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Worte für das Herz

Haben auch Sie Verse oder Melodien parat zur eigenen Ermunterung?

Von Johann Stein

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ So hören und singen wir es wieder in der jetzt begonnenen Adventszeit. Vertraute Melodien, Texte, die sich in die Gedanken schleichen, begleitet von Erinnerungen an die mehr oder weniger vielen Advente, die das Leben schon gebracht hat. Texte voller Hoffnung und Erwartung, die die alte Sehnsucht der Menschheit nach Frieden und Gerechtigkeit aufgreifen und mit vertrauten Inhalten füllen.

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„Jetzt kommt wieder die Zeit der Vertrautheit“, sagte mir eine Patientin. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;‘ das kann ich: Mich vorbereiten, mich öffnen, mich hineinfallen lassen.“ Und dann erzählt sie mir von den Zwängen, die ihr in ihrer Depression zu schaffen machen, die ihr manchmal wie Scheuklappen den Blick versperren und vieles um sie herum nicht wahrnehmen lassen.

„Da kann es schon sein, dass ich beim Einkauf zu der Musik leise mitsinge: `Komm o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.‘ Es sind die Lieder und Texte, die mich seit Jahren begleiten, seit ich gemerkt habe, welche Hoffnung und Sehnsucht darin steckt; genau wie bei mir: Die Sehnsucht, aus der Krankheit herauszukommen. Das gelingt in guten Zeiten gut und in schlechten Zeiten weniger gut. Aber die Texte, Worte und Melodien geben mir Heimat.“

„Und es sind nicht nur die Lieder des Adventes“, so erzählt sie weiter, „es sind die Psalmen wie der 23. Psalm: ‚Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.‘ Oder der Psalm 121: ‚Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.‘“

Deshalb hat sie die Texte auswendig gelernt. Um sie für sich zu haben, um diesen Schatz der Zusage Gottes bei sich zu haben und in den nicht so einfachen Situationen abrufen zu können. Kein Auswendiglernen, um sich abfragen zu lassen, sondern ein Aneignen und wie eine Zusage in sich tragen. „Learning by heart“, so die Formulierung für das Auswendiglernen bei unseren englischen Nachbarn: Sich etwas zu Herzen nehmen oder mit dem Herzen aufnehmen.

Haben Sie auch so einen Vers, eine Liedstrophe, die sich einen Platz im Herzen gesucht hat? Vielleicht die Strophe 9 von Paul Gerhardts Ich steh an deiner Krippen hier:

„Eins aber, hoff ich, wirst du mir,

mein Heiland, nicht versagen:

dass ich dich möge für und für

in, bei und an mir tragen.

So lass mich doch dein Kripplein sein;

Komm, komm und lege bei mir ein

dich und all deine Freuden.“

Johann Stein ist Pfarrer und Krankenhausseelsorger der Elblandkliniken