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Wolf im Osterzgebirge gesichtet

Schon mehrfach gab es Hinweise auf seine Existenz. Nun löste die Fotofalle aus – gleich mehrfach in einem Jahr.

Bisher hat der Wolf das Osterzgebirge nur durchstreift. Ob das so bleibt, ist unklar. Experten hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, um weitere Informationen zu bekommen.
Bisher hat der Wolf das Osterzgebirge nur durchstreift. Ob das so bleibt, ist unklar. Experten hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, um weitere Informationen zu bekommen. © dpa

Mit Einbruch der Dunkelheit schlich er sich heran, die Nase tief über dem verschneiten Waldboden, als hätte er eine Spur gewittert: der Wolf. Eine Kamera, die der Staatsbetrieb Sachsenforst im Wald nahe Rechenberg-Bienenmühle im benachbarten Landkreis Mittelsachsen im Grenzbereich zur hiesigen Region installiert hat, löste automatisch am 17. Dezember vergangenen Jahres exakt um 17.48 Uhr und 13 Sekunden aus. Klack.

Das Bild aus der Fotofalle wurde innerhalb des Wildmonitorings, das in Sachsen seit Jahren läuft, ausgewertet. Wie jetzt bekannt wurde, handelt es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf. „Das Foto wurde als eindeutiger Nachweis eingestuft“, informierte am Mittwoch Vanessa Ludwig. Sie ist Projektleiterin beim Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“, das vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft in Rietschen eingerichtet wurde.

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Das Bildmaterial lasse allerdings keine Rückschlüsse auf Geschlecht und Alter zu. Da der Wolf aber stattlich aussehe, könnte es sein, dass das kein Welpe mehr ist, so Frau Ludwig. Obgleich auch die Jungen schon ziemlich groß seien. Auf alle Fälle mache das Tier einen gesunden Eindruck.

Im Osterzgebirge gab es immer mal wieder Hinweise darauf, dass der Wolf unterwegs ist. Mal soll er gesehen worden sein, so hieß es zum Beispiel Ende 2016 aus dem Raum Hermsdorf, Neuhermsdorf, Rehefeld. Mal stand er im Verdacht, Tiere erbeutet zu haben wie 2014 in Klingenberg. Einen ersten handfesten Beweis für seine Existenz lieferte ein DNA-Test. Nachdem 2013 in Obercarsdorf mehrere Schafe gerissen wurden, gelang es, Speichelproben zu sichern und auszuwerten. Es bestand kein Zweifel mehr: Der Wolf war’s.

In den vergangenen beiden Jahren gab es dann im Osterzgebirge weitere vereinzelte unbestätigte Hinweise auf den Wolf, sagt Vanessa Ludwig. Hin und wieder glückte auch mit Fotofallen der Nachweis. Zuletzt wurde bekannt, dass ein Wolf auf einer Waldlichtung bei Altenberg fotografiert wurde. Das war am 21. April 2017. Bisher gingen die Experten davon aus, dass der Wolf nur durchs Osterzgebirge zieht. Doch nach den jüngsten Auswertungen ist das nicht mehr so klar.

Denn nach Angaben des Kontaktbüros „Wölfe in Sachsen“ tappte nicht nur ein Wolf im April 2017 bei Altenberg in die Fotofalle. Weitere Schnappschüsse von automatisch auslösenden Kameras gelangen im Februar und April des vergangenen Jahres in dem Bereich, in dem jetzt auch im Dezember das jüngste Foto entstand. Seitdem habe es zwar aus diesem Gebiet bisher keinen weiteren Nachweis gegeben, so Frau Ludwig. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass sich der Wolf nun wieder davongemacht hat. „Noch ist unklar, ob sich das Tier dort dauerhaft niederlassen wird oder das Gebiet nur durchwandert hat.“

In Sachsen sind Wölfe nach Angaben des Kontaktbüros seit Ende der 1990er-Jahre wieder dauerhaft heimisch. Im letzten Monitoringjahr 2017/2018 – das geht jeweils vom 1. Mai bis zum 30. April und entspricht dem biologischen Wolfsjahr – wurden in den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen, Nordsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 18 Rudel und vier Wolfspaare nachgewiesen. 

Dieser Wolf tappte im Dezember 2018 im Osterzgebirge in eine Fotofalle. 
Dieser Wolf tappte im Dezember 2018 im Osterzgebirge in eine Fotofalle.  © Staatsbetrieb Sachsenforst.

Das vom Osterzgebirge aus nächstgelegene Wolfsterritorium in Sachsen sei das Rudel Stolpen/Hohnstein. Das sei im Herbst 2017 bestätigt worden, im aktuellen Monitoringjahr sei die Situation dort noch unklar. In den grenznahen Regionen der Tschechischen Republik befinden sich zwei weitere Wolfsterritorien: das Rudel im Nationalpark Böhmische Schweiz und das Vysluni Rudel, benannt nach der gleichnamigen Stadt auf dem Erzgebirgskamm. Beide Wolfsterritorien wurden im Monitoringjahr 2017/2018 erstmals nachgewiesen.

Nun erhoffen sich die Experten weitere Informationen über das Gebiet aus dem Osterzgebirge, in dem der Wolf gesichtet wurde. Das sei wichtig für das Monitoring, so Frau Ludwig, aber auch für Halter von Schafen und Ziegen, um Vorkehrungen zu treffen bzw. den Schutz zu überprüfen.

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Hinweise auf Wölfe an den Wolfsbeauftragten im Landratsamt Pirna: Jens Abram, 1 03501 5153433, E-Mail: [email protected] oder ans Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, 1 035727 57762, E-Mail: [email protected]

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