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Wolfsteichbach brachte Unheil

Familie Zimmer wurde vom Unwetter schwer betroffen. Stiftung Lichtblick hilft den Scharfenbergern.

Von Dieter hanke

Nachts schreckt sie oft aus dem Schlaf. Das Grauen ist wieder da. Als die Wassermassen in das Haus eindrangen, als große Felsbrocken und Stämme gegen Wände krachten. „Ich werde dieses Unheil mein Leben lang nicht vergessen“, sagt Sylke Zimmer aus Reppina. In 20 Minuten hatte an jenem Dienstagnachmittag vor gut zwei Wochen der Wolfsteichbach ihr Grundstück am Schachtberg 2 verwüstet. „Es war wie im Film“, sagt die 55-Jährige. An die zwei Meter tief ist das Bachbett unmittelbar am Haus. „Das Wasser stieg und stieg. Steine und Bäume wurden fortgerissen, knallten gegen die Brücke am Haus“, sagt sie. Es regnete in Strömen, die Fluten stauten sich. Der Bach floss bald auf der angrenzenden Straße. Schlamm und Geröll türmten sich auch an der Kreuzung der B 6. Zu allem Unglück wurde noch eine Brücke oberhalb eines Nachbarn fortgeschwemmt und setzte sich vor Zimmers Durchlass. „Das war das Ende. Jetzt waren die Wassermassen tosend. Ich hatte große Angst“, sagt die Scharfenbergerin über jene Minuten, die das Leben ihrer Familie veränderten.

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PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
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Beim schweren Unwetter vor Tagen richteten die Wassermassen des Wolfsteichbaches schwere Schäden in Reppina an. Foto: privat
Beim schweren Unwetter vor Tagen richteten die Wassermassen des Wolfsteichbaches schwere Schäden in Reppina an. Foto: privat

Selbst zum Weinen hatte sie bald keine Kraft mehr, als das Wasser langsam wieder abfloss und riesige ›Schäden hinterließ. In den unteren Räumen des Grundstücks stand der Schlamm fast zwei Meter hoch, Schuppen wurden eingedrückt, der Garten eine braune, stinkende Fläche. Und immer neue Hiobsbotschaften: Möbel, Kühltruhe, Heizung, Solarium, Fahrräder, Lebensmittel, Werkzeuge, Rasenmäher und anderes waren nur noch Müll. Auf etwa 150 000  Euro werden die Schäden geschätzt.

Zwei Wochen nach diesem verheerenden Unwetter haben Zimmers einigermaßen wieder Fuß im Alltag gefasst. „Es muss weitergehen“, sagt die Scharfenbergerin. Sie und ihr Mann Eckhard sprechen sich gegenseitig Kraft zu. Es macht ihnen auch Mut beim Neuanfang, dass ihnen viele zur Seite stehen: Ihre zwei Töchter und Partner, die Enkelkinder, Freunde, Nachbarn, die Gemeinde, Feuerwehrleute. Noch am Unglückstag begann der Bau- und Fuhrbetrieb Günter Vogt aus Klipphausen mit Radladern und Baggern, Geröll und Schlamm fortzuschaffen und das völlig mit Gesteinsbrocken zugesetzte Bachbett zu befreien.

„Ihnen allen ein großes Dankeschön für ihre Hilfe“, sagt Frau Zimmer. Sechs Sperrmüllcontainer wurden schon beladen. Die Gemeinde will für die Kosten aufkommen.

Noch ist der Schlamm nicht gänzlich aus dem Grundstück verschwunden, es riecht modrig. Der siebenjährige Hund Shya ist noch verstört. Familie Zimmer freut sich, dass der Kater wieder da ist. Er hatte sich nach dem Unwetter tagelang nicht blicken lassen. Sylke und Eckhard Zimmer planen die nächste Schritte. Eine neue Heizung soll nun im Dachgeschoss installiert, der Putz in den unteren Räumen muss abgehackt werden. Was mit der Versicherung wird, ist noch unklar. Eine Elementarversicherung haben Zimmers nicht, die Versicherungsgesellschaften lehnten schon vor Jahren ab. Gutachter für die Hausratversicherung waren noch nicht da. „Wir hoffen, dass uns der Freistaat unterstützt“, sagt sie. Wie sie das finanziell alles bewältigen wollen, ist noch unklar.

Sylke Zimmer ist Scharfenbergerin. Hier ging sie in den Kindergarten, in Naustadt und Pegenau zur Schule. Sie lernte Verkäuferin, arbeitete dann im Büro, ist heute Nageldeisignerin. Ihr Mann stammt aus Weinböhla, ist Elektromeister. „Wir lieben Scharfenberg, die Täler, die Traditionen des Bergbaus“, sagt Sylke Zimmer. Seit 1978 leben sie in dem Haus am Schachtberg 2. 1950 wurde dieses erbaut. Mitte der 90er Jahre haben Zimmers Haus und Grundstück von der Gemeinde erworben.

Vor 20 Jahren hätte schon einmal der Wolfsteichbach ihr Grundstück in Mitleidenschaft gezogen. „Da waren aber die Schäden nicht so immens“, sagt die Scharfenbergerin. Was jetzt zu dem Unglück führte, muss noch genau von Experten analysiert werden. Sicher spielt da auch mit eine Rolle, dass der Durchlass des Wolfteichbaches an der Kreuzung der B 6 zu klein ist, die Wassermassen nicht fasst. Auch über die Stützmauer an Bachbett und Kreisstraße, die sich unweit von Zimmers Grundstück befindet, schütteln Bauexperten den Kopf. Erst in diesem Jahr war die neue Mauer aus Natursteinen errichtet worden. Doch an der engen Kreisstraße am Bachbett wurde sie zum Hindernis für die starken Fluten. Von der neuen Mauer blieben jetzt nur noch Reste übrig. Die Brocken befanden sich entlang des Bachbettes.

Die Stiftung Lichtblick wird dieser Scharfenberger Familie helfen. So sollen ihr Leid und ihre Sorgen etwas gemindert werden.