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Wohnen, wo andere reisen

Er war mal Zuhause und wird es wieder: der Bahnhof Nord. Eine Bewohnerin erinnert sich, der Investor stellte seine Pläne vor.

Barbara Eckart wohnte als Kind mit ihren Eltern im Bahnhof. Das Fenster über dem heute verriegelten Eingang der Gaststätte war ihr Kinderzimmer.
Barbara Eckart wohnte als Kind mit ihren Eltern im Bahnhof. Das Fenster über dem heute verriegelten Eingang der Gaststätte war ihr Kinderzimmer. © Daniel Schäfer

Wohnen im Heidenauer Nord-Bahnhof: Barbara Eckart hat es vor über 57 Jahren, 14 Familien können es ab April 2021. Dazwischen liegen dann nicht nur fast 60 Jahre, sondern ganz viel Geschichte, auch noch unerforschte.

Das erste Kapitel beginnt am 1. August 1848. Damals wurde die Bahnstrecke Dresden – Pirna eröffnet. An diesem Tag hielt der erste Zug im damals noch eigenständigen Mügeln. Damit begann die Industrialisierung Heidenaus, wodurch auch die Einwohnerzahl stieg. Das Empfangsgebäude wurde 1890 in Betrieb genommen. Dort gab es neben den Wohnungen und Räumen für die Bahn auch die Post. Viel mehr ist in der Stadt nicht bekannt.

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Das jüngste Kapitel ist ein trauriges. Der Bahnhof ist eine Ruine und steht seit Anfang der 1990er-Jahre leer. Die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Zerschlagene Fenster, bemalte Wände, durchbrochene Decken. Zwischendrin letzte DDR-Überbleibsel. Waschbecken und Badewannen, 70er-Jahre-Tapete und Linoleum. Trotzdem steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Deshalb wird unter anderem die Säule im ehemaligen Wartesaal erhalten.

Barbara Eckart kennt den Bahnhof noch als aufregenden Spielplatz ihrer Kindheit. Sie wurde 1954 geboren, da wohnten ihre Eltern schon im Bahnhof. Der Vater war Eisenbahner. Das Fenster des Kinderzimmers befand sich genau über dem Ausgang der Kneipe zur Rädelstraße. Manchmal bekamen die Beschwipsten eine kalte Dusche. Barbara und ihre Geschwister und manchmal auch Freunde machten sich einen Spaß daraus, Wasser aus dem Fenster zu kippen. Im Februar 1962 zogen die Eckarts aus.

So soll der Bahnhof 2021 nach der Sanierung und dem Umbau von der Seite der Gleise aussehen.
So soll der Bahnhof 2021 nach der Sanierung und dem Umbau von der Seite der Gleise aussehen. © Visualisierung: Ventar

Das nächste Objekt schon im Blick

Vor drei Jahren kaufte Uwe Herrmann mit seiner Ventar-Firma den Bahnhof. Er passt in sein Portfolio: denkmalgeschützt und eine interessante Wohnadresse. Dafür wird sich das markante Backsteingebäude außen kaum verändern. Sandstrahlen, neu verfugen und er sieht neu und doch wie früher aus. Drinnen bleibt, was der Denkmalschutz fordert und wird kombiniert mit modernem Wohnen.

Dazu gehört der höchstmögliche Schallschutz, sagt Herrmann. „Da sitzt man drin, sieht den Zug draußen und hört ihn nicht.“ Auf der Terrasse bzw. dem Balkon schon. Doch das weiß, wer künftig hier wohnt. Das sind nicht diejenigen, denen die Wohnungen gehören, sondern deren Mieter. Denn Ventar bleibt seinem Prinzip neu: Denkmalgeschützte Gebäude kaufen, die Wohnungen verkaufen und dann sanieren. Ein Prinzip, das die Firma erfolgreich umsetzt. Allein in Heidenau unter anderem am Süd-Bahnhof, auf der Lugturmstraße und an der Ecke Mühlen-/August-Bebel-Straße. Nächstes Objekt soll der Neubau von zwei Häusern mit 21 Wohnungen neben der Großsedlitzer Lützow-Villa, die Herrmann vor zwei Jahren gekauft hat, sein. Hier gibt es erstmals Probleme. Der Stadtrat hat sein Einverständnis nicht gegeben. Der Mehrheit sind die Häuser zu groß. Gescheitert ist das Vorhaben damit noch nicht, das letzte Wort hat das Landratsamt, das über den Bauantrag entscheidet. Für Herrmann aber steht fest: Wenn das nicht klappt, bin ich weg aus Heidenau. Der Nord-Bahnhof wäre dann das letzte Kapitel in Heidenau. Schade für die Stadt und Herrmann. Er hat nämlich schon die Industriebrachen an der Bahnstrecke im Blick. „Es gibt noch was zu tun in Heidenau“, sagt er.

Und so sieht es nach Jahren des Leerstands derzeit drinnen noch im Inneren aus.
Und so sieht es nach Jahren des Leerstands derzeit drinnen noch im Inneren aus. © Daniel Schäfer

Am Nord-Bahnhof soll es bereits im August losgehen. 14 Wohnungen zwischen 50 und 100 Quadratmeter sollen bis Dezember nächsten Jahres entstehen, ab April 2021 sollen die Mieter einziehen können. Ihre neue Adresse: Siegfried-Rädel-Straße 1. Der Imbiss bleibt erhalten, bekommt aber eine Toilette und Lagerräume im Haupthaus. Der Betreiber ist froh. „Das wird auch Zeit“, sagt er.

Barbara Eckart konnte zufällig noch einmal einen Blick in den Bahnhof werfen. In ihre damalige Wohnung jedoch nicht. Einsturzgefahr. Sie wird nun das Baugeschehen verfolgen. „Wieder verschwindet ein Schandfleck, gut so“, sagt sie.

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