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Wohnungen statt Bäckerei

In Potschappel stehen viele Läden leer. Einige von ihnen werden nun zu Wohnungen umgebaut. Ein Trend?

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© Andreas Weihs

Von Andrea Schawe

Freital. Laminat statt Fliesen, eine Wand statt Schaufenster – dort, wo früher eine Bäckereifiliale war, gibt es heute zwei Zimmer, Wohnküche und Bad. Im Erdgeschoss der Häuser auf der Dresdner Straße 47 bis 51 sind aus mehreren Gewerberäumen fünf Wohnungen entstanden.

„Gewerberäume in dieser Lage sind nicht zu vermieten“, sagt Architekt Walter Giesinger. Trotz intensiver Bemühungen habe sich kein Mieter gefunden. Vor mehreren Jahren hatten der Blumenladen Borrmann und die Filiale der Bäckerei Wolf zugemacht. Seitdem stehen die Läden leer. „Wir rechnen uns größere Chancen aus, die Räume als Wohnungen zu vermieten“, sagt Giesinger. Er hat die ehemaligen Verkaufsräume zusammen mit seinem Kollegen Martin Schreiner umgebaut.

Die Architekten arbeiten für Milan Vorhand. Der österreichische Großinvestor hat in Freital bereits Immobilien, wie den Goldenen Löwen, das Storchenbrunnen-Quartier, den Glasmaschinenbau und das Ex-NKD-Kaufhaus an der Dresdner Straße saniert. In die Seifenfabrik – direkt hinter den Häusern an der Dresdner Straße – steckte er rund 2,5 Millionen Euro.

An der Dresdner Straße 47 bis 51 sind innerhalb von vier Monaten fünf Zwei- und Dreiraumwohnungen zwischen 46 und 63 Quadratmetern entstanden. „Der Umbau war unkompliziert“, sagt Martin Schreiner. Vor allem, weil kein Eingriff in die Statik des Hauses nötig war. „Wir haben Trennwände eingezogen und die Schaufenster zugemauert“, sagt er. Stattdessen wurden Schallschutzfenster eingebaut. „Die Schlafzimmer befinden sich aber in vier der fünf Wohnungen an der Hofseite“, sagt Schreiner. Außerdem mussten fünf Bäder konstruiert werden. „Da wir im Erdgeschoss sind, ist das nicht schwierig.“ Die Anschlüsse seien im Keller alle vorhanden.

Ein allgemeinder Trend

Wohnungen anstatt Gewerbe – ein Trend in Freital? Die Verkaufsfläche im Einzelhandel ist im Landkreis seit 2010 um rund zehn Prozent zurückgegangen. Keine andere Region in Sachsen hat derart hohe Verluste zu verbuchen. Die Verkaufsfläche im Freitaler Einzelhandel wächst zwar. Fast 51 200 Quadratmeter reine Verkaufsfläche gibt es nach den aktuellen Zahlen im Handelsatlas der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Stadt, vor fünf Jahren waren es noch 5 900 Quadratmeter weniger. Allerdings gibt es 21 Geschäfte weniger. Neben dem Real-Markt auf der Burgker Straße, der seit 2010 geschlossen ist, machten in den vergangenen Jahren auch zwei Discounter und 19 kleine Fachgeschäfte – wie Bäcker, Fleischer oder Obsthändler – zu. Im Vergleich zu 2010 konnte der Leerstand an der Dresdner Straße teilweise gesenkt werden. Es stehen aber noch immer etliche Gewerbeflächen in Potschappel leer – häufig über Monate und Jahre.

Der Bedarf an Wohnungen steigt dagegen. Vor allem günstige Zwei- und Dreiraumwohnungen sind rar. Noch bis 2012 wurden Wohnungen in Freital in großem Stil abgerissen. Die Wohnungsgesellschaft Freital (WGF) hat circa 1100 Wohnungen, ein Viertel des Bestandes, aufgegeben. Der Leerstand sollte von knapp 30 Prozent auf einen wirtschaftlich vertretbaren Wert von etwa sechs bis acht Prozent gesenkt werden. Jetzt stehen knapp über vier Prozent der WGF-Wohnungen leer, das städtische Unternehmen baut auch neu – etwa an der Oststraße. Genauso wie die anderen großen Wohnungseigentümer in Freital. Von den insgesamt derzeit 2 386 Wohnungen der Wohnungsgenossenschaft Gewo stehen nur 1,5 Prozent leer. Auch sie sieht ihre Zukunft im Neubau. Seit Kurzem wird in Pesterwitz gebaut, ab 2017 sollen 45 Wohnungen in Wurgwitz entstehen. Auch bei der Wohnungsgenossenschaft Raschelberg (WGR) ist der Leerstand deutlich unter drei Prozent gesunken.

Schon an anderer Stelle sind in der Stadt erfolgreich aus Gewerberäumen Wohnungen entstanden, etwa in der Dresdner Straße 94/96. Momentan bauen die Architekten Giesinger und Schreiner auch am Kulturhaus. In den ehemaligen Läden auf der Dresdner Straße 118/120 entstehen vier Drei-Raum-Wohnungen zwischen 62 und 87 Quadratmetern. Die Sanierung soll demnächst abgeschlossen sein, so Schreiner.