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Wolf reißt besonderen Damhirsch

Nutztierhalter bekommen Geld, wenn Isegrim gut eingezäuntes Vieh tötet. Jäger gehen leer aus. Ärgerlich wird‘s, wenn seltene Stücke gerissen werden.

Von Bernhard Donke

Willi Nagel ist sauer. Denn ein befreundeter Landwirt hat ihn zu einem Wolfsriss im Jagdrevier Diehsa-Nord gerufen. Das ist in der Lausitz erstmal keine Besonderheit. Aber als Willi Nagel die Überreste eines besonderen Damhirsches entdeckt, ist er schockiert. Nicht etwa, weil Wölfe jagen und damit auch eine Konkurrenz für den Jäger sind – sondern weil ein prächtiger Damhirsch da im Schlamm lag. Es ist einer von der Sorte, die von Jägern Jahr für Jahr geschont werden, damit sie weiter wachsen und sich vermehren können. Zukunftsklasse nennt sich das in der Fachsprache, weil solche Wildtiere für die Entwicklung der Population gut sind.

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Dass der Schaufler das Potenzial hatte, ist für den Weidmann glasklar. Denn rund um den Kadaver sind die Spuren eines heftigen Kampfes zu erkennen. Jäger Willi Nagel geht davon aus, dass es mehrere Wölfe gewesen sind, die den Damhirsch gestellt und getötet haben – zumindest sind mehrere Wölfe davon satt geworden. „Ein gut fünf Jahre alter, gesunder gut 70 Kilogramm schwerer Damwildschaufler ist es gewesen“, sagt der Weidmann. Ein Kehlbiss zeuge davon, dass hier der Wolf zugange gewesen sei, erklärt Willi Nagel – auch wenn er dafür nicht extra mit Experten des Wildbiologischen Büros Lupus oder einem anderen Sachverständigen von Amts wegen darüber gesprochen hat.

„Für mich ist dieser Damhirsch-Riss ein Beleg dafür, dass die Wölfe nicht nur junge, kranke oder schwache Tier jagen“, so Nagel. Ihn lässt der Vorfall nachdenklich werden – wie es um die Zukunft der Jägerschaft in der Lausitz bestellt ist. Willi Nagel kann mehrere Fälle von Schäden an Damwild aufzählen, wo der Wolf beteiligt gewesen ist. Auch das Muffelwild in Richtung Königshainer Berge sei fast schon ausgerottet. „Wie soll das hier mit den Wölfen weiter gehen?“, fragt Willi Nagel. Denn was die Jäger einst aufgebaut hätten – zum Beispiel die Muffelwildpopulation, sei durch die Wölfe so gut wie ausgerottet. Von einst 400 Tieren seien nur noch etwa 100 übrig. Und jetzt, so Nagel, sei vermehrt das Damwild Beute des Wolfes. Von den 300 Tieren seit der Auswilderung um 1970 müsse man jetzt schon zehn Prozent abziehen.

Und jeder Wolfsriss sei für die Jäger auch auch wirtschaftlicher Schaden. „Wir müssen für die Jagd eine Pacht bezahlen“, sagt Nagel. Wenn dann die für die Zukunft des Wildbestandes wichtigen Tiere durch den Wolf getötet würden, sei kein Ausgleich möglich. Er sei nicht gegen den Wolf, aber gegen Regelungen, die vor allem die Jäger und ihre Arbeit in der Region benachteiligen.