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Wohnen am Schuldenhügel

Eigenheimbau. Der große Boom ist längst vorüber. Attraktive Wohnlagen sind aber in Großenhain nach wie vor begehrt.

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Von Luise Zschörnig

Hoch hinauf zum Wäldchen führt die Kupferbergstraße, hinein in Großenhains grüne Lunge am Rande der Stadt. Über dem Aehligschen Steinbruch reihen sich linkerhand Eigenheimsiedlungen, Wiese und Kleingärten. Rechterhand schweift der Blick weit über freies Feld hinüber gen Weßnitz. Hier oben lässt es sich gut wohnen – so in direkter Tuchfühlung mit Mutter Natur. „Es ist mit die schönste Lage in der Stadt, die durch die geplante Aufforstung noch an Wert gewinnt“, sagt Architekt Frankdieter Werner. In Regie seines Planungsbüros liegen Erschließung und Vermarktung des neuen Eigenheimstandortes hinter der Sternwarte an der Kupferbergstraße. „Bis auf ein Grundstück sind alle verkauft“, sagt Werner. Generell sei der Eigenheimbau zwar stark zurückgegangen, aber „attraktive Wohnlagen sind gefragt“.

Diese Erfahrung kann Immobilienmakler Ulrich Kaube bestätigen. „Die jetzt noch bauwillig sind, suchen gezielt und bevorzugen Standorte in schöner Lage und mit gutem infrastrukturellem Angebot wie Verkaufseinrichtungen, Schule, Kindertagesstätte. Auch der Anfahrtsweg zur Arbeit spielt eine Rolle.“ Großzügige Baulücken und der Kupferberg seien für sie interessant, vereinzelt auch Kleinraschütz. Schwer zu vermarkten sei der Standort Nordwest, so Kaube.

Auf Caspari-Land gebaut

Rund 5 000 Quadratmeter groß ist die neu erschlossene Fläche neben dem so genannten Schuldenhügel. Mit kleineren Parzellen zwischen 400 und 500 Quadratmetern wurde anfangs gerechnet. „Doch die Interessenten wollten alle Grundstücke zwischen 700 und 1 000 Quadratmetern und teils mehr haben“, sagt Frankdieter Werner. Sieben neue Eigenheime können nun hier entstehen. Die ersten zwei sind schon fast bezugsfertig.

Erschließungsträger des Areals sind die Brüder Götz und Dietrich Caspari. Die Erbengemeinschaft Caspari hatte die Wiese nach der Wende von der Stadt als Ausgleich für mittlerweile bebautes Feld am Schacht und am Kupferberg erhalten, das der Tuchmacherfamilie gehörte. Bereits 2000/2001 stellten die Casparis einen Bauantrag. Doch nach der inzwischen beschlossenen Abrundungssatzung der Stadt befand sich fast die gesamte Wiese plötzlich im Außenbereich. „Die Alternative konnte nur lauten: Casparis kriegen ein neues Stück Bauland oder das Gelände wird zum Bauland erklärt“, sagt Werner. Letzteres passierte. Doch das Bebauungsplanverfahren zog sich hin. Erst im Vorjahr konnte die Erschließung beginnen. Trotz des Quadratmeterpreises von 75 Euro ist Frankdieter Werner optimistisch, dass er auch das letzte freie Grundstück bald an den Mann bzw. die Frau bringt.

„Es wäre begrüßenswert, wenn im ganzen Stadtgebiet Flächen für solche kleineren Wohnanlagen vorgehalten würden“, meint Ulrich Kaube. Große Standorte wie Nord-West würden das Gebiet überlasten. Dennoch wird es laut Auskunft von Stadtbaudirektor Tilo Hönicke 2006 dort sicher den nächsten Bauabschnitt geben. „Es gibt verschiedene Klientel mit unterschiedlichen Wohnvorstellungen. Das muss die Stadt im Blick haben und dem entsprechend Rahmenbedingungen schaffen.“ Zu den bestehenden Standorten Kleinraschütz, Rostig, Zschauitz und Nord-West werden die Rückbauflächen an der Külzstraße in die Planung für Eigenheime integriert. „Darüber hinaus wollen wir kleinere Flächen nutzbar machen“, sagt Hönicke. So werde beispielsweise jetzt die Wiese im Anschluss an das Caspari-Gelände für Wohnbebauung vorbereitet, insbesondere für junge Familien mit Kindern. Er könnte sich in ferner Zukunft auch ein „Wohnen an der Röder im City-Center“ vorstellen. Es seit eine phantastische Lage, so der Stadtbaudirektor.

Erschließung in privater Hand

„Wir sind als Stadt gut gerüstet mit Baulandbevorratung“, sagt Hönicke. „Wir wollen die Erschließung aber in privater Hand lassen und uns als Stadt noch mehr auf die Innenstadt konzentrieren.“ Ein gesunder Mix sei wichtig. Und dazu gehöre die Lückenbebauung ebenso wie der Rückbau der Platte, weil das wiederum sowohl diese Wohngebiete aufwerte als auch die Innenstadt stärke. „Etwa ein Drittel der Leute aus den Abrisshäusern zieht ins Zentrum“, so Hönicke. Die Stadt hat ein Baulückenkataster, wo jeder Bauwillige Einblick nehmen kann. Erfreulich sei auch die Tendenz, dass junge Familien Grundstücke in der Innenstadt kaufen und sanieren.