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Wohnen im Industriegebiet nicht erwünscht

Am Flugplatz darf es künftig keine Betriebswohnung geben. Metallbauer Gerhard Richter will das nicht hinnehmen.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Seit August 2008 produziert die Firma Richter Maschinenbauteile im Gewerbegebiet Flugplatz. Hier entstehen Teile aus Metall, Nichteisenmetallen und Kunststoffen. Der Betrieb arbeitet hochmodern – Bearbeitungszeiten bis zu vier Stunden für komplexe Bauteile sind keine Seltenheit mehr. Das führt dazu, dass sich Chef Gerhard Richter auch in den Abend- und Nachtstunden an der Major-von-Minkwitz-Allee aufhält. Und deshalb am liebsten hier auch eine kleine Nebenwohnung einrichten möchte. „Denn man braucht ja mal Ruhe- und Erholungspausen“, so Gerhard Richter. Doch das Baurecht macht dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. Obwohl er demnächst in ein großes Bearbeitungszentrum investieren will und die Lage des Firmengrundstückes auch ohne großen Aufwand einen privaten Bereich zulassen würde – wie es in einer Stellungnahme heißt – lautet die Antwort: Nein.

„Nach den Festsetzungen des Bebauungsplanes sind Wohnungen für Aufsichts- und Bereitschaftspersonen sowie für Betriebsinhaber ausgeschlossen“, urteilt die Stadtverwaltung. Das würde sonst zu Konflikten mit der industriellen bzw. gewerblichen Umgebung führen. Und Großenhain will ja gerade den Flugplatz als Industriegebiet weiterentwickeln. Da hilft es auch nicht, dass die Firma Richter der Meinung ist, dass es zu keinen negativen Einflüssen auf die privat genutzten Areale kommen würde. Die Sache heimlich zu machen, könnte wiederum Ärger mit dem Finanzamt und anderen Behörden einbringen.

Ärger wegen Müll und Lärm

Dass negative Einflüsse doch der Fall sein können – und zwar recht unliebsam – ist im Gewerbegebiet Thiendorf zu beobachten. Dort wohnt Familie Büttner gleich auf ihrem Grundstück der Firma Kunststoffverarbeitung. Seit Jahren geht nun der Streit um die Lkw-Parkbuchten vor dem Haus, um Müll, Lärmbelästigung und Ähnliches. Die Gemeinde musste 14 000 Euro lockermachen, um die Brummis wieder von der Straße Am Fiebig zu verbannen. Einst waren vier Lkw-Stellplätze just eingerichtet worden, um wildes Parken im Gewerbegebiet zu verhindern.

Gerhard Richter hat 2007 versäumt, was die Büttners in Thiendorf geschafft hatten: Sie ließen sich die Betriebswohnung bei der Ansiedlung vom Gemeinderat absegnen. Als der Metallbauer sein schon bebautes Grundstück übernahm und eine Umnutzung beantragte, hat er noch nicht an das Wohnrecht gedacht. Damals war das künftige Industriegebiet aber auch noch lange nicht in Sicht. Nun will Richter entweder mit rechtlichen Schritten gegen das Baurecht ankämpfen. Oder sich anders mit der Stadt einigen. Jedenfalls hat er bereits die Baugenehmigung für ein neues Sozial- und Bürogebäude. Für 60 000 Euro erweitert er damit gerade seinen Firmensitz. Noch dieses Jahr soll auch für 150 000 Euro in das neue Bearbeitungszentrum investiert werden. Die Wirtschaftsförderer hat Unternehmer Gerhard Richter damit auf seiner Seite. Nur das Bauamt sieht seinen „Anspruch auf gesunde Wohnverhältnisse“ gefährdet. Das müsste eigentlich auch beim Fliegenden Museum der Fall sein. Auch dort gibt es eine „Hausmeisterwohnung“. Familie Koch mit ihren historischen Flugzeugen hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: in ihrer Baugenehmigung für die historische Flugzeughalle am Fliegerhorst von 2000 waren diese Hausmeisterwohnung sowie Pilotenruheräume mit genehmigt. „Insofern besteht für diese Nutzung Bestandsschutz“, so die Verwaltung.

Bei Vandalismus schnell handeln

Allerdings muss Josef Koch eingestehen, dass sein Gebäude „in letzter Zeit Opfer von Vandalismus wurde“. Die Unterkunft diene auch dazu, weiteren Schaden abzuwenden und gegebenenfalls bei weiteren Vorkommnissen dieser Art sofort handeln zu können.