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Wolf reißt wieder Schafe in Dresden

Am Dienstag werden sieben tote Schafe in Weißig entdeckt. Ihr Halter ist entsetzt – dann wird ein weiterer Riss bekannt.

Erneut sind in Dresden Schafe vom Wolf gerissen wurden.
Erneut sind in Dresden Schafe vom Wolf gerissen wurden. © Symbolbild: dpa

Dresden. Für Jürgen Werner ist es ein Schock, als er die toten Tiere am Dienstagmorgen auf der Wiese an der Forststraße sieht. Eine Anwohnerin hat ihn zuvor informiert. Aus der Herde von 16 Tieren sind sieben Schafe getötet worden, alle mit Kehlbiss, sagt Werner. Und: „Der Gutachter von der Fachstelle war sich nicht sicher, ob ein oder zwei Wölfe zugeschlagen haben.“ Es ist nicht der erste Fall in diesem Jahr.Dass es zumindest ein Wolf war, der in der Nacht zum Dienstag hier auf der Weißiger Forststraße unterwegs war, darüber bestehen offenbar kaum Zweifel. Das bestätigt auch das Umweltministerium auf SZ-Anfrage. Ein Gutachter der Fachstelle Wolf ist bereits vor Ort gewesen und hat DNA-Proben genommen. Inzwischen wird bekannt, dass auch in Ullersdorf, in unmittelbarer Nähe zu Weißig, am Montag ein Schaf vom Wolf gerissen wurde.

Seit 40 Jahren hält Jürgen Werner Schafe, verleiht auch regelmäßig Jungtiere, die in Gärten das Gras niedrig halten. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 72-Jährige. Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass Wölfe so dicht an ein Wohngebiet herankommen. Das nächste Haus zur Wiese, auf der die Schafe standen, ist nur wenige Meter entfernt.Eine Entschädigung für seine getöteten Schafe wird er allerdings nicht erhalten, denn sein Zaun stammt noch aus der DDR-Zeit und erfüllt die Mindestanforderungen an die Wolfssicherung nicht. Werner hat nun aber erfahren, dass er einen Antrag stellen kann, um sich einen solchen Zaun von der Fachstelle bezahlen zu lassen. Er wird das tun, sagt er. Die verbliebenen neun Schafe, die den Angriff völlig verängstigt überlebt haben, holt er bis abends in den Stall. Die Gefahr, dass der Wolf zurückkommt, ist ihm zu groß.

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Jürgen Werner hat in der Nacht zum Dienstag sieben Schafe verloren. Sie wurden von einem oder zwei Wölfen gerissen. Die restlichen Schafe sind noch sehr verängstigt, er holt sie deshalb in den Stall.
Jürgen Werner hat in der Nacht zum Dienstag sieben Schafe verloren. Sie wurden von einem oder zwei Wölfen gerissen. Die restlichen Schafe sind noch sehr verängstigt, er holt sie deshalb in den Stall. © René Meinig

Karin Bernhardt, die Sprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) appelliert an die Besitzer von Schafen, ihre Herden besser zu schützen. Die entsprechenden Zäune würden zu 100 Prozent gefördert und es gebe in ihrem Amt eine Herdenschutzberatung. „Nutztiere sind für den Wolf leichtere Beute, wenn sie nicht ausreichend geschützt sind, als Wildtiere“, sagt sie.Dass der Wolf nachts die Schafe angegriffen hat, sei absolut typisch für die Wildtiere, sagt Markus Biernath, Forstbezirksleiter bei Sachsenforst. „Sie sind scheu, und sie wollen eine Begegnung mit dem Menschen vermeiden.“

Wölfe brauchen keine menschenleere Wildnis

Biernath sieht keinen Zusammenhang zwischen den vermehrten Wolfsrissen und den ruhigeren Coronazeiten, in denen sich die Wölfe vermeintlich näher an den Menschen herangetraut hätten. „Im Gegenteil, die Wälder wurden in Pandemiezeiten ja viel eher von den Menschen zum Spazieren genutzt“, sagt er.

Der Naturschutzverband Nabu sieht in der ansteigenden Wolfspopulation ein Zeichen dafür, dass es auch für einst ausgerottete heimische Tierarten in der heutigen Kulturlandschaft genügend Lebensraum gibt. Wölfe würden keine menschenleere Wildnis benötigen, sondern Rückzugsräume für die Aufzucht ihrer Jungen sowie genügend Beute. Dass die Wolfspopulation deutschlandweit jährlich um ein Drittel anwächst, sei bei der hohen Wilddichte hierzulande üblich.

Bereits am 22. März waren der Fachstelle Wolf zwei tote und ein vermisstes Schaf in Schönfeld-Weißig gemeldet worden. Sie führte noch am selben Tag eine Begutachtung durch. Die Herde bestand damals ursprünglich aus vier Tieren, drei weiblichen Schafen und einem Bock. „Alle vorgefundenen Merkmale sprachen dafür, dass ein Wolf als Verursacher infrage kommt“, so Sprecherin Karin Bernhardt im Mai. Die Mindestschutzanforderungen seien nicht erfüllt gewesen. Auch im Spätherbst 2019 hatte es einen Fall von toten Nutztieren gegeben, als am 23. November in Weißig zwei tote Schafe gefunden wurden. „Die Fachstelle hat auch in diesem Fall die Begutachtung vorgenommen. Demnach ist der Wolf als Verursacher hinreichend sicher“, so Karin Bernhardt.

Erst im Oktober zuvor war bekanntgeworden, dass sich ein Wolfsrudel in der Dresdner Heide angesiedelt hat. Markus Biernath von Sachsenforst hatte den Standort konkretisiert, an dem die ausgewachsenen Tiere sowie vier Wolfswelpen gesichtet wurden. Das Rudel wurde zwischen dem Wiesenareal Hofewiese und dem Dachsenberg gesehen.In diesem Gebiet - das nicht mit dem Ausflugsziel Hofewiese gleichzusetzen ist - hatte eine Wildkamera im August den Fotobeweis geliefert

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