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Riesa

Wohnen auf dem Silo

Michael Andris will ins Muskator-Gelände investieren. Doch eine Sache ärgert ihn gewaltig.

Michael Andris hat fast 50 Jahre in Karlsruhe als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater gearbeitet. Jetzt will er in das Muskator-Gelände investieren.
Michael Andris hat fast 50 Jahre in Karlsruhe als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater gearbeitet. Jetzt will er in das Muskator-Gelände investieren. ©  Sebastian Schultz

Riesa. So wohnt vermutlich kein Zweiter in Deutschland, vielleicht nicht einmal auf der Welt, sagt Michael Andris und schmunzelt, nachdem er mit seinen Ausführungen fertig ist. Seit mehr als 20 Jahren investiert der gebürtige Schwabe in Riesa, gemeinsam mit sechs, sieben anderen Investoren. Das Café Beutler gehört beispielsweise dazu, außerdem verschiedene Häuser an der Goethestraße und der Hohen Straße. Insgesamt sind es 14 Gebäude, ein weiteres ist mittlerweile verkauft. Doch ein Projekt wie dieses ist noch nicht darunter gewesen. Michael Andris möchte das Muskator-Gelände in Riesa für 2,2 Millionen Euro kaufen und anschließend aufwerten – und diese Pläne sehen auch Wohnungen auf den 42 Meter hohen Silos vor.

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Für deren künftige Nutzung war in den vergangenen Monaten schon manche Idee ins Spiel gebracht worden – vom Kletterturm bis hin zu Appartements in den Silos selbst. Auch Andris hat eine Reihe von Fotos mitgebracht, die Nachnutzungen solcher Getreidespeicher zeigen. In Kapstadt beispielsweise wurde auf einem alten Silo ein Museum errichtet; in Oslo ist das Innere der röhrenförmigen Silos zu Wohnungen umgebaut. Alles tolle Nutzungsmöglichkeiten, räumt auch der Investor ein. „Aber wir sind hier in Riesa, nicht in Oslo.“ Die Wohnungen im Inneren wären zu klein, das könne man allenfalls an Studenten vermieten. Daher also die Variante mit den aufs Silo aufgesetzten Wohnungen. Technisch umsetzbar ist die schon mal, sagt Michael Andris. Er habe im Vorfeld extra einen Statiker kontaktiert, der an dem Gebäude mitgearbeitet habe. „Ob das dann ein- oder dreigeschossig sein wird, ob dort Balkons drankommen oder wie groß diese Wohnungen letztlich sein werden, das ist noch offen“, betont Michael Andris.

© SZ Grafik

Während das Wohngebäude als Neubau aufs Silodach käme, wäre für den benachbarten alten Maschinenturm eher eine gewerbliche Nutzung denkbar. Auch hier mache es der Zuschnitt schwierig, die zwölf Etagen zu Wohnungen umzubauen – auch wenn das seitens der Stadt favorisiert worden wäre, wie Andris sagt. Stattdessen könne er sich eine Nutzung des Turms für Büros vorstellen. Bis zu 120 Menschen könnten in dem Gebäude bei Vollauslastung arbeiten, schätzt er. Die notwendigen Parkplätze für die gewerblichen Mieter und die Mieter der Silo-Wohnungen will er zum einen im Inneren des Geländes schaffen, zum anderen auf Parkplätzen parallel zur Elbe. – Von den übrigen Gebäuden will der Investor einen großen Teil abreißen lassen. Das Grundstück soll zur Elbe hin aufgelockert werden, sagt er. Die Breite Straße könnte tatsächlich etwas breiter werden, aus Richtung Puschkinplatz ergäbe sich eine etwas breitere Sichtachse Richtung Elbufer. Stehenbleiben würde neben dem Silo und Turmbau lediglich die zwei Gebäude umfassende Hübler-Mühle. Sie ist denkmalgeschützt, eine Neu- oder Umnutzung birgt laut Michael Andris aber einige Schwierigkeiten. „Da habe ich bisher auch noch keine schlüssige Lösung.“

Die beiden miteinander verbundenen Mühlengebäude sind nicht das einzige Problem, das es noch zu lösen gilt. Denn bei einer Beratung Anfang der Woche in Riesa bekam Michael Andris plötzlich unerwarteten Widerspruch zu hören. Grund sind eine Nottreppe und zwei Aufzüge, die von außen an der Westseite des Turms errichtet werden sollen. Vonseiten der Stadt habe es plötzlich geheißen, diese Anbauten seien möglicherweise rechtlich nicht zulässig. „Dafür bedarf es aus unserer Sicht eines Bauantrags, in dessen Rahmen bauordnungsrechtliche Vorschriften von Gesetzes wegen zu prüfen und auch Abstandsflächen zu betrachten sind“, so der Oberbürgermeister. „Wir haben großes Interesse an einer Aufwertung des Areals und einer Öffnung der Innenstadt zur Elbe und werden Herrn Andris deshalb weiterhin tatkräftig unterstützen.“

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Michael Andris sagt, er hege da so seine Zweifel. Er erinnert daran, dass die Stadt in Person des Oberbürgermeisters auf ihn zugekommen sei mit der Anfrage, das Muskator-Gelände zu entwickeln. Seit zwei Jahren laufen mittlerweile die Planungen für das Vorhaben, sagt er. Dass nun Probleme auftauchen, die zuvor nie erwähnt worden waren, ärgert ihn sehr – zumal er anzweifelt, dass die Anbauten eine völlige Neubewertung des Gebäudes rechtfertigen. Aber deshalb vor Gericht ziehen? „Ich werde bald 76“, sagt er und winkt ab. Ehe nach einem Prozess gebaut werden könne, könnten 15 Jahre vergehen, das weiß er aus Erfahrung. Wie groß sein Frust nach der jüngsten Beratung ist, lässt er mit einem einfachen, aber bedrohlichen Satz durchblicken: „Ich kann auch die Flächen kaufen und dann dort erst einmal nichts tun. Dann bekommt aber die Stadt auch nicht ihre 26 000 Quadratmeter am Elbufer.“ Die will die Stadt aber für den geplanten Lückenschluss des Elberadweges kaufen. Andris‘ Haltung ist klar: Er sieht die Stadt Riesa am Zug, eine Entscheidung zu treffen. Lange warten möchte er nicht mehr.

Wie die Stadt zum Vorhaben des Investors steht, lesen Sie demnächst.

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