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Wollen die Löbauer eine neue Allee?

Einwohner der Stadt setzen sich für die Honigbrunnen-Auffahrt ein. Ihr Ziel: Herauszufinden, was die Mehrheit der Löbauer denkt.

Von Gabriel Wandt

Sie wollen sich nicht damit abfinden, was da am Löbauer Berg geschehen ist. Noch immer treibt die Fällaktion viele Löbauer um. Zwei von ihnen starten daher nun eine Unterschriftenaktion. Das Ziel sei aber nicht, auf Biegen und Brechen den alten Zustand wiederherzustellen, sagt Norbert Mosig. Der gebürtige Löbauer hat die Initiative ins Leben gerufen, mit vielen Menschen in der Stadt gesprochen und im Unternehmer Reinhart Keßner einen prominenten Erstunterstützer gefunden. Mosig geht es darum, nachvollziehbar herauszufinden, was die Mehrheit der Löbauer über eine Bürgerallee denkt, eine Allee also, die von den Einwohnern mitgetragen wird. Das hofft er mit der Resonanz der Unterschriftenaktion zu schaffen. Die Allee soll an der Honigbrunnenauffahrt entstehen, wo zu Jahresbeginn im Auftrag der Stadtverwaltung mehrere Hundert Bäume gefällt wurden und ein schmaler schattiger Wanderweg zu einer breiten Schneise wurde. Das trifft den Ebersdorfer, für den Familie und Heimatverbundenheit sehr wichtige Werte sind, bis heute. „Für mich ist das ein Stück Heimat gewesen“, sagt der 43-Jährige. Als die Bäume fielen, überlegte er, wie er darauf reagieren könnte. Lediglich der Protest gegen die Aktion reichte ihm nicht. „Ich bin Diagnosetechniker, ich versuche, Lösungen zu finden“, sagt der Kfz-Meister. Und er ist überzeugt, dass sich zu einer Entscheidung immer auch eine Alternative finden lässt. Dass es keinen anderen Weg gegeben habe, als all die Bäume fällen zu lassen, glaubt er nach wie vor nicht.

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Vorher– nachher: Die alten Bäume spendeten Schatten und sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre an der Auffahrt zum Honigbrunnen auf dem Löbauer Berg. Jetzt zeigt sich dort eine breite Schneise. Das stößt vielen Löbauern immer noch auf. Fotos: privat/M
Vorher– nachher: Die alten Bäume spendeten Schatten und sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre an der Auffahrt zum Honigbrunnen auf dem Löbauer Berg. Jetzt zeigt sich dort eine breite Schneise. Das stößt vielen Löbauern immer noch auf. Fotos: privat/M
Vorher– nachher: Die alten Bäume spendeten Schatten und sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre an der Auffahrt zum Honigbrunnen auf dem Löbauer Berg. Jetzt zeigt sich dort eine breite Schneise. Das stößt vielen Löbauern immer noch auf. Fotos: privat/M
Vorher– nachher: Die alten Bäume spendeten Schatten und sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre an der Auffahrt zum Honigbrunnen auf dem Löbauer Berg. Jetzt zeigt sich dort eine breite Schneise. Das stößt vielen Löbauern immer noch auf. Fotos: privat/M

Nun setzt er darauf, dass die Löbauer sich zu Wort melden. Gerade die älteren Leute wüssten, was Natur und Wald für ein Schatz seien, ist er überzeugt. Sicherlich sei die Aktion am Löbauer Berg forstwirtschaftlich gesehen effektiv gewesen. „Die Bürger aber wollen dort etwas Neues wachsen sehen“, ist Mosig überzeugt. Deswegen greift er die Forderungen nach Wiederaufforstung auf. Die Flächen lediglich dem Wildwuchs zu überlassen, hält er nicht für sinnvoll. Auch daran, dass Sträucher an der für die Löbauer so besonderen Stelle etwas ausrichten können, zweifelt er. Dass diese gepflanzt werden könnten, hatte die Stadt in Aussicht gestellt. Mosig und Keßner wollen mehr, sie wollen dort wieder Bäume sehen, wollen den Erholungscharakter des Weges wieder herstellen. Neue wesentliche Sichtachsen, die durch die Fällaktion entstanden seien, habe er jedenfalls noch nicht entdeckt, meint der Ebersdorfer. „Dafür kann man jetzt von der Ampel am Honigbrunnen das Rathaus sehen.“

Die Unterschriftenaktion ist angeschoben. In den Schaufenstern des Ladengeschäfts Stempel-Keßner in der Bahnhofstraße sind die Listen zu sehen, im Geschäft liegen sie aus. Mosig hofft, dass sich weitere Unterstützer finden, die Listen präsentieren. „Ich glaube, dass ein wesentlicher Teil der Bevölkerung dafür ist, dass dort wieder aufgepflanzt wird“, sagt der Ebersdorfer. In den kommenden Tagen soll die Aktion ausgeweitet werden, die Pläne dafür werden jetzt fertiggestellt.

Wenn die Listen gefüllt sind, wollen die Initiatoren sie dem Stadtrat übergeben. Mosig und Keßner sind sich bewusst, dass sie kein Bürgerbegehren anstoßen und die Listen keine bindende Wirkung haben. Sie setzen trotzdem darauf, dass die Aktion ihre Wirkung nicht verfehlen wird. Wenn links und rechts der Straße die Baumreihen wieder entstehen und darüber hinaus der Wildwuchs zugelassen wird, wäre schon viel erreicht, ist Mosig überzeugt.

Um der Initiative Nachdruck zu verleihen, können Interessenten Ihre Unterstützung auf einer Absichtserklärung signalisieren. Hilfe ist möglich durch eine Sachspende, etwa einen Baum, durch Spenden von Zeit, beispielsweise fürs Pflanzen, oder durch Geld. Das Positive an einer Bürgerallee sei, dass sie Gemeinsinn fördert und damit Menschen, Stadt und Berg verbindet, ist Mosig überzeugt.