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Wohngebiet hat neuen Besitzer

Arnsdorf. Die fast 44000 Quadratmeter große Fläche am Heideparkring wechselte für 202000 Euro den Eigentümer.

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Von Denni Klein

Und zum Dritten: Verkauft! Die große Sommerversteigerung der Sächsischen Grundstücksauktion AG in Dresden lässt die Gemeinde wieder hoffen: „Jetzt besteht wieder die Chance, dass es dort voran geht“, sagte Bürgermeisterin Martina Angermann. Sie war sichtlich glücklich als der Hammer um 14.58 Uhr im Auktionssaal im Deutschen Hygienemuseum fiel. „Jetzt bin ich gespannt, was kommt.“

Spannend war das Bietverfahren bis zuletzt. Im Vorfeld waren fast 40 Angebote zum Einstiegsgebot von 98 000 Euro beim Auktionshaus eingegangen. Als Objekt 33 kam die seit Jahren brach liegende Fläche am Nachmittag an die Reihe. Zunächst wurde noch mal verlesen, worum es geht: „44853 Quadratmeter Bauland, erschlossen, mit gültigem Bebauungsplan, geteilt in 123 Flurstücke, davon 68 für den Wohnungsbau.“ Auch die Mängel wurden nicht verschwiegen, denn die Interessenten sollten schließlich nicht die Katze im Sack kaufen: „Bauschutt und Erdaushub, Vermessung nicht abgeschlossen, Straßenbau nicht vollständig beendet, verwildert“, hieß es in der Präsentation des einst als Wohngebiet am Freizeitpark geplanten Areals.

Dann ging das Bieten los. Zwei Interessenten gaben ihre Angebote am Telefon ab, ein ausländischer Bieter saß im Saal. Schnell war die 100000- Euro-Marke überschritten. Bei 120 000 stieg der Bieter vor Ort aus. Immer wieder setzte Auktionsleiter Michael Plettner den Hammer an: „Zum Ersten.“ Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch zwei anonyme Bieter per Telefon zugeschaltet und im Rennen. Minutenlang ging es in 1000-Euro-Schritten nach oben. Ein weiterer Arm schnellte im Saal nach oben. „125000 Euro für den Herren rechts im Saal“, sagte Plettner. Ein Telefonbieter stieg aus. Dafür schraubte im linken Teil des Saales plötzlich ein neuer Interessent seine Hand mit dem Heft der Grundstücksauktion in die Höhe. Im Sekundentakt hielt er hartnäckig im Bieterwettstreit gegen den Telefonkandidaten mit. Mittlerweile waren die 160000 Euro geknackt. Das Ende schien nah, bei 174000 Euro stieg der Telefonbieter aus. Wieder fällt der Hammer zum Ersten, zum Zweiten. „175000 Euro“ ließ plötzlich ein neuer Wettstreiter, der per Telefon dabei ist, ausrufen. Weiter ging es. Inzwischen waren mehr als zehn Minuten vergangen. „Ah. Ein neuer Mitspieler, herzlich willkommen“, sagte der Auktionator sichtlich überrascht. Das Wettbieten entfachte von neuem. Ein ums andere Mal wurde in Tausender-Schritten erhöht. Der Bieter im Saal blieb dran. Der Herr mit lichter werdendem Haar und grauem Schnauzer ging weiter mit. Schließlich war das Mindestgebot verdoppelt, 196000 Euro - der Stand. Ein erstes Raunen der staunenden Auktionsteilnehmer machte die Runde.

Alle warteten darauf, dass nun auch die 200000-Euro-Marke fällt. Da passierte es. Der Bieter am Telefon erhöhte erneut. Der Mann im Saal hatte inzwischen seine lässige Handbewegung beim Heben seiner Zeitung verloren. Mit jedem Tausender wurde sein Blick angespannter. Aber er legte nach. „201000 Euro, für den Herrn im Saal“, sagte Auktionator Plettner. Im Gesicht des Bieters konnte man sehen, dass der Tausender inzwischen richtig wehtat. Es sollte sein letztes Gebot sein. Doch nicht der Zuschlag für ihn. Die junge blonde Frau, die am linken Tisch im Saal die Gebote des Mitstreiters am Telefon entgegennahm, hob noch einmal die Hand: „202000 Euro. Zum Ersten. Höre ich ein höheres Gebot“, fragte Plettner. „202000 Euro. Zum Zweiten.“ Der Arm des Mannes im Saal blieb unten. „Und zum Dritten.“ Das Arnsdorfer Wohngebiet ging an einen noch anonymen Käufer.