merken
PLUS

Woran Sachsen krankt

Der Jahresreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit verzeichnet einen Rekordanstieg bei Erkältungen. Häufigster Grund für Krankschreibungen sind aber Rückenprobleme.

© dpa

Von Thilo Alexe

Der kalte Winter und der dann folgende winterliche Frühling haben im vergangenen Jahr etlichen Sachsen gesundheitliche Probleme beschert. Wie in keinem anderen Bundesland sind im Freistaat Fehltage wegen Hustens und Schnupfens angestiegen. Das ist einer der Gründe, warum sich der Krankenstand 2013 erhöhte. In ihrem Jahresreport nennt die Kasse DAK-Gesundheit aber noch andere.

Energie - Strom und Wärme in Sachsen
Energie sinnvoll nutzen und gewinnen
Energie sinnvoll nutzen und gewinnen

Wind- und Sonnenenergie sind unersetzlich für eine erfolgreiche Energiewende - hier informieren wir über die neuesten Entwicklungen.

Quelle: DAK, Grafik: SZ/Gernot Grunwald
Quelle: DAK, Grafik: SZ/Gernot Grunwald

Freistaat über den Bundesschnitt

Im Vergleich zum Bund sind Sachsen häufiger krankgeschrieben. Der Krankenstand lag im vergangenen Jahr bei 4,4 Prozent, deutschlandweit bei vier Prozent. Anders ausgedrückt: Pro Tag hatten sich im Freistaat von 1.000 Arbeitnehmern im Schnitt 44 krankgemeldet, bundesweit 40. Für die Erhebung hat die DAK die Daten von mehr als 70.000 erwerbstätigen Versicherten in Sachsen ausgewertet.

Psychische Erkrankungen auf Rang vier

Probleme im Muskel-Skelett-System sind die häufigste Ursache für Krankschreibungen. Flapsig formuliert: Der Sachse hat Rücken. Jeder fünfte Krankheitstag resultiert aus Schmerzen im Genick, Rücken oder Steiß und damit häufig durch einen Mangel an Bewegung und Sport. Zweithäufigste Ursache sind Husten und Schnupfen. Auffällig: Erstmals seit neun Jahren sind Fehltage wegen psychischer Erkrankungen rückläufig. „Der seit Jahren andauernde Trend ist damit gebrochen“, sagt DAK-Landeschefin Steffi Steinicke. Allerdings sind geringfügig mehr DAK-Versicherte (5,1 Prozent) als 2012 von psychischen Leiden betroffen, die in der Krankschreibungsskala den vierten Rang einnehmen.

Krank im Gesundheitswesen

Krankenschwestern, Ärzte und Pfleger sind offenbar besonders stark beruflich beansprucht und daher anfälliger für Krankheiten. Mit 4,7 Prozent haben Beschäftigte des Gesundheitswesens den höchsten Krankenstand in Sachsen. Es folgen Mitarbeiter aus Branchen des verarbeitenden Gewerbes, des Handels und der Verwaltung. Seltener krank waren Beschäftigte im Baugewerbe, Anwälte und Versicherte aus den Bereichen Bildung, Kultur und Medien.

Gesunde 25- bis 39-Jährige

Dieser Altersgruppe widmet der Report eine vertiefende Untersuchung. Wie geht es denen, fragt die DAK, die die „Rushhour des Lebens“ durchlaufen, die also heiraten, Kinder bekommen und sich im Job etablieren wollen? Verblüffende Antwort: besser als gedacht. Die Lebensphase ist zwar eine stressige mit vielschichtigen Belastungen. Dennoch sind Sachsen in diesem Alter am seltensten krankgeschrieben. Der Leiter der Tagesklinik für Psychotherapie an der TU Dresden, Professor Jürgen Hoyer, hat dafür eine Erklärung: „Sie ist in der Lage, ihre Bedürfnisse besser zu befriedigen“, sagt der Wissenschaftler mit Blick auf die Gruppe. Ihren Mitgliedern gelingt es häufig, Befriedigung über Job und Privatleben zu erlangen. Und die Stresslast damit im Zaum zu halten.

Kritik von Müttern

Die Hälfte der sächsischen Mütter sagen: „Ohne Kinder wäre ich in meinem beruflichen Fortkommen schon weiter.“ Dagegen stimmen nur 13 Prozent der Väter dieser Aussage zu. Das zeigt: Männer und Frauen mit Kindern fühlen sich im Job offenbar recht unterschiedlich behandelt. Knapp drei Viertel der berufstätigen sächsischen Eltern wünschen sich Gleitzeit und bessere Rücksichtnahme bei der beruflichen Terminplanung. Knapp zwei Drittel sehen einen Betriebskindergarten als hilfreich an. Zusätzliche finanzielle Leistungen empfinden 55 Prozent als Erleichterung, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Arbeitgeber sind also gefordert. Erfreulich: Von den 25- bis 29-Jährigen ohne Kinder sagen mehr als die Hälfte, dass sie Nachwuchs wollen und davon ausgehen, auch ihre berufliche Karriere verwirklichen zu können.

Investitionen in Gesundheit

Damit jüngere Beschäftigte bis zur Rente und darüber hinaus fit bleiben, fordert die DAK Arbeitgeber zu Investitionen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter auf. Obwohl der Krankenstand der 25- bis 39-Jährigen Sachsen gering ist: 41 Prozent von ihnen waren bereits mit Muskel- und Skelettproblemen beim Arzt. Zudem haben mehr als ein Viertel aus der Altersgruppe Hilfe wegen psychischer Probleme gesucht.