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Wohnen in der Oberpostdirektion

Das über hundert Jahre alte Gebäude am Postplatz erhält eine neue Perspektive. Im Frühjahr beginnt der Bau.

© Norbert Neumann

Von Bettina Klemm

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Seit gestern steht das Firmenlogo an dem lange verwaisten Altbau an der Ecke von Annen- und Marienstraße. Dort war einst die Oberpostdirektion, später die Telekom zu Hause. Jetzt soll der Industriebau zum „Palais am Postplatz“ werden. Bauherr ist die CG-Gruppe mit Hauptsitz in Berlin. „Wir wollen eine Apartmentanlage mit 241 Wohnungen und 151 Tiefgaragenplätzen schaffen. Der Bauantrag ist eingereicht“, sagt Firmengründer Christoph Gröner. Dazu sind ein Café und Büroräume geplant, insgesamt mit einer Fläche von 1 900 Quadratmetern. Im Frühjahr, vier Wochen nach Baugenehmigung soll es losgehen, 18 Monate später sei alles fertig.

Wie in dem Modell zu sehen ist, erhält der Altbau dann Ergänzungen.
Wie in dem Modell zu sehen ist, erhält der Altbau dann Ergänzungen. © Visualisierung: CG-Gruppe

Der 46-Jährige war gestern zur Eröffnung der Dresdner Niederlassung gekommen. Die neuen Büros im Zwinger-Forum am Postplatz leitet der Dresdner Bert Wilde. Gröner setzt auf Erfahrungen und Bauchgefühl. So habe er bei der Besichtigung der Immobilie im Sommer vergangenen Jahres keine zehn Minuten für die Entscheidung gebraucht. Das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude war im Zweiten Weltkrieg zerstört und nur teilweise notdürftig wiederaufgebaut worden. Jahrzehntelang fand sich kein Käufer für die leer stehende Immobilie. Doch dann habe es plötzlich sogar ein Bieterverfahren gegeben, und der Preis sei innerhalb von acht Tagen um zwei Millionen Euro gestiegen, verrät er.

Der Postplatz sei eine Top-Lage, die sicherlich innerhalb kurzer Zeit bebaut sein wird. Die CG-Gruppe rechnet mit 60 Millionen Euro für ihr Projekt. Für die Gestaltung zeichnet das Architekturbüro von Ingo Pott mit Sitz in London und Berlin verantwortlich. Vorgesehen ist der Erhalt des Altbaus, der allerdings nicht unter Denkmalschutz steht. Zur linken und rechten Seite wird er durch Neubauten ergänzt.

Die CG-Gruppe arbeitet mit namhaften Bauunternehmen wie Züblin, Hochtief oder Kondor Wessels zusammen. „Wir haben aber auch am Standort Leipzig etwa hundert eigene gewerbliche Mitarbeiter, insbesondere für den Ausbau“, sagt Gröner.

Der große sportliche Mann und vierfache Vater war vor 20 Jahren aus Karlsruhe nach Leipzig gekommen. Dort hat er Karriere gemacht und sein Unternehmen immer weiter ausgebaut. Dafür hat er sein Maschinenbau-Studium kurz vor dem Diplom abgebrochen. Inzwischen hält Gröner selbst Vorlesungen. Er schwärmt von der sächsischen Mentalität, die Leute könnten zupacken, seien sehr verlässlich. In Leipzig gehöre die CG-Gruppe zu den größten in der Branche. Auch in Dresden engagiert er sich weiter. In Kürze wird die CG-Gruppe auf dem Grundstück Cottaer Straße 17 bis 21 eine Anlage mit 92 Wohnungen bauen. Über weitere Projekte mag er vorerst noch nicht sprechen.

Seit 2010 ist der Hauptsitz in Berlin. Dort seien Projekte von etwa 400 Millionen Euro derzeit im Bau beziehungsweise in der Planung. Berlin, Leipzig, Dresden, Frankfurt, Köln hat er als Standorte auf der Visitenkarte. Aber auch in Aachen, Dortmund und Düsseldorf sei die Gruppe aktiv. „In den kommenden drei bis vier Jahren planen wir Investitionen von etwa 1,5 Milliarden Euro“, sagt der CG-Chef. Auch wenn seine Initiale den Namen bilden, gebe es längst ein Team von vier Geschäftsführern.

Bei den Wohnungen im „Palais am Postplatz“ handle es sich sowohl um stark nachgefragte Apartments zwischen 30 und 70 Quadratmetern sowie um Wohnungen für Familien mit drei bis fünf Zimmern im Altbau und im Neubau. Es werden alles Mietwohnungen. Das gesamte Projekt werde aber an einen Anleger aus Deutschland verkauft.

Die Kaltmieten werden wahrscheinlich je nach Lage im Haus zwischen zehn und 14 Euro pro Quadratmeter betragen. Die Wohnungen seien hochwertig ausgestattet und funktional, mit weißgespachtelten Wänden und Parkettfußboden. Die Bezeichnung Luxus, so Gröner, treffe aber nicht zu. Bei den Büros rechnet er mit Mieten von zehn Euro und fürs Café von 15 Euro je Quadratmeter.