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Kamenz fordert Geld für Wohnungsbau

Aufzüge für mehr Komfort und 80 neue Wohnungen: Die Stadt will attraktiv werden für Zuzügler. Dabei soll der Freistaat helfen.

Die Kamenzer Wohnungsgenossenschaft will in Aufzüge investieren - und fordert dafür Geld vom Freistaat. Darüber diskutierten jetzt Vorstand Henry Schmidt, Minister Thomas Schmidt, der CDU-Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk und OB Roland Dantz (v.l.).
Die Kamenzer Wohnungsgenossenschaft will in Aufzüge investieren - und fordert dafür Geld vom Freistaat. Darüber diskutierten jetzt Vorstand Henry Schmidt, Minister Thomas Schmidt, der CDU-Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk und OB Roland Dantz (v.l.). © Matthias Schumann

Kamenz. Wer seinen Getränkekasten und die anderen Einkäufe bis in den fünften Stock geschleppt hat, kann schnell außer Puste kommen. Deshalb sind die Wohnungen dort oben nicht ganz so beliebt. Die Aussicht über die Stadt kann das nicht wettmachen.

So steigt bei der Kamenzer Wohnungsbaugenossenschaft der Leerstand gerade dieser Wohnungen nach stabilen Zeiten langsam wieder. Das ärgert deren Chef Henry Schmidt. Denn es müsste auch nicht sein, gab er jetzt seinem Namensvetter Thomas Schmidt (CDU), dem sächsischen Staatsminister für Regionalentwicklung, mit auf den Weg. Die beiden saßen sich jetzt in Kamenz gegenüber.

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Der Genossenschafter will barrierefreies, altersgerechtes Wohnen vorantreiben. Zumal auch  jüngere Leute ein bisschen Komfort zu schätzen wüssten. Denn Familien mit Kindern haben ebenso einiges nach oben zu schleppen. Dabei sollen die Wohnungen - rund 1.300 verwaltet die Genossenschaft derzeit in Kamenz, Elstra und Pulsnitz - aber auch noch bezahlbar bleiben. Eine Menge Gesprächsstoff für Schmidt und Schmidt. 

Mehr Komfort mit Lift

In den Jahren nach der politischen Wende bis 1998 wurde der Wohnungsbestand saniert und modernisiert. Die Kredite von damals sind immer noch nicht ganz getilgt, da kommen die Gebäude schon langsam wieder in die Jahre. Auch an Aufzüge war damals nicht zu denken. Heute schon - weil die Bewohner immer älter werden und auch die Gesellschaft insgesamt altert. So rechnet Henry Schmidt auch mit Zuzüglern, die die Großstadt-Mieten nicht mehr stemmen können. Allerdings setze das zumindest einen ähnlichen Komfort und altersgerechte Bedingungen voraus.

Für Schmidt heißt das: mit Lift bis zur Wohnungstür, nicht mit Ausgang auf der  Halbetage, wie das vielfach an DDR-Bauten praktiziert wird. Das ist zwar einfacher, aber es bleiben immer ein paar Stufen. Die städtische Kamenzer Wohnungsgesellschaft SWG hat in der Nachbarschaft so einen Lift angebaut. Der kostete rund 300.000 Euro. Das ist zwar schon eine Erleichterung, aber eben keine Barrierefreiheit. Doch um die gehe es, so Henry Schmidt. Fünf Aufzug-Anlagen sind bei der Wohnungsgenossenschaft im Gespräch, damit würden 50 Wohnungen barrierefrei erreichbar.

Bisher gebe es für solche Umbauten aber nur zinsgünstige Kredite. Damit sei den genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsunternehmen nicht geholfen: „Wir können die Kosten ja auch nicht alle auf die Mieter umlegen“, so Vorstand Schmidt. „Wer soll Kaltmieten von 8,70 Euro pro Quadratmeter bezahlen?“ Derzeit liegen sie etwa zwischen 4,45 und 5,20 Euro.

Kredite sind keine Lösung

Mit Krediten sei dem ländlichen Raum nicht geholfen, sind sich der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) und Genossenschafter Schmidt einig. Es müssten Zuschüsse kommen. Der OB will den Bogen auch noch weiter schlagen - von der Modernisierung auf den Wohnungsneubau im ländlichen Raum. Kamenz sei eine industrielle Wachstumsregion, die Situation anders als zu Zeiten, da DDR-Plattenbauten abgerissen wurden. Die erschlossenen Abrissflächen seien jetzt perfekt für neue Mehrfamilienhäuser geeignet.

So könnten in Kamenz über 80 neue Wohnungen entstehen. Mit mittlerem Komfort. Die würden jetzt gebraucht, um die gut bezahlten Fachkräfte in der Stadt zu halten. So könne eine Abwanderung in Ballungszentren wie Dresden verhindert werden. Es werde immer viel von Sozialwohnungsbau in den großen Städten geredet, der nötig sei. Aber der ländliche Raum dürfe darüber nicht vergessen werden. Beides brauche Förderung, legten Roland Dantz und Henry Schmidt dem Minister ans Herz.

Klarheit über Förderung im Herbst

Der ist vorsichtig mit konkreten Zusagen. Er werde die Vorschläge in Ausschüsse  bringen und im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten vertiefen, versprach Thomas Schmidt: „Wir müssen die Stadt-Umland-Beziehungen neu betrachten.“ Dabei wird er eine starke Stimme brauchen, denn die der Großstädter ist es wohl schon, wie es durchklang . Im Herbst erhoffe er sich Klarheit zu den Fördermöglichkeiten, so Schmidt. Alles hänge auch von den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft ab.

Eine Geldquelle für den ländlichen Wohnungsbau kann sich der Kamenzer OB immerhin schon ganz gut vorstellen: das milliardenschwere Paket, das den Kohleausstieg abfedern soll. Davon soll auch der Kreis Bautzen profitieren. Henry Schmidt von der Wohnungsgenossenschaft ist nach dem Gespräch zuversichtlich, OB Dantz eher vorsichtig in seinen Erwartungen. Die Kamenzer werden sehen, was daraus geworden ist – wenn der erste Aufzug an einem Genossenschaftsblock in Kamenz Ost den Aufstieg in die fünfte Etage bequemer macht.

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