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Wolfsrudel nahe der Hofewiese gesichtet

Eine Wildtier-Kamera hat das neue Dresdner Rudel aufgenommen. Wie sich Bauern jetzt schützen wollen.

Der Wolf ist in der Dresdner Heide angekommen: Hier hat sich ein Rudel mit mehreren Jungtieren niedergelassen.
Der Wolf ist in der Dresdner Heide angekommen: Hier hat sich ein Rudel mit mehreren Jungtieren niedergelassen. © dpa-Zentralbild

Die Nachricht verbreitete sich rasant in der Stadt: Ein Wolfsrudel hat sich in der Dresdner Heide angesiedelt. Nun konkretisiert Markus Biernath von Sachsenforst den Standort, an dem die ausgewachsenen Tiere sowie vier Wolfswelpen gesichtet wurden. Die Wolfsfamilie wurde zwischen dem Wiesenareal Hofewiese und dem Dachsenberg gesichtet. In diesem Gebiet – das nicht mit dem Ausflugsziel Hofewiese gleichzusetzen ist – hat eine Wildkamera bereits im August den Fotobeweis geliefert. Bisher gibt es davon abgesehen aber noch keine weiteren Spuren, die auf die Ansiedlung hinweisen, so Biernath.

Genau das ist der Grund, warum sich FDP-Stadtrat Holger Zastrow, der auch Eigentümer des Landguts Hofewiese ist, mit einem Urteil derzeit zurückhalten will. Ein Foto sei für ihn kein eindeutiger Beweis, erklärt er am Telefon. Er habe seine Zweifel, ob man schon davon sprechen könne, dass ein Wolfsrudel in der Heide sesshaft geworden ist. Aber seine Nachbarn im Areal hätten die Tiere auch schon gesehen. 

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Dennoch blieben Anwohner der Ortschaften Langebrück und Weixdorf seiner Erfahrung nach gelassen. Zudem habe es in der Heide noch nie Vorfälle gegeben. Auch deshalb warnt Zastrow vor Panikmache. „Ich möchte ein Beispiel aus der Vergangenheit nennen. Im letzten Jahr hieß es, es gäbe gefährliche Eichenprozessionsspinner auf der Hofewiese. Gefunden wurde ein Nest einen Kilometer außerhalb unseres Geländes mitten im Wald. Es ging keinerlei Gefahr für unsere Besucher aus. Dennoch gab es Leute, die dachten, sie könnten nicht mehr in die Heide gehen oder zu uns kommen.“

"Die Wölfe suchen das Weite"

Sollte sich weiter verfestigen, dass sich das Wolfsrudel angesiedelt hat, würde ihm das trotzdem keine Sorgen bereiten, sagt Zastrow. „Die Wölfe suchen das Weite in belebten Gebieten, und gerade bei uns ist so viel los, dass es die Tiere wohl eher verschrecken würde.“ Dennoch gibt er auch zu: Wenn der Wolf tatsächlich nah an den Menschen herankomme – etwa in Ausflugsgebiete mit vielen Wanderern – müsse man natürlich reden. 

Im Gespräch mit Förstern und Jägern höre er immer wieder denselben Satz: „Wir müssen unser Verhältnis zum Wolf überprüfen.“ Was er damit meint: Sollte das Tier zu dicht am Menschen sein, müsse man Grenzen aufzeigen. Das hieße im Zweifelsfall bejagen. „Das tun wir in Sachsen aber nicht.“ Generell halte es Zastrow so: Der Wolf gehöre zur Natur – aber in Maßen.

Auch Markus Biernath von Sachsenforst warnt vor Panik: „Grundsätzlich ist der Wolf sehr scheu und würde nicht näher als 100 Meter an den Menschen herankommen“, sagt er. Außerdem siedele er nicht an einem konkreten Ort, sondern bewege sich viel und laufe umher. Zur Vorsicht mahnt Biernath aber bei Hundehaltern. „Hunde gehören in der Heide an die Leine.“ 

Marie Neuwald vom Nabu rät Hundebesitzern, ihren Hund in der Heide anzuleinen. „Auch wenn der Vierbeiner auf's Wort hört, sollte man ihn nie aus den Augen lassen“, sagt sie. Denn wenn ein Hund eine Fährte des Wolfes aufnehmen würde und diesem zu nahe käme, würde der Wolf sein Revier verteidigen. Tierärztin Schewe gibt aber Entwarnung beim Wolf als Krankheitsüberträger auf Hunde.

Kinder nicht allein im Wald spielen lassen

Der Bauernverband warnte indes vor einer Ausbreitung des Wolfes und will Rinder und Schafe besser schützen. „Aktuell ist das Risiko nicht abschätzbar, daher sollten Vorsichtsmaßnahmen in Waldgebieten eingehalten werden“, erklärt Thomas Zaeske vom Sächsischen Landesbauernverband. Neben dem Schutz der Nutztiere rät er dazu, Kinder nicht unbeaufsichtigt im Wald spielen zu lassen. „Durch geräuschvolle Bewegungen durch den Wald und Gespräche können die Wölfe abgeschreckt werden“, so Zaeske. 

Nabu-Expertin Neuwald kann Tierhalter etwas beruhigen. „Unseren Studien nach machen Nutztiere wie Schafe und Rinder nur ein bis zwei Prozent der Nahrung von Wölfen aus“, sagt sie. Am häufigsten würden sich die Wölfe von Rehen und Wildschweinen ernähren.

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