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Womit kann Bischofswerda Babys glücklich machen?

Das Bargeld als Geschenk wird abgeschafft. Jetzt läuft die Suche nach dem netten Ersatz.

© dpa

Von Gabriele Naß

Womit macht man Eltern von Bischofswerdas Nachwuchs eine Freude? Womit sagt man ihnen Dank dafür, sich für ein Kind entschieden zu haben? Und was ist sinnstiftend für das Neugeborene? Was ist ein Geschenk, von dem das Kleine noch etwas hat, wenn es längst groß ist? Nachdem der Stadtrat am Dienstagabend in Abwesenheit von fünf Abgeordneten einstimmig für die Abschaffung von 50 Euro Bargeld als Begrüßungsgeschenk gestimmt hat, soll jetzt ein Päckchen gepackt werden, das den Eltern und ihrem Baby in nettem Rahmen wahrscheinlich beim traditionellen Fest am Weltkindertag überreicht wird; erstmals in diesem September.

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Was die Familien künftig genau geschenkt bekommen, wird überlegt. Bischofswerdas Marketingchef Stephan Härtel ist beauftragt, bis Juni einen konkreten Vorschlag zu machen. Erste Ideen hatte die Stadtverwaltung schon unterbreitet, bevor sie mit dem Vorschlag zur Abschaffung des Bargeldgeschenkes vor die Abgeordneten trat. Eintrittskarten für Tierpark und Freibad gehören dazu, sie haben auch weiterhin Priorität. Ziel ist, nicht auf die Geste zu verzichten, aber diese so zu reformieren, dass das Geschenk Bischofswerda im Namen hat. „Imagefördernd“, nennt das OB-Stellvertreterin Inga Skambraks, die die Neuausrichtung im Namen der Verwaltung verteidigt: 50 Euro seien für niemanden ein Grund, in Bischofswerda ein Kind zu bekommen. Es habe zudem einen wirtschaftlichen Mehrwert, wenn Eltern mit ihren Kindern den Tierpark und das Bad besuchen, beides Einrichtungen, deren Betrieb die Stadt jährlich mit großen Summen bezuschussen muss. Von der Linken-Fraktionsvorsitzenden Dr. Helgard Schmidt ist eine attraktive Münze ins Gespräch gebracht worden. Im Rathaus wird auch diskutiert, hier vorhandene kleine Holz-Schieböcke jeweils mit dem Namen des Babys zu versehen und zu verschenken. Münze wie Schiebock als Symbolgeschenk finden viele Stadträte gut. Auf der Facebook-Seite der SZ werden auch Ideen diskutiert: Kirschkernkissen, Sitzball für Mama, Papa & Kind, Babyfon, Fieberthermometer nur fürs Baby, Baby-Beruhigungs-CD, Kapuzentuch fürs Baby … Die Stadt könnte außerdem für jedes Kind einen Baum pflanzen lassen, schreibt jemand.

Das neue Begrüßungspaket kommt mit Blick auf die Stadtkasse. Die Verwaltung und der Stadtrat haben sich der freiwilligen Haushaltskonsolidierung unterworfen, um dem finanziellen Kollaps der Stadt Bischofswerda zuvorzukommen. Das heißt Verzicht auf neue Kredite und eisernes Sparen nicht zuletzt bei freiwilligen Leistungen wie dem Begrüßungsgeld. Bei durchschnittlich 95 Babys für Bischofswerda im Jahr sind 3 000 Euro Ausgabenreduzierung durch den Wechsel von Barem auf ein Begrüßungspaket schon eingeplant. Damit die Rechnung aufgeht, wird der Inhalt des Päckchens die Stadtkasse nicht mit mehr als zwanzig Euro belasten dürfen, erklärte Kämmerin Viola Weidner Dienstag im Stadtrat.

Nicht zum ersten Mal steht das Babybegrüßungsgeld zur Diskussion. Mehrmals in der Vergangenheit hatten Fraktionen wie Linke und SPD Anlauf zu einer Reform genommen – immer im Zusammenhang mit Einsparzwängen. Bis heute hielt die CDU-Mehrheitsfraktion dagegen. Gestern sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Ursula Reitner auf Anfrage, die Wende sei nun wegen der Haushaltslage unumgänglich. Es sei der Verwaltung vorzuwerfen, zu wenig für die Ansiedlung von Unternehmen getan zu haben, weswegen es jetzt an Wirtschafts- und Steuerkraft fehle, aus der heraus Bischofswerda freiwillige Leistungen wie die Babybegrüßung nur finanzieren kann.

In der Öffentlichkeit erregt das Thema Babygeschenk größte Aufmerksamkeit. Als die SZ die Nachricht vom Wechsel von Barem zu Päckchen auf Facebook gepostet hatte, haben das binnen kurzer Zeit über eintausend Nutzer gelesen und nicht wenige kommentierten. Die Facebookgemeinde kritisiert den Verzicht auf das 50-Euro-Geschenk mehrheitlich. Die, die dagegenhalten, argumentieren zum Beispiel damit: „In Berlin gibt‘s gar nichts, wenn du ein Baby bekommst. Freut euch doch!“

Bischofswerda zahlte Babygeld in der jetzigen Höhe seit 1994.Auf ein Wort