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Arbeit als Hebamme in der Pandemie

Hebammen verschaffen Neugeborenen auch in der Corona-Krise einen guten Start ins Leben.

Stephanie Hahn-Schaffarczyk zeigt ihr hölzernes Hörrohr, mit dem sie die Herztöne des Ungeborenen abhört.
Stephanie Hahn-Schaffarczyk zeigt ihr hölzernes Hörrohr, mit dem sie die Herztöne des Ungeborenen abhört. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Kinder werden immer geboren – egal, ob die Welt gerade eine Corona-Pandemie erlebt oder nicht. Und damit alle werdenden Mütter in der Schwangerschaft, zur Geburt und in den ersten Wochen mit dem Baby professionelle Hilfe bekommen, gibt es engagierte Hebammen.

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Eine von ihnen ist Stephanie Hahn-Schaffarczyk, die diesen schönen und manchmal anstrengenden Beruf im Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda ausübt. Sie vertritt aber auch als Erste Vorsitzende des Sächsischen Hebammenverbands rund 850 Kolleginnen gegenüber den Krankenkassen und der Sächsischen Landespolitik. Die Hoyerswerdaerin sagt: Die Arbeit der Hebamme hat sich durch die Corona-Pandemie verändert, weil die physische Nähe zur Schwangeren, Gebärenden oder der jungen Mutter mit Kind auf ein Minimum beschränkt bleiben muss.

Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse finden jetzt meist per Videoübertragung statt, um die Ansteckungsgefahr für alle Beteiligten zu minimieren. Viele Frauen nutzen die Online-Angebote gern, aber auf dem Land ist die Internetverbindung manchmal so schlecht, dass als Alternative nur die Einzelbetreuung bleibt, erklärt Stephanie Hahn-Schaffarczyk. Auf den Geburtsvorbereitungskurs zu verzichten findet sie nicht gut, denn dann müssen Hebammen in Kliniken den Frauen den Geburtsvorgang erklären. Dafür haben diese meist keine Zeit, weil die Personaldecke zu dünn ist. Laut der geltenden Corona-Schutz-Verordnung dürfen Hebammen zwar wieder Kurse in Kleingruppen, mit Mindestabstand von 1,50 Meter und Maskenpflicht durchführen, betriebswirtschaftlich rechnet sich das aber nicht, so die Vorsitzende des Sächsischen Hebammenverbandes. Deshalb haben die freiberuflichen Kolleginnen in den letzten Wochen Verdienstausfälle, einige bis zu 70 %.

Zum Hausbesuch gehen Hebammen schon immer mit Handschuhen und Desinfektionsmittel, nun brauchen sie auch den textilen Mundschutz. Hat eine Schwangere oder junge Mutter Erkältungssymptome oder ist positiv auf das Corona-Virus getestet, muss die Hebamme zusätzlich einen Schutzanzug, ein Plastikvisier und eine medizinische FFP2- oder FFP3-Maske tragen. So einen Fall gab es aber in Hoyerswerda und Umgebung noch nicht, laut Stephanie Hahn-Schaffarczyk. Je mehr Fragen rund ums Kinderkriegen und den Schutz vor dem Corona-Virus telefonisch besprochen werden, desto kürzer weilt die Hebamme bei der Schwangeren oder der jungen Mutter mit ihrem Baby.

Die Hebamme weist darauf hin, dass ihr Beruf nicht gleich zu Beginn der Pandemie, sondern erst auf Druck des Verbandes als systemrelevant eingestuft wurde. Es dauerte einige Wochen, bis eine geregelte Versorgung mit dem so wichtigen Schutzmaterial begann. Am 30. April erhielt der Sächsische Hebammenverband von der Sächsischen Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Petra Köpping, eine Spende von 3000 textilen Masken aus Vietnam. „Seitdem funktioniert alles“, sagt Stephanie Hahn-Schaffarczyk glücklich. Auch Handschuhe und Desinfektionsmittel gibt es wieder zu marktüblichen Preisen zu kaufen.

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