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Sachsen warnt vor Wolfsrissen

In den kommenden Wochen muss verstärkt mit Angriffen auf Nutztiere gerechnet werden, sagen Experten. Tierhalter in Sachsen sollen sich schützen.

Wolfsrisse werden häufiger - das liegt auch an mehr Exemplaren im Freistaat.
Wolfsrisse werden häufiger - das liegt auch an mehr Exemplaren im Freistaat. © Lino Mirgeler/dpa

Dresden. In Sachsen warnt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie vor einer Zunahme von Wolfsübergriffen in den kommenden Wochen. Vom Spätsommer bis zum Herbst sei verstärkt mit Angriffen auf Nutztiere zu rechnen, teilte die Behörde mit. Der Grund sei ein erhöhter Nahrungsbedarf der inzwischen fast ausgewachsenen Wolfswelpen.

Bis zum Stichtag 24. August kam es in diesem Jahr zu insgesamt 102 Schadensfällen bei Nutztieren, bei denen der Wolf in 54 Fällen als Verursacher hinreichend sicher festgestellt werden konnte. Die Zahl der Tiere, die bei Wolfsangriffen getötet oder verletzt worden oder seitdem vermisst werden, liegt aktuell bei 168. Regionale Schwerpunkte der Angriffe waren zuletzt der Kreis Nordsachsen sowie der Bereich um die Dresdner Heide.

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24 Wolfsrudel in Sachsen

Im Vorjahr kam es im Freistaat zu 135 Wolfsangriffen, bei denen 547 Nutztiere getötet oder verletzt wurden. Besonders betroffen waren die Landkreise Bautzen und Nordsachsen. 2019 wurde Tierhaltern bei bestätigten Wolfsrissen insgesamt 132.700 Euro Schadensausgleich gezahlt. In diesem Jahr sind es bisher 52.000 Euro. Damit liegt Sachsen im Bundestrend.

Voraussetzung für Entschädigungen sind der vorgeschriebene Mindestschutz der Herden, eine Schadensmeldung innerhalb von 24 Stunden sowie ein Gutachten durch Rissgutachter der Fachstelle Wolf. Der Schadensausgleich selbst ist bei der Landesdirektion Sachsen zu beantragen.

Innerhalb des Ende April abgeschlossenen Monitorjahres 2019/2020 wurden in Sachsen vorläufig 24 Wolfsrudel nachgewiesen, in denen mindestens 78 Welpen aufgezogen wurden. Laut dem Landesamt wird der saisonale Anstieg von Wolfsübergriffen bereits seit Jahren beobachtet. 

Schafe und Ziegen sind leichte Beute

Sprecherin Karin Bernhardt: „Neben dem erhöhten Nahrungsbedarf der Wolfswelpen hängt das auch damit zusammen, dass Kitze, Hirschkälber und Frischlinge, die im Frühling und Sommer für Wölfe noch eine leichte Beute waren, jetzt zu reaktionsschnellen Wildtieren herangewachsen sind.“ 

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Leserbrief von Jäger Dr. Jürgen Schierig, Zabeltitz, zu den Beiträgen "Sachsen warnt vor mehr Wolfsrissen" und "Wölfe reißen fünf Schafe", SZ vom 31. August, S. 1 und 7:

Aufgrund ihrer geringen Größe und dem kaum vorhandenen Verteidigungs- oder Fluchtvermögen seien das jetzt eher Schafe und Ziegen in extensiver Freilandhaltung. Die Behörde rät deshalb zur Vorsorge. Wer seine Tiere über Nacht nicht im Stall unterbringen kann, sollte auf einen wirksamen Herdenschutz achten. Geraten wird zu stromführenden Zäunen mit einer Mindesthöhe von 100 bis 120 Zentimetern, da diese den Wolf in der Regel erfolgreich abschrecken. Die Kosten dafür werden komplett erstattet.

Für die Förderung entsprechender Präventionsmaßnahmen stellte der Freistaat allein 2019 über 1,4 Millionen Euro bereit. Dieses Jahr flossen bereits 418.000 Euro.

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