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Wohnungen mit DDR-Charme

Ältere Bautzener trauern noch heute dem „Café Budissin“ nach, das sich im Erdgeschoss des Hauses Reichenstraße 7 befand. Die schönen Gewölbe, unter denen das Café bis kurz nach der Wende residierte, ließen es zu einem angenehmen Aufenthaltsort werden.

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Von Carmen Schumann

Ältere Bautzener trauern noch heute dem „Café Budissin“ nach, das sich im Erdgeschoss des Hauses Reichenstraße 7 befand. Die schönen Gewölbe, unter denen das Café bis kurz nach der Wende residierte, ließen es zu einem angenehmen Aufenthaltsort werden. Doch Anfang der 90er Jahre richtete sich anstelle des Cafés eine Drogerie-Kette ein. Die Gewölbe verschwanden hinter einer Zwischendecke. Nachdem die Drogerie-Kette 2001 in das Kornmarkt-Center gezogen war, stand die Gewerbezone in der Reichenstraße 7 leer.

Die Firma „K & D City Immobilien“ aus Bochum hat sich jetzt des Grundstückes angenommen. Da die Wohnungen im Obergeschoss seit der Wende unbewohnt sind, hatte inzwischen die Substanz des Hauses insgesamt gelitten, so dass Reparaturen am Dach und an der Fassade notwendig wurden.

So sind undichte Dachziegel ausgewechselt, die Wandanschlüsse des Daches zu den Nachbarhäusern erneuert und neue Dachrinnen angebracht worden. Die gesamte Fassade wurde neu geputzt und mit einem frischen Farbanstrich nach Vorgaben der Denkmalschutzbehörde versehen. Erneuert wurde außerdem die so genannte „Taubenabwehr“, nadelartige Bewehrungen vor den Fenstersimsen.

Für die Gewerbezone hat sich inzwischen ein neuer Mieter gefunden. Ab Dezember wird hier ein vietnamesischer Händler vermutlich Textilien verkaufen. Bauseitig wird die Gewerbezone bereits diese Woche an den Mieter übergeben. Zum Geschäft gehören auch Nebenräume im ersten Obergeschoss, die ebenfalls vorgerichtet wurden.

Die darüber liegenden Wohnungen sind jedoch noch nicht ausgebaut worden. Eine Wohnung im zweiten Obergeschoss, die zur Hinteren Reichenstraße hinausgeht, ist zwar in der Zwischenzeit von Unbekannten tapeziert worden, dort fehlen aber merkwürdigerweise sämtliche elektrische Anschlüsse.

Die beiden Wohnungen nach der Reichenstraße zu sind sehr groß und höchst interessant wegen ihrer architektonischen Besonderheiten. So sind zum Teil noch Stuckdecken vorhanden. Schön sind auch die Erker, in denen man gemütlich sitzen und auf die Reichenstraße hinab blicken könnte.

Doch die Immobilienfirma aus Bochum will den Ausbau der Wohnungen erst dann veranlassen, wenn sich dafür ernsthafte Miet-Interessenten gefunden haben. Die Wohnungen weisen nämlich einen entscheidenden Nachteil auf: Man kann zu ihnen keinen Pkw-Stellplatz anbieten. Die Heizungsanschlüsse und Versorgungsleitungen sind jedoch bereits installiert. Der Ausbau würde entsprechend den Wünschen potenzieller Mieter erfolgen.