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Ärger mit den Wildcampern

Urlaub in Deutschland liegt wegen Corona im Trend. Viele sind mit Wohnmobilen unterwegs. In der Sächsischen Schweiz sorgt das bereits für Probleme.

Wohnmobile am Schulweg in Rathewalde sorgen für Ärger.
Wohnmobile am Schulweg in Rathewalde sorgen für Ärger. © Steffen Unger

Erst waren es nur zwei oder drei Wohnmobile. Inzwischen sollen es bis zu 20 solcher Fahrzeuge sein, die die öffentlichen Stellflächen am Schulweg im Hohnsteiner Ortsteil Rathewalde zuparken. Der Ärger im Ort ist groß. "Die Zustände sind katastrophal. Wenn dort nicht bald durchgegriffen wird, haben wir künftig hier nur noch Wohnmobile stehen, die auch mehrere Tage hier campieren", sagt  Ortsvorsteher Uwe Nescheida, zugleich Schwimmmeister des örtlichen Freizeitbades gleich daneben.

Er habe nichts gegen die Leute mit Wohnmobilen. Die könnten gern das Bad besuchen. Aber so wie sich derzeit die Situation darstelle, halten hier manche über ein paar Tage, räumen Tische und Stühle raus und sitzen vor ihren Gefährten. Er kämpfe um jeden Badegast. Denn wenn die Stadt sparen müsse, dann stehe als erstes die Schließung der Bäder auf der Liste. Das frustriert ihn als Ortsvorsteher und Schwimmmeister.

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Das ganze ist in Rathewalde inzwischen zu einem echten Problem geworden. Dabei gibt es sogar einen funkelnagelneuen Caravanstellplatz am vorderen Basteiparkplatz. "Sich teure Wohnmobile leisten, aber dann kein Geld für die Übernachtung bezahlen", schimpft ein Rathewalder. Er ist des Öfteren mit dem Rad auf dem Schulweg unterwegs, sofern er durchkommt. 

Auch an die Parkordnung halte sich kaum einer. Es gebe welche, die bis zu vier Stellplätze blockieren, weiß Uwe Nescheida. Und er erinnert sich an eine Aussage, dass wenn der neue Caravanplatz in Betrieb gehe, der Schulweg für Wohnmobile gesperrt werde. Laut Ausschilderung darf hier von 8 bis 22 Uhr geparkt werden. Damit ist klar, nachts darf dort niemand stehen. "So einfach sperren könne man die Fläche für Wohnmobile nicht", sagt Hohnsteins Bau- und Hauptamtsleiter Alexander Hentzschel. Für eine Gesamtsperrung für Wohnmobile fehlen dort offenbar die rechtlichen Grundlagen. In Hohnstein ist man sicher, nur mit mehr Kontrollen könnte man das Problem in den Griff bekommen. 

Kostenlos und idyllisch campen

In den sozialen Netzwerken gibt es inzwischen schon ganze Seiten mit Tipps von Camper zu Camper, wo man unbehelligt kostenlos und dazu noch ganz idyllisch sein Wohnmobil abstellen kann. Da steht nicht nur der Rathewalder Schulweg drin, sondern auch das Kirnitzschtal und beispielsweise auch der Parkplatz am Ortseingang von Mittelndorf. Im Ort selbst gibt es mit der Kleinen Bergoase ebenfalls einen Caravanplatz. Allerdings ist dieser meist gut belegt, wenn nicht gar ausgebucht. Weiter unten im Kirnitzschtal genau das Gleiche. Auch hier gibt es mit der Ostrauer Mühle einen Campingplatz. Aber auf den Parkplätzen entlang der Straße stehen ebenfalls die Wohnmobile, auch über Nacht. 

Nationalparksprecher Hanspeter Mayr sieht darin ein echtes Problem. Schon jetzt. Und da haben die Sommerferien erst in einigen Bundesländern begonnen. Auch hier scheinen die Zustände chaotisch. So wurden zum Beispiel Leute beim Baden in der Kirnitzsch beobachtet und ob sie nachts ihre Chemietoiletten gleich mit entleeren, könne keiner nachvollziehen.

Gemeinsam mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde in Sebnitz arbeite man an einer Lösung. "Wir bereiten gerade vor, dass wir das ohnehin bestehende Nachtparkverbot auf unseren Parkplätzen im Kirnitzschtal deutlicher hervorheben. Dazu bestellen wir gegenwärtig die Verkehrsschilder. Wenn die da sind, können wir auch besser kontrollieren", sagt der Nationalparksprecher. Das hieße dann vermutlich auch mehr nächtliche Kontrollen.

Steigende Nachfrage bei Wohnmobilen

Allerdings stellt angesichts der guten Auslastung der vorhandenen Campingplätze die Frage, wohin mit dem Wohnmobil? Campingexperten sprechen derzeit von einem Boom bei Reisemobilen, wobei der Trend beim Wohnwagen eher rückläufig sei. Der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland kann dies mit Zahlen belegen. Die Neuzulassungen von solchen Freizeitfahrzeugen stiegen im Mai um fast 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf über 14.000 Fahrzeuge. Um über 30 Prozent kletterten die Neuzulassungen von Reisemobilen.  Caravaning werde von vielen in diesen Zeiten als eine der sichersten Urlaubsformen angesehen, da man mit einem Freizeitfahrzeug nur mit Personen des eigenen Haushaltes verreist und durch eigene Schlaf-, Wohn-, Koch- und Sanitärmöglichkeiten weitestgehend autark und praktisch überall zu Hause sei.

Der Verband empfiehlt aber auch, sich vorher zu erkundigen und den Platz schon vorher zu buchen. Denn sonst passiert, was derzeit gerade in der Sächsischen Schweiz abgeht. Verboten ist das Campieren außerhalb der offiziellen Caravan-Plätze tatsächlich nicht generell.  Das Parken von Wohnmobilen im öffentlichen Straßenverkehr ist überall dort erlaubt, wo es nicht explizit verboten ist.  Wer im Wohnmobil schlafen will, benötigt jedoch eine Genehmigung zur Sondernutzung. Eine Ausnahme: zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit darf das Wohnmobil eine Nacht auf öffentlichen Parkplätzen stehen, es sei denn, es ist verboten. Allerdings dürfen weder Markisen ausgerollt, noch Tische und Stühle rausgestellt werden, so wie eben in Rathewalde. Der Campingverband empfiehlt deshalb Besitzern von Wohnmobilen, sich vorher genau zu erkundigen, um Ärger zu vermeiden.

Alternative: freie Wohnmobilflächen

Die Alternative zum Campen auf öffentlichen Flächen haben einige Kommunen beziehungsweise auch Privatpersonen in der Sächsischen Schweiz bereits selbst geschaffen, indem sie im öffentlichen Raum spezielle Flächen für Wohnmobile schaffen. Diese haben einen separaten Stromanschluss der bezahlt werden muss. Die Stadt Neustadt ist da offenbar mittlerweile Vorreiter. So gibt es bereits seit Längerem drei Stellflächen vor dem Freizeitbad Mariba und sieben im Waldbad Polenz. Am Freibadesee in Neustadt sollen nun weitere vier Stellflächen eingerichtet werden.

Orte mit Campingplätzen in der Sächsischen Schweiz (Auswahl): Mittelndorf, Hinterhermsdorf, Bad Schandau, Hohnstein, Rathewalde, Königstein, Gohrisch, Struppen, Pirna.

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