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Neues Wolfsrudel im Kirnitzschtal?

Immer wieder fangen Wildkameras im Kirnitzschtal Wölfe ein. Die Tiere könnten aus Tschechien kommen oder aber inzwischen im Tal heimisch sein.

Wölfe sind viel unterwegs. Mehrere Sichtungen gab es jetzt auch im Kirnitzschtal.
Wölfe sind viel unterwegs. Mehrere Sichtungen gab es jetzt auch im Kirnitzschtal. ©  Symbolfoto: dpa

Die Hinweise, dass sich zumindest ein Wolf im Kirnitzschtal heimisch fühlt, verdichten sich. Aufnahmen privater Wildtierkameras bestätigen das. So entstand auch unten stehendes Foto. Es stammt vom 6. November 2019. Was im Foto aufgrund der Bildqualität nicht zu erkennen ist: Der Wolf schaut nach oben, weil auf dem Baum ein Waschbär sitzt.

Doch eine Bestätigung für ein neues Wolfsrudel im Kirnitzschtal ist das natürlich nicht. Das sieht auch Vanessa Ludwig, Pressereferentin der Fachstelle Wolf, so. Für die Monitoringjahre 2018/19 und 2019/20 seien bisher insgesamt vier Sichtbeobachtungen im Kirnitzschtal eingegangen und bewertet worden. Alle wurden mit C3 bewertet, was als unbestätigter Hinweis gilt. Ganz auszuschließen ist es jedoch nicht, dass Wölfe hier eine neue Heimat gefunden haben.

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Die Bestandserfassung für Wölfe erfolgt innerhalb des Monitoringjahres. Das entspricht einem Wolfsjahr, welches am 1. Mai beginnt und am 30. April des darauffolgenden Jahres endet. Das Kirnitzschtal war im Monitoringjahr 2018/19 dem Territorium Stolpen/Hohnstein zugeordnet worden, weil der Wolf wahrscheinlich von dort eingewandert war. Ein einzelner Wolfsrüde war dort nachgewiesen worden, so die Expertin. Für die aktuelle Saison fehlen noch ausreichend Sichtungen und Fotobeweise.

Sicher ist auf jeden Fall, dass sich weiterhin nahe Hohnstein ein Wolf aufhält. Er wurde erst kürzlich von einer Wildkamera in Ulbersdorf an der Gemarkungsgrenze zum Sebnitzer Ortsteil Schönbach aufgenommen. Und Jäger sagen, dass es möglicherweise sogar zwei Wölfe sein könnten. Zumindest wurden zwei Tiere bei der Treibjagd vor Kurzem im Schwarzbach- und Sebnitztal sowie am Ziegenrücken bei Ulbersdorf gesichtet. Bis ins Kirnitzschtal ist es von dort nicht weit, und wie bekannt ist, legen Wölfe bei einem Streifzug locker über 50 Kilometer zurück.

Die Wölfe im Kirnitzschtal könnten aber auch aus Tschechien kommen. Weiter nord-östlich liegt zudem das Hohwaldterritorium, weiter süd-östlich das Territorium Lužické Hory , sagt Vanessa Ludwig. Diese beiden Territorien wurden im letzten Monitoringjahr zur Tschechischen Republik gezählt, da der Schwerpunkt der Beobachtungen nicht in Sachsen lag. "Generell kann im Freistaat Sachsen jederzeit überall mit dem Auftauchen eines Wolfes gerechnet werden, auch außerhalb bestätigter Wolfsterritorien. Wie bei den meisten Tieren üblich, suchen sich auch junge Wölfe irgendwann ein eigenes Zuhause und einen Partner", so Vanessa Ludwig.

Auf ihrer Suche nach einem freien Gebiet, um sesshaft zu werden, legen Wölfe häufig weite Strecken zurück. Weltweit seien Distanzen bis über 1.000 Kilometer für abwandernde Wölfe bekannt geworden. Und die Expertin hat noch eine weitere interessante These: Wölfe, die in Sachsen außerhalb bestätigter Territorien nachgewiesen werden, können demnach aus allen Teilen Deutschlands sowie aus Polen oder Tschechiens stammen. Allerdings wären auch andere europäische Länder denkbar.

Der Wolf im Kirnitzschtal. aufgenommen von einer privaten Wildtierkamera. Was aufgrund der Bildqualität nicht zu sehen ist: Auf dem Baum direkt vor dem Wolf sitzt ein Waschbär.
Der Wolf im Kirnitzschtal. aufgenommen von einer privaten Wildtierkamera. Was aufgrund der Bildqualität nicht zu sehen ist: Auf dem Baum direkt vor dem Wolf sitzt ein Waschbär. © privat

Und wenn es einer der drei Hybrid-Wölfe aus Tschechien ist? Experten halten das eher für unwahrscheinlich. "Bezüglich dem Thema Hybriden ist uns bekannt, dass 2016 drei Hybrid-Welpen im Bereich Rumburk nachgewiesen wurden. Bis zum Winter 2016/2017 kamen zwei der Welpen ums Leben: Einer starb bei einem Autounfall, der zweite wurde von einem Jäger erlegt", sagt Vanessa Ludwig.

Das Tschechische Umweltministerium beauftragte örtliche Jäger mit der Tötung des dritten Wolf-Hund-Hybriden. Eine offizielle Bestätigung, dass das Tier wirklich getötet wurde, liege der Fachstelle Wolf allerdings nicht vor. Es gibt nach deren Kenntnisstand aktuell aber keine Hinweise mehr auf den dritten Hybriden.

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