SZ +
Merken

Wohnen oder Spielen?

An der Reichenbachstraße sollte ein neuer Spielplatz entstehen. Dort passt auch ein Wohnhaus hin. Nun gibt es neue Pläne.

Teilen
Folgen
© Sven Ellger

Von Annechristin Bonß

Der Platz in Dresden wird knapp: zum Wohnen, zum Spielen, für neue Kitas. Dass diese drei Interessen auf nur wenigen Quadratmetern aufeinanderprallen können, haben jetzt die Ortsbeiräte von Plauen erfahren. Sie sollten über das Grundstück an der Ecke Reichenbach-/Uhlandstraße entscheiden. Dort hatte die Stadt bereits mit einem Interessenten verhandelt. Der wollte ein Wohnhaus samt Tiefgarage bauen. Dann forderte der Stadtrat, einen zehn Meter breiten Streifen parallel zur Reichenbachstraße abzutrennen und einen öffentlichen Spielplatz zu errichten. Das Wohnhaus hätte dann den Lärm von der Hauptverkehrsstraße abgehalten.

Nun haben Experten aus dem Grünflächenamt festgestellt, dass diese Variante aus Platzgründen nicht möglich ist. Und die Frage nach der Zukunft der Fläche steht erneut im Raum. Der Stadtrat soll entscheiden. Ist hier Platz für nur das Wohnhaus? Soll die Fläche komplett zum Spielplatz werden? Oder soll sie zur benachbarten Kita gehören. Dort kritisieren Eltern und Erzieher den sehr kleinen Außenbereich.

Wie brisant das Thema zu sein scheint, zeigt das Engagement von Eva Jähnigen (Grüne), Dresdens Bürgermeisterin für Umwelt und Kommunalwirtschaft. Sie informierte sich jetzt vor Ort zum Thema, sprach mit Eltern und Erziehern und besichtigte die Fläche. Bei der Entscheidung darüber will sie nicht vorschnell agieren. Swetlana Kreimann, Leiterin der Kita „Kleiner Globus“, nutzte die Chance. Erst seit wenigen Monaten hat die neu gebaute Einrichtung geöffnet. 150 Kinder aus über 20 Nationen werden hier betreut. Viele sind jünger als fünf Jahre.

Trotzdem merken die Erzieher schon jetzt, dass das Außengelände samt Spielanlagen zu klein ist. Das bietet zwar genau so viel Platz pro Kind, wie es geltende Normen vorgeben. „Es bleibt aber kaum Platz, damit die Kinder toben, Fußball spielen oder rennen können“, sagt Swetlana Kreimann. Zudem würden sich die Kinder mehr als in anderen Kitas in kleineren Gruppen zurückziehen. Auch dafür fehlt der Platz. Über 100 Eltern haben sich in einer Unterschriftenliste für ein größeres Außengelände ausgesprochen.

Die Argumente haben auch die Ortsbeiräte beeindruckt. Sie schicken einen Prüfantrag an die Stadtverwaltung. Demnach soll das Grundstück so geteilt werden, dass parallel zur Uhlandstraße das Wohnhaus stehen kann und die Fläche dahinter zur Kita gehört. Eva Jähnigen (Grüne) versprach, schnell entsprechende Vorschläge prüfen zu lassen. In den kommenden Wochen beraten die einzelnen Ausschüsse darüber. Schnell soll es eine Lösung geben.

Für die Stadtkasse wäre der Plauener Vorschlag sicherlich hinnehmbar. Dort wird mit den Einnahmen des Investors gerechnet. Das Geld ist für den Kita-Eigenbetrieb gedacht. Bei einer Teilung der Fläche würde zwar weniger zusammenkommen. Dafür müsste die Stadt aber kein Geld einplanen, um einen öffentlichen Spielplatz zu bauen und zu pflegen. Davon gibt es zwar auch in Plauen weniger als Bedarf da ist. In anderen Stadtteilen ist der Bedarf aber noch viel größer.

Bis tatsächlich der Bau von Wohnhaus und Kita-Spielfläche beginnen kann, wird es noch dauern. Um die Bäume zu fällen und Wildwuchs zu entfernen, müssen Stadt und Investor bis nächsten November warten. Erst dann erlaubt eine entsprechende Satzung solche Arbeiten. Vorher kann keine Baugrube ausgehoben werden.