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Musikakademie in Villa Bauch kostet Millionen

Das Ensemble Nobiles stellt seine Pläne beim Neujahrsempfang vor. Vor allem die Finanzierung ist noch offen. Unterstützer sind gefragt. Ein Verein gründet sich.

Lukas Lomtscher hat die Pläne mit der Fabrikantenvilla Bauch an der Gersdorfer Straße in Roßwein vorgestellt.
Lukas Lomtscher hat die Pläne mit der Fabrikantenvilla Bauch an der Gersdorfer Straße in Roßwein vorgestellt. © Lars Halbauer

Von Rasmus Wittrin

Roßwein. Zuerst eben schnell den Terminkalender gezückt: Am 19. Juli 2020 soll es ein zweites Konzert des Ensembles Nobiles in der Villa Bauch geben. Das erste im vergangenen Sommer war von Besuchern so überlaufen, dass der zweite Teil des Konzerts in den Garten verlegt werden musste.

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Daran erinnert sich auch Stadtrat Steffen Thiele (SPD) noch. Allerdings habe er damals die junge A-cappella-Gruppe mit ihrem Projekt, das altehrwürdige Anwesen der ehemaligen Fabrikantenfamilie Bauch wieder zu beleben, nicht wirklich ernst genommen. Das änderte sich am Freitagabend beim Neujahrsempfang im Rathaus.

Denn: Die fünf Sänger des preisgekrönten Ensembles geben dem Empfang nicht nur einen musikalischen Rahmen. Sie kündigen auch konkrete Schritte an, wie sie das Gebäude in einen lebendigen Ort für Musikkurse, Feste und Seminare jeder Art umgestalten wollen. Ihre Vision ist, aus der Villa, die nur einige 100 Meter vom Bahnhof entfernt ist, eine Art Musikzentrum, am liebsten aber eine Musikakademie zu machen, wo zum Beispiel Ensembles und Kammerchöre Probenwochen verbringen können, Workshops angeboten und Tonträger produziert werden können.


Beim ersten Benefizkonzert im Sommer 2019 zogen Zuhörer und Sänger ins Freie um.
Beim ersten Benefizkonzert im Sommer 2019 zogen Zuhörer und Sänger ins Freie um. © Lars Halbauer

Uralter Apfelbaum darf bleiben

Dabei ist „umgestalten“ jedoch das falsche Wort. „Wir wollen möglichst viel original erhalten“, erklärt Lukas Lomtscher. Er gehört mit seinem Ensemble-Kollegen Paul Heller, dem Ehepaar von Erffa aus Karlstadt am Main als Eigentümer der Villa und dem Manager des Ensembles zu den maßgeblichen Vorantreibern des Projektes. Original soll es also bleiben. Auch, wenn es dadurch aufwendiger wird. Um den alten Charme der Villa zu erhalten, sie zugleich aber fit für ihre zukünftige Funktion zu machen, beauftragten Lomtscher und seine Mitstreiter für eine Machbarkeitsstudie extra das auf Denkmalschutz, Sanierung und Umnutzung spezialisierte Architektenbüro Weis und Volkmann (Leipzig). Dieses Unterfangen ist selbst für erfahrene Architekten keine leichte Aufgabe. Zwar sei der Innenraum noch gut erhalten, erklärt Lomtscher. Wenn aber Musikgruppen in dem Gebäude proben sollen, müssten die einzelnen Zimmer geräuschdicht gestaltet werden, ohne die gute Akustik zu beeinträchtigen oder zu umfangreiche Baumaßnahmen durchführen zu müssen.

Parallel zur Planung nötiger Sanierungen an der Villa wird derzeit geprüft, ob ein Neubau am Grundstücksrand möglich ist. In dem eingeschossigen Gebäude sollen die Gäste der Villa Bauch unterkommen, 24 Betten sind aktuell geplant. Der alte Apfelbaum inmitten des Grundstückes darf stehenbleiben. Er wurde 1906 gepflanzt und ist somit genauso alt wie die Villa.

Rund fünf Millionen Euro sind für alles bisher veranschlagt, sagt Lomtscher. Doch wo soll das viele Geld herkommen? Erste Anlaufstelle bei Vorhaben wie diesem sind häufig Förderprogramme. Das sei für die Villa jedoch schwierig: Aus dem Raster für innerstädtische Entwicklung falle sie heraus, weil sie zu weit vom Stadtzentrum entfernt liege. Und für ländliche Entwicklung sei ihre Umgebung zu städtisch, erklärt Lukas Lomtscher. Deshalb soll zunächst ein Verein gegründet werden, der sich um Fragen wie die Geldbeschaffung Gedanken macht. Für alle Unterstützer des Projektes soll er offen sein.

Sogar an Heiratswillige ist gedacht

Beim Empfang begrüßen viele Zuhörer grundsätzlich das neue Konzept für die Villa. Ein Roßweiner ist insbesondere über den transparenten Umgang der jungen Männer mit ihrem Projekt erfreut, und dass sie die Öffentlichkeit daran teilhaben lassen. „Dann kommt mal etwas Kultur nach Roßwein“, sagt eine Frau. Eine andere meint: „Wenn das klappt, könnte Roßwein ein Treffpunkt für Musiker werden.“

Auch Steffen Thiele und Andreas Winkler freuen sich über das Engagement des Ensembles. „Etwas Altes wird erhalten, und ein neues kulturelles Angebot geschaffen“, so Winkler. Thiele fügt hinzu: „Jeder, der hier in Roßwein etwas anschiebt, sollte unterstützt werden.“ Durch den Auftritt beim Neujahrsempfang sei ihm klargeworden, dass es die Musiker wirklich ernst meinen mit ihrem Projekt. Nun wolle er sich weiter damit beschäftigen, auch um zu sehen, wie man helfen kann.

Über die positive Resonanz freuen sich die Initiatoren. „Die Villa gibt einen unglaublich schönen Rahmen für künstlerische Arbeit“, schwärmt Lomtscher. Den Musikern ist es ebenso wichtig, dass die Villa nicht nur für musische Zwecke genutzt werden kann, sondern auch für private Feiern und Seminare mit anderen Themen.

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Einen genauen Zeitplan zu erstellen, ist aufgrund der vielen Unbekannten in der Rechnung unmöglich – auch, weil es für alle Ensemblemitglieder neben ihrem Beruf und der musikalischen Tätigkeit ein weiteres Projekt sei, für das sie Zeit aufwenden müssen. „Der grobe Plan wäre, dass in den nächsten zehn Jahren die Maßnahmen so weit vorangekommen sind, dass man in der Villa arbeiten kann“, sagt Ensemble-Mitglied Paul Heller. Wenn alles klappt, soll es sogar möglich sein, in der Villa standesamtlich zu heiraten. „Das wäre natürlich ein Traum“, so Lukas Lomtscher.

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