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Landwirt entsetzt über Wolfsriss in Radeberg

Matthias Hennig entdeckte das tote Tier am Dienstagmorgen. Nicht der erste Riss in seiner Herde. Dabei hat er in diesen Zeiten genug andere Sorgen.

Landwirt Matthias Hennig ist verärgert. Bereits zum dritten Mal wurde ein Kalb aus seine Herde gerissen. Er fordert Konsequenzen.
Landwirt Matthias Hennig ist verärgert. Bereits zum dritten Mal wurde ein Kalb aus seine Herde gerissen. Er fordert Konsequenzen. © René Meinig

Radeberg. Diesen Morgen wird Matthias Hennig nicht vergessen: Schon früh war er unterwegs, um nach seiner Herde Kühe bei Lotzdorf zu schauen, vor allem ob neue Kälber geboren wurden. Zunächst schien alles wie immer. Doch dann bemerkte er, dass die Tiere unruhig sind. "Besonders eine Mutterkuh brüllte laut und sah immer auf eine bestimmte Stelle außerhalb der Koppel. Ich bin dann hin und da lag das Kalb. Es war zur Hälfte aufgefressen." Für ihn ist die Sache klar. Wölfe haben das Jungtier gerissen und dann die 70 Meter weit davon geschleift. "Welches Tier schafft das sonst", fragt der Landwirt. 

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Schmerzlich ist für Matthias Hennig natürlich der materielle Verlust. "Wir halten unsere Herde ja nicht, um den Wolf zu füttern, sondern um die Jungtiere groß zu ziehen und das Fleisch zu verkaufen. Zwar werde das Kalb ersetzt, doch da haben wir schon viel Arbeit investiert." Vor allem ist es aber die mentale Seite, die ihm zu schaffen macht. "Gerade jetzt zu dieser Zeit wo viele Kälber geboren werden, kann man den ganzen Tag zuschauen, wie sie auf der Koppel herumtollen und  dann komme ich morgens auf die Weide und muss die Reste eines zwei Tage alten Kalbs wegräumen." 

Außerdem stellten die Wolfsangriffe auch für den Menschen  eine Gefahr dar. "Wenn die Herde mit den 50 Kühen und den Kälbern in Panik gerät und die Tiere ausbrechen, könnten sie immensen Schaden anrichten. Die Bahnlinie aber auch Wohnhäuser und Gärten sind ganz in der Nähe." 

Es ist nicht das erste Mal, dass Matthias Hennig einen Wolfsriss zu beklagen hat. Im vergangenen Jahr im Sommer gab es den ersten Vorfall. Die Gutachter stellten fest, dass es der Wolf war. Vor wenigen Wochen Anfang März passierte es zum zweiten Mal, ebenfalls ein Kalb. "Da der typische Kehlbiss fehlte, wurde gesagt, es war der Fuchs. Ich glaube das aber nicht. Wahrscheinlich ist der Wolf nur gestört worden", sagt er. Das Ergebnis des genetischen Tests steht noch aus. 

Jetzt ist ein drittes Kalb zum Opfer gefallen. Anders als bei einer Schafherde ist es schwierig, die Tiere zu schützen. "Wir haben schon einen dreizügigen Elektrozaun aufgestellt. Aber vermutlich schlüpfen die Wölfe darunter durch. Ein Maschen-Elektrozaun ist zu aufwendig. Die Herde wechselt ja jeden Tag die Weidefläche." Einzige Möglichkeit die Tiere wirksam zu schützen, wäre ein Stall. "Erstens ist der Bau aber sehr teuer. Zweitens hätten wir nicht mehr die artgerechte Freilandhaltung, die wir ja wollen und die ja so gewünscht ist." 

Anders als für Schafe und Ziegen gibt es für Rinderherden keine speziell vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen. Dritte Möglichkeit wäre, die Tierhaltung generell aufzugeben. "Da geht es schon um die Existenz. Wenn ich mich nur auf Ackerbau konzentrieren würde, müsste ich meinen Angestellten entlassen."

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Überhaupt treiben den Landwirt derzeit Sorgen um. "Durch die Corona-Krise ist der Fleischpreis um 30 Prozent gesunken. Niemand kann mehr in Restaurants und dort ein Steak essen." Er vermutet, dass auch die Getreidepreise fallen werden. Auch die Pension, in der er mit seiner Frau "Urlaub auf dem Bauernhof" anbietet, ist wegen der Pandemie geschlossen. "Jetzt auch noch die Wolfsrisse. Da kommt einiges zusammen."

Karin Bernhardt vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) kann den Vorfall in Lotzdorf bestätigen. "Die Fachstelle ist am Morgen darüber informiert worden. Inzwischen hat auch die Begutachtung des Kadavers stattgefunden. Die Merkmale sprechen dafür, dass es sich eindeutig um einen Wolfsriss gehandelt hat." Nach ihren Angaben wird jetzt ein Protokoll des Vorfalls angefertigt, mit der der Landwirt eine entsprechende Entschädigung beantragen kann. 

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Matthias Hennig, der in seiner Freizeit Jäger ist, ist dafür, die Population des Wolfes zu begrenzen. "Wir brauchen eine Regulierung. Er muss bejagt werden", sagt er. In Sachsen können Wölfe inzwischen unter bestimmten Bedingungen abgeschossen werden. Sie dürfen getötet werden, wenn sich das Tier einem Menschen auf weniger als 30 Meter nähert und eine Vergrämung erfolglos geblieben ist. Eine sogenannte Entnahme kann laut neuer Regelung auch stattfinden, um erheblichen wirtschaftliche Schäden zu verhindern.

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