwunden. © André Schulze

Die Offerte in Rothenburg ist jedoch kein Einzelfall. Auch aus Jänkendorf tauchte kürzlich ein Plattenbau zum Verkauf im Internet auf, ist aber inzwischen wieder verschwunden. Weil es bereits einen Interessenten gibt? Die beiden Nieskyer Großvermieter sind es jedenfalls nicht, sowohl die Wohnungsbaugenossenschaft (Wobag) als auch die Gemeinnützige Wohnbaugesellschaft (GWG) hatten das Objekt aber - teils mehrfach -  angeboten bekommen. GWG-Chef Jörg Kalbas: "Wir haben uns das angeschaut und durchgerechnet. Für unser Unternehmen ist die Übernahme finanziell nicht darstellbar." Vor allem, weil baulich viel gemacht werden müsse an dem Block. Und die Mieten nach einer Sanierung sicher nicht mehr so günstig seien wie im Moment. Mietinteressenten müssten das berücksichtigen.

Strukturwandel ist Chance für Immobilienwirtschaft

Und trotzdem: "Aktuell ist der Markt für Vermietungen sehr gut - jedenfalls was wir hier von Niesky aus beurteilen können. Die Nachfrage reicht von top bis minimal saniert", so Kalbas. Ausschlaggebend dafür seien hauptsächlich Zuzüge aus fast allen Bundesländern. Exemplarisch nennt der GWG-Chef Potsdam und das Ruhrgebiet, aber auch Dresden. "Mit dem jetzt eingeläuteten Strukturwandel dürfte der Bedarf an Wohnraum weiter steigen." Um den eigenen Bestand für die Zukunft zu rüsten, habe man "genügend Aufgaben vor der Brust", könne sich deshalb nicht mit investitionsintensiven Zukäufen belasten.

Ähnlich sieht das auch sein Geschäftsführer-Kollege von der Wobag. Er macht jedoch auf zwei Modelle aufmerksam, wie Kapitalanleger mit Großimmobilien umgehen. "Entweder sie sind seriös und kümmern sich um den Zustand ihrer Häuser. Oder sie lassen die Gebäude ausbluten bis zum bitteren Ende, ziehen Miete raus, solange es irgendwie geht", erklärt André Müller. 

Was nun im Fall der Südstraßen-Blocks infrage kommt, vermag er nicht zu beurteilen. "Rothenburg ist zwar ein schönes Städtchen, aber die Straßen sind zu schmal, die Infrastruktur zu schlecht, als das ein hoher Bedarf zu vermuten wäre." Die nächsten Jahre müssten zeigen, ob die Stadt als Wohnstandort attraktiver werde. "Der Strukturwandel ist dafür die einzige Chance."

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky